Research Market strategy
By Swissquote Analysts
Published on 10.09.2021
Morning news

EZB senkt PEPP-Käufe im 4Q - Grundsatzentscheidung im Dezember

Topic of the day

Zweifelsohne profitiert die EZB aktuell von ihrem doch recht flexiblen PEPP-Programm. Hier haben die Notenbanker angedeutet, moderat weniger im vierten Quartal zu kaufen. Zudem kaufen sie sich Zeit, genau gesagt drei Monate, bis zu dem Treffen im Dezember. Für diesen Termin hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine umfangreiche Überprüfung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) angekündigt. Trotz der homöopathischen Dosis, in der die EZB ihre Anleihekäufe nun erstmals seit Beginn der Pandemie drosseln will, dürfte dies von den Marktteilnehmern als erster kleiner Schritt in Richtung einer sehr langen und sehr vorsichtigen geldpolitischen Normalisierung angesehen werden, so Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa der DWS. Erst im Dezember, wenn auch die Projektionen für 2024 veröffentlicht werden, rechnet Kastens mit einer Entscheidung über eine tatsächliche Neukalibrierung der Geldpolitik. Vor allem das Gesamtvolumen der Ankaufhöhe ab März 2022, wenn das PEPP offiziell beendet sein könnte, dürfte dann im Fokus stehen. 2021 markiere den Höhepunkt der Anleihekäufe, ab 2022 müssten sich die Marktteilnehmer auf ein geringeres Ankaufvolumen einstellen. ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski betrachtet das etwas geringere Tempo der EZB-Anleihekäufe im vierten Quartal als einen kleinen Sieg für die geldpolitischen Falken im EZB-Rat. "Es ist kein Tapering, aber ein sehr vorsichtiges Anzeichen dafür, dass Tapering kommen wird", schreibt Brzeski in einem Kommentar zu den Ergebnissen der EZB-Ratssitzung.

Swiss stocks

Der schweizerische Aktienmarkt hat am Donnerstag den dritten Tag in Folge mit Abgaben geschlossen. Auch der feste Franken bremste den eidgenössischen Aktienmarkt. Der SMI verlor 0,8 Prozent auf 12.116 Punkte. Unter den 20 SMI-Werten standen sich elf Kursverlierer und sieben -gewinner gegenüber, unverändert schlossen zwei Aktien. Umgesetzt wurden 29,56 (zuvor: 31,07) Millionen Aktien. Belastet wurde der Markt von Abschlägen der beiden Pharmaschwergewichte Roche (-3%) und (-1,7%) Novartis. Im Handel wurde auf Pläne von US-Präsident Joe Biden zur Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente verwiesen. Zu den administrativen Massnahmen gehört auch die Prüfung der Kostenerstattung für Medikamente in Medicare auf der Grundlage ihres klinischen Nutzens. Medicare ist das Gesundheitsprogramm für Menschen ab 65 Jahren und für jüngere Menschen mit Behinderungen in den USA. Dagegen erholten sich Holcim (+1%) nach der jüngsten Talfahrt im Gefolge eines negativen Gerichtsurteils in Sachen Terrorismusfinanzierung in Frankreich leicht. Nestle schlossen unverändert und bewiesen damit relative Stärke. Auch ausserhalb der Schweiz waren Werte aus dem Bereich Lebensmittel tendenziell gefragt. Lindt & Sprüngli zogen um 0,6 Prozent an. Swiss Re rückten um 0,2 Prozent vor. Der Rückversicherer rechnet damit, dass sich das weltweite Prämienwachstum im Sachversicherungsmarkt 2021 und 2022 fortsetzen werde.

