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by Swissquote Analysts
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Sind US-Staatsanleihen trotz den steigenden Regierungsschulden weiter sicher?

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Die meisten Regierungen haben einmalige steuerliche Massnahmen ergriffen, um die von den weltweiten Unternehmensschliessungen und den geringen wirtschaftlichen Aktivitäten aufgrund der Covid-19-Pandemie zerschlagenen Wirtschaften zu unterstützen und zu fördern.

In den USA haben die Staatsschulden zum Beispiel im Juni 26 Bio. USD überschritten, einschliesslich des steuerlichen Hilfspakets im Wert von 2,5 Mrd. USD, da die US-Regierung sich schneller verschuldet hat, um Privatpersonen und Unternehmen während der harten Lockdown-Zeit mit Finanzierungen zu unterstützen. Als Folge dessen ist das US-amerikanische Schulden-/BIP-Verhältnis auf 120 % geklettert - das sind höhere Werte als wir sie während des 2. Weltkriegs gesehen haben. Und der Anstieg der US-Schulden ist noch nicht vorbei. Die Regierung bereitet sich darauf vor, diesen Sommer eine weitere Billion draufzusetzen, um die Unterstützung noch zu erhöhen.

In anderen Industriestaaten sieht es nicht viel anders aus. Die britischen Schulden haben vor kurzem zum ersten Mal in 50 Jahren die 100 % überschritten, und das Schulden-/BIP-Verhältnis in Frankreich, Italien und Japan dürfte die 100 % ebenfalls überschreiten, wenn es das noch nicht getan hat.

Fitch setzte die Bewertung Kanadas von AAA auf AA+ herunter und wies auf die Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nach der Covid-19-Pandemie hin, was zu einem deutlichen Anstieg des Schulden-BIP-Verhältnisses des Landes auf 115 % im Jahr 2020 führen sollte. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 88,3 %.
Unter den Industrieländern konnte nur Deutschland sein Schuldenlevel unter der Schwelle von 100 % halten.

Bei den Schwellenländern sehen wir nach der Pandemie ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Schulden-/BIP-Verhältnisse. Die brasilianischen Schulden dürften laut eines aktuellen Artikels von Reuter von rund 75 % vor der Pandemie auf 93,5 % ihres Bruttoinlandsproduktes steigen. Die indischen Schulden werden wohl um 85 % des BIPs des Landes liegen, im Vergleich zu 70 % in den Vorjahren. Die chinesischen Regierungsschulden liegen knapp über 40 %, aber China gibt keine Schuldtitel aus wie das andere Länder tun. Die Gesamtschulden des Giganten der Schwellenmärkte hingegen stiegen auf über 300 %. Die Türkei hingegen wird ihre Schulden wahrscheinlich auf 42 % des BIPs erhöhen, im Vergleich zu einem Zehnjahresdurchschnitt um 30 %.

Wer absorbiert die Schulden?

Die meisten Schulden der Regierungen hält die Öffentlichkeit - Privatanleger, Unternehmen und ausländische Regierungen - über Staatsanleihen und Regierungsanleihen. Und aufgrund der extrem niedrigen Zinsen liegen die von diesen Regierungen emittierten Schuldtitel auf extrem niedrigen Werten, vor allem in den Industrienationen, wo die Zinsen um oder unter null liegen.

Das liegt an der Tatsache, dass die niedrigeren Zinsen theoretisch zu niedrigeren Anleiherenditen führen.

Null- bis Negativzinsen sind aber nicht die einzige Erklärung für die ungewöhnlich niedrigen Renditen von Regierungsanleihen, vor allem in den Industrieländern. Das ist noch nicht alles.

Aber bevor wir zum nächsten Punkt kommen, ist es wesentlich zu verstehen, dass eine Gegenkraft zu den fallenden Staatsrenditen die steigenden Staatsschulden sind. Höhere Schulden-/BIP-Verhältnisse erhöhen das Risiko, dass eine Regierung insolvent wird – das Ausfallrisiko auf ihre Schulden. Somit sollten die steigenden Schulden die Anleihenrenditen steigen lassen, um das erhöhte Ausfallrisiko der Regierung trotz den extrem niedrigen Zinsen zu kompensieren.

Aber es scheint nicht so, als wären die übermässig steigenden Regierungsschulden für die ausländischen Investoren kein Problem, vor allem in den USA. Die US-Renditekurve ist flacher geworden und ist seit Beginn der Pandemie deutlich gefallen, und die niedrigeren Fed-Zinsen waren nicht die einzige Antriebskraft für diese Abwärtsbewegung. Ab einem bestimmten Zeitpunkt konnten wir beobachten, dass für dasselbe Zinsniveau eine höhere Regierungsverschuldung zu niedrigeren Renditen der Staatsanleihen geführt hat. Diesbezüglich waren die Schulden der US-Regierung noch nie so hoch und die US-Anleihenrenditen noch nie so niedrig.
Diese Anomalie liegt an drei wichtigen Faktoren.

Zum ersten herrscht der allgemeine und begründete Glaube, dass die höheren Schulden erforderlich sind, um die weltweit grösste Wirtschaft anzukurbeln und das Risiko einer schlimmen weltweiten Rezession zu senken.

