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Handelskrieg, Flächenbrände, Coronavirus: die australische Wirtschaft erstickt.

By Ipek Ozkardeskaya
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Die australische Wirtschaft wuchs mit gedämpfter Geschwindigkeit von 1,7% im dritten Quartal und die Reihe an Zinssenkungen durch die australische Zentralbank (RBA) zwischen Juni und Oktober hat eventuell wenig erreicht, um die Aktivität vor dem Ende des letzten Jahres anzukurbeln.

Die Handelsspannungen zwischen den USA und China, ihre negativen Auswirkungen auf die chinesische Nachfrage - die übrigens ein Drittel der Gesamtexporte Australiens ausmacht - und die fallenden Rohstoffpreise haben die australische Wirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 belastet.

Und das war, bevor die brutalen Flächenbrände die australischen Küsten zerstörten und das Coronavirus ausbrach.

Es sieht so aus, als träge Australien das Elend der ganzen Welt auf seinen Schultern und der RBA gehen die Ressourcen aus, die Verlangsamung und das zunehmende Risiko der Konjunkturkontraktion zu bekämpfen.

Laut ersten Schätzungen könnte das Coronavirus alleine der australischen Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte fast 13 Mrd. Dollar kosten und niemand weiss, wie schlecht die Situation werden könnte oder wie lange die Krise anhalten könnte.

Alles was wir wissen, ist, dass die RBA mit Zinsen auf dem Nullpunkt nicht viel mehr an der Zinsfront tun kann, ausser sie entscheidet sich, sich dem Club der Nullzinspolitik anzuschliessen.

Kann die RBA die Zinsen ins Negative senken?

Die Antwort ist: Ja, das kann sie, wird sie wohl aber nicht.

Bei ihrer Sitzung im Februar liess die RBA den Leitzins unverändert auf dem historischen Tief von 0,75% und sagte, das es zu früh sei, festzulegen, wie langwierig die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft sein werden. Governor Lowe fügte hinzu, dass der Vorstand die Entwicklungen und auch den Arbeitsmarkt weiter sorgfältig überwachen würde. Er wäre bereit, die Geldpolitik bei Bedarf weiter zu senken.

Australien müsste die Zinsen drei weitere Male senken, um sich dem Nullzins-/Negativzins-Club anzuschliessen. Aber es ist nicht sicher, dass negative Zinsen das sind, was die australische Wirtschaft braucht, und die RBA wird sich wahrscheinlich nicht dafür entscheiden.

In der Tat könnten negative Zinsen in Australien eher schaden als Gutes tun. Die Erfahrung hat gezeigt, dass negative Zinsen nicht unbedingt dazu beigetragen haben, die Inflation und das Wachstum in Japan und der Eurozone anzukurbeln.

Für Australien ist die Inflation jedoch eine andere Geschichte.
Negative Zinsen stehen jedoch aktuell nicht auf der Agenda der RBA. Es wäre darüber hinaus sehr unüblich für eine Währung mit hohem Beta, Zinsen auf dem Nullpunkt oder darunter zu haben. Bevor die RBA sich also für negative Zinsen entscheidet, kann sie immer noch alternative politische Tools in Erwägung ziehen, um die Wirtschaft zu unterstützen, so wie Anleihekäufe und die Bilanzausweitung.

Aktuell glauben die australischen Währungshüter, dass sich die Situation für die australische Wirtschaft eher früher als später bessern dürfte. Laut Lowe wird der Gesamtausblick durch «das niedrige Zinsniveau, die jüngsten Steuerrückzahlungen, laufenden Ausgaben für die Infrastruktur, bessere Prognosen für den Ressourcen-Sektor» unterstützt und der Konsum wird nach und nach wohl anziehen.

Das ist alles, was wir für Australien hoffen.

In der Zwischenzeit gehen wir davon aus, dass die RBA im ersten Quartal abwarten wird, aber wir schliessen die Möglichkeit einer oder mehrerer Zinssenkungen später im Jahr nicht aus.

Und dann ist da noch die steigende Inflation...

Die Inflation in Australien ist im 4. Quartal um 1,8% gestiegen, der höchste Wert in einem Jahr. Die Lieferstörungen aufgrund von Flächenbränden sind weitgehend verantwortlich für den Anstieg der Verbraucherpreise und der Inflationsdruck könnte für mindestens ein weiteres Quartal anhalten und sollte dann nachlassen.

Das Wachstum des australischen Verbraucherpreises wird somit in nächster Zukunft wahrscheinlich im Zielbereich der RBA von 2% bis 3% bleiben, was den Währungshütern zumindest etwas Flexibilität gibt, die geldpolitische Unterstützung zu erhöhen, wenn das wirklich nötig werden sollte.

Der Aussie

Anfang 2018 war der australische Dollar im Vergleich zum US-Dollar 81 Cent wert. Heute liegt der AUDUSD-Wechselkurs leicht unter 63 Cent, fast 18% niedriger als vor zwei Jahren.

Und es gibt wenig Anzeichen, dass sich der langfristige bärische Trend umkehren wird. Widerstand bleibt in der Nähe der 0,7020 solide, das ist das 23,6% Retracement auf die Abwertung von 2018-2020 und vor der kritischen Schwelle bei 0,730 könnte ein weiterer Widerstand ins Spiel kommen, dem wichtigen 38,3% Retracement.

Aus technischer Sicht wird der AUDUSD wohl unter einem dezenten Verkaufsdruck bleiben, es sei denn, er erholt sich über 0,7230, in welchem Fall das Paar den mittelfristigen, langfristigen bullischen Konsolidierungsbereich erreichen würde. Erst dann könnte der AUDUSD einen Anstieg auf das Niveau um 74-75 Cent in Erwägung ziehen, ein Niveau, das wir zuletzt im Sommer 2018 gesehen haben.