International markets

Europe

Nach einem schwachen Start schlossen die europäischen Aktienmärkte am Tag der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank knapp im Plus. Alles in allem war es am Nachmittag dann eine entspannte Sitzung für die Marktteilnehmer, der DAX schloss 0,1 Prozent höher bei 15.623 Punkten. Im Tagestief hatte der Index schon bei 15.454 Punkten gelegen. Der Euro-Stoxx-50 ging kaum verändert bei 4.177 Punkten aus dem Handel. Mit einem Abschlag von gut 10 Prozent schloss die Aktie von Easyjet, die Fluggesellschaft plant eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Milliarden britischen Pfund sowie eine neue Kreditlinie von 400 Millionen Dollar, um ihre Bilanz zu sanieren und in Wachstum zu investieren. Für die Aktie von Assa Abloy ging es nach der Übernahme von HHI, einem Geschäftsbereich von Spectrum Brands, um 4,7 Prozent nach oben. Im DAX profitierten RWE von Berichten über den Einstieg eines aktivistischen Investors, für die Aktie ging es um 0,9 Prozent nach oben. Merck KGaA legten sogar um 1,9 Prozent zu, die Darmstädter haben die Prognose für den Bereich Life Sciences etwas nach oben genommen. Bayer führten die Verliererseite im DAX an, der Kurs fiel um 2,1 Prozent. "Die strengeren Vorschriften für den Einsatz von Glyphosat führen zu Verkaufsdruck", sagte ein Händler. Um weitere gut 10 Prozent aufwärts geht es bei SFC Energy. Nachdem der Brennstoffzellen-Hersteller im Wochenverlauf eine grosse Kooperation in Indien vermeldet hatte, kam nun noch der grösste Auftrag der Unternehmensgeschichte aus den USA dazu. Dort wurden 600 EFOY-Brennstoffzellen bestellt.

United States

Die Wall Street hat am Donnerstag ihre Durststrecke auf drei Sitzungen in Folge ausgeweitet. Der Dow-Jones-Index drehte 0,4 Prozent auf 34.879 Punkte ins Minus, S&P-500 und Nasdaq-Composite gaben 0,5 bzw. 0,3 Prozent ab. Der Pharmasektor zeigte sich mit Abschlägen von 1,7 Prozent. Merck und Johnson & Johnson büssten 2,1 bzw. 2,2 Prozent ein. US-Präsident Biden will die Medikamentenpreise senken und auch die Vergütung überprüfen. Moderna zogen dagegen um 7,8 Prozent an. Der Pharmakonzern entwickelt eine kombinierte Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 und Grippe. Die Gamestop-Geschäftszahlen bargen Licht und Schatten - die Aktie (+0,2%) drehte spät ins Plus. Lululemon verteuerten sich um 10,5 Prozent. Der Anbieter von Sportbekleidung hatte die Erwartungen mit seinen Geschäftszahlen deutlich übertroffen. Boston Beer verbilligten sich um 3,7 Prozent, nachdem der Brauereikonzern seine Prognose kassiert hatte. Aktien chinesischer Technologie-Unternehmen standen unter Druck, nachdem Peking die Vorschriften für die Online-Spiele-Branche abermals verschärft hatte. Netease verloren 2,1 Prozent, Bilibili 2,3 Prozent. Mastercard kletterten um 0,1 Prozent. Die Kreditkartengesellschaft will CipherTrace, ein Unternehmen aus dem Bereich Sicherheit für Kryptowährungen, übernehmen.

Asia

Nach den teils derben Verlusten vom Vortag sind die Aktienmärkte in Ostasien am Freitag auf Erholungskurs. Der Nikkei-Index notiert 1,1 Prozent fester bei 30.341 Punkten. Mit 1,7 Prozent zeigt sich auch der Hongkonger Markt kräftig erholt von seinem am Donnerstag noch etwas stärker ausgefallenen Rücksetzer. An den anderen Plätzen fallen die Gewinne moderater aus. In Seoul können sich die an den Vortagen stark gebeutelten Aktien der beiden Fintech-Unternehmen Kakao (+2,0%) und Naver (+3,3%) etwas erholen.

Bonds

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe sank weiter und fiel um 4 Basispunkte auf 1,299 %. Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit lag wie am Mittwochabend bei -0,360 %.

Analysis

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