by Swissquote Analysts
Merkel gibt Parteivorsitz ab, EUR zeigt wenig Veränderung

Deutsche grosse Koalition in Gefahr
Nach einem schwächeren PMI für das verarbeitende Gewerbe sowie einem schwächeren Composite PMI (d.h. Industrie und Dienstleistungen), die ein Mehrjahrestief erreicht haben, und nach einer unerwarteten Verlangsamung des IFO-Geschäftsklimaindex für den Monat Oktober, scheint es so, als würde das Wachstum des deutschen BIPS in der zweiten Hälfte von 2018 stagnieren, nachdem die Zahl im 2. Quartal im Jahresvergleich auf 2,430% geschätzt wird.
In der Tat zeigt die deutsche Politik Anzeichen der Erschöpfung, da die Eurozone vor demselben Abwärtstrend steht, der dem anhaltenden Rückgang der Exporte sowie den fortlaufenden geopolitischen Problemen zuzuschreiben ist. Nachdem die grosse Koalition, Groko (zusammengesetzt aus CDU/CSU und SPD), vor zwei Wochen bei den Wahlen in Bayern mehr als 10% der Stimmen verloren hatte, hat sie nun in Hessen mit mehr als 20% weniger im Vergleich zum Vorjahr eine noch deutlichere Anzahl der Stimmen eingebüsst (CDU/CSU: -11,30%, SPD: -10,90%), was die deutsche Kanzlerin Angela Merkel stärker unter Druck gesetzt hat und die Berliner Koalition untergräbt. Das führt letztendlich dazu, dass sich die Anleger fragen, ob Deutschland eine stabile Regierung halten kann.
Trotz der aktuellen Situation ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine links- oder rechtspopulistische Partei die Führung übernimmt, jedoch recht gering; ganz anders als bei der italienischen Anti-Establishment-Partei, weshalb wir für die Währungsunion kein systematisches Risiko sehen.
Dementsprechend ist der aktuelle Rückgang des EURUSD weitgehend auf die deutschen Wahlen zurückzuführen. Wir gehen daher davon aus, dass die Einheitswährung kurzfristig weiter auf 1,1360 zurückgehen wird.
Brasilien verlagert sich nach rechts - Wird der BRL an Schwung gewinnen?
Es war ein langsamer Start in die Woche am Devisenmarkt, da die meisten Währungspaare während der asiatischen Sitzung nur wenig Veränderung zeigten. Mit der Ausnahme des neuseeländischen Dollars, der gegenüber dem US-Dollar 0,70% zulegte. Der NZDUSD stieg wieder auf 0,6550, ein Plus von 1,30% gegenüber dem gestrigen Tief. Die Einheitswährung bewegte sich um 1,1390 USD seitwärts, das Pfund Sterling fiel um 0,09% auf 1,2815 USD und der japanische Yen schwankte um die neutrale Schwelle und der USDJPY stabilisierte sich um 111,95.
Heute ging der Grossteil der Aufmerksamkeit auf Brasilien über. In der Tat hat Jai Bolsonaro wie erwartet Fernando Haddad (Linke) geschlagen und am Sonntag die brasilianische Präsidentschaftswahl für sich entschieden. Die Finanzmärkte warteten nicht auf das Ergebnis vom Sonntag, um damit zu beginnen, die Wahl eines marktfreundlichen Präsidenten einzupreisen - oder zumindest freundlicher als sein Gegner. Am Freitag stieg der brasilianische Real gegenüber dem Greenback um 1,70%, da der USDBRL die 3,6416 erreicht hat, der niedrigste Wert seit dem 24. März. Seit Mitte September ist die brasilianische Währung um mehr als 15% gegenüber dem Dollar gestiegen, der USDBRL fiel von 4,2133 auf 3,621, da die Anleger nach und nach die Möglichkeit ausgeschlossen haben, dass Haddad gewählt wird. Es ist schwierig zu sagen, wie viel Schwung die Rallye noch hat. Wir denken, dass der grösste Teil der Erholung bereits stattgefunden hat, da der politische Faktor, der den BRL belastet hat, bereits ausgepreist ist. Die globale Stimmung wird für die Schwellenländer weiter eine Herausforderung bleiben, da der Handelskrieg zwischen China und den USD weiter eine Belastung sein wird. Zudem werden die steigenden Renditen in den USA den Druck auf diese Länder erhöhen.