Zweitens wissen die Anleger, dass die USA die Schulden ins «Unendliche» anheben könnte, um ihre bestehenden Schulden zurückzuzahlen.

Dann hat sich auch die US Federal Reserve (Fed) verpflichtet, einen unbegrenzten Betrag an US-Regierungsschulden zu kaufen, um sicherzustellen, dass der Schuldenmotor problemlos läuft. Letzteres senkt das Insolvenzrisiko deutlich.

Ja, es ist eine Art Schneeballsystem, aber es funktioniert. Darüber hinaus gelten die US-Schulden als sicherster Hafen.

In Deutschland ist das kurze Ende der Kurve aufgrund von Risiken, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die quantitativen Lockerungsmassnahmen (QE) aufgrund der deutschen Opposition eventuell nicht so stark ausweiten kann wie sie das gerne möchte, gestiegen, aber das lange Ende der Renditekurve ist in den letzten sechs Monaten gefallen. Und die gesamte deutsche Kurve liegt unter 0 %, was bedeutet, dass die Anleger kaum glauben, dass die deutschen Schulden sicher sind, egal was auch passiert.

In Japan ist die Kurve mit niedrigeren kurzfristigen Zinsen und leicht höheren langfristigen Zinsen steiler geworden, da die japanische Bruttostaatsverschuldung von ca. 230 % des BIPs die höchste unter den souveränen Staaten ist, und da sich die Anleger aufgrund der zusätzlichen Ausgaben im Zusammenhang mit Covid-19 zunehmend um die Solvenz des Landes Sorgen machen. Aber die Renditen in Japan liegen um oder unter null, was bedeutet, dass die Wahrnehmung des Risikos für die japanischen Anleihen weiter sehr begrenzt bleibt, auch wenn die Bank of Japan immer weniger Handlungsspielraum hat.

Woanders sieht es anders aus.

Die steigenden Schulden in den sogenannten Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien, der Türkei und China, verleihen den Renditen von Staatsanleihen Auftrieb. Das bedeutet, dass die Regierungen höhere Zinsen dafür zahlen, Finanzierungen zu finden, da ihre Schulden aufgrund der erhöhten Regierungsausgaben inzwischen mit einem höheren Risiko verbunden sind. Wichtiger ist jedoch, dass die Zentralbanken des Schwellenlandes kaum rechtfertigen können, Geld zu drucken, um die Schulden ihrer eigenen Regierung zu kaufen.

Daher können die Schwellenländer nicht nur ihre Ausgaben nicht so rücksichtslos wie die Industrieländer erhöhen, sondern sie zahlen auch höhere Zinsen, auch wenn ihre Ausgaben im Vergleich zu denen der G10-Giganten relativ niedrig bleiben.

Als Folge dessen liegen die Renditen der brasilianischen Staatsanleihen am kurzen Ende niedriger, sind aber im Vergleich zu ihren Werten von vor sechs Monaten steiler, während die türkischen Renditen auf der gesamten Kurve höher liegen und am kurzen Ende eine deutliche Versteilerung aufweisen, was höhere kurzfristige Risiken betont, da die Regierung aufgrund der Pandemie die Ausgaben erhöht hat.

Darüber hinaus haben die höheren Schulden verheerende Auswirkungen auf die Schwellenmarktwährungen und senken die Kaufkraft dieser Länder noch weiter. Das trifft auf die G10-Volkswirtschaften nicht zu. Die höheren Regierungsausgaben haben positive Auswirkungen auf die G10-Währungen - da sie ihre Wachstumsprognosen verbessern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die höheren G10-Ausgaben die Wachstumsprognosen verbessern, aber höhere Ausgaben der Schwellenländer die Insolvenzängste erhöhen.

Das ist eine beunruhigende Doppelmoral aber die Realität.

Vor kurzem haben sich viele Anleger immer noch gefragt, wie sicher die US-Schulden aufgrund der extrem hohen Verschuldung der Regierung sind? Könnte die Idylle der Schulden der USA und anderer sogenannter Industriestaaten vorbei sein?

Wahrscheinlich nicht. Es gibt keinen Grund, dass die G10-Schulden in Ungunst verfallen, solange der Rest der Welt bereit ist, die billigen Schulden der G10-Wirtschaften zu finanzieren. Die Finanzkraft der G10-Wirtschaften zu erhalten ist der Preis dafür, von einer bestimmten Stabilität am globalen Finanzmarkt zu profitieren.

Somit geht es vor dem aktuellen Hintergrund bei dem Insolvenzproblem der Regierungen darum, wer sich unbekümmerte quantitative Lockerungsmassnahmen (QE) leisten kann und wer nicht und wessen Schulden somit vom Markt absorbiert werden. Anders gesagt: Die Anleihen von Ländern werden sicher bleiben, wo die Regierungen weiter einen ungeheuerlichen Schuldenbetrag aufnehmen, solange die Zentralbanken massive Beträge an von ihren eigenen Regierungen ausgegebenen Schulden kaufen, was die Wahrnehmung des Ausfallrisikos für die Anleger senkt.

 
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