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Swisscom erobert die digitalen Märkte

Der Schweizer Telekomriese will neue Geschäftsfelder erschliessen, unter anderem mit E-Health-Lösungen und Online-Speicherdiensten. Es steht viel auf dem Spiel, denn die Umsätze aus der Telefonie sinken unaufhaltsam.

© iStock

Es entsteht gerade ein immenser neuer Markt, in dem wir eine strategische Rolle übernehmen wollen», sagt Roger Wüthrich-Hasenböhler. Der Chief Digital Officer von Swisscom spricht nicht von der nächsten Smartphone-Generation, sondern von den neuen Chancen, die mit der digitalen Revolution verbunden sind. Dazu zählen zum Beispiel Datenspeicherdienste, E-Health-Lösungen ebenso wie das Internet der Dinge. SCMN

Warum hegt die Nummer eins des Schweizer Telekommunikationsmarkts derlei Ambitionen? Ganz einfach: weil ihre Einnahmen jährlich um 300 bis 400 Mio. Franken sinken und daher neue Wachstumsimpulse erforderlich sind, um dauerhaft zu überleben. Innovationen wie das Digitalfernsehen oder neue Mobilfunkverträge reichen nicht mehr aus. «In den Bereichen, in denen die Einnahmequellen in den letzten Jahren immer weiter versiegen, ist die Konkurrenz so hart wie nie», sagt Christian Neuhaus, Mediensprecher des Konzerns. «Wie man am Beispiel von WhatsApp sieht, das den Netzbetreibern Verluste in Höhe von 50 Milliarden einbrachte, besteht heute die Gefahr, dass irgendein Typ in seiner Garage eine neue App bastelt, die von einem Tag auf den anderen einen bislang kostenpflichtigen Dienst gratis anbietet.»

Die « Big Five » Facebook, Google, Microsoft, Apple und Amazon lassen wenig Platz für Nischen

Vor diesem Hintergrund hat Swisscom gar keine andere Wahl, als sich zu diversifizieren. Das Schweizer Unternehmen hat einige Asse im Ärmel, um die Zukunftsmärkte der digitalen Wirtschaft zu erschliessen: eine treue Stammkundschaft, eine moderne Infrastruktur und Know-how in der Verwaltung von Netzen und Daten. Bereits seit mehreren Jahren investiert der Anbieter Millionen, um bei diesem Innovationswettlauf bestmöglich abzuschneiden. Swisscom besitzt Niederlassungen im Silicon Valley und seit Kurzem auch eine Filiale in Schanghai. Roger Wüthrich-Hasenböhler, der gerade aus China zurück ist, erklärt, dass diese Strukturen bei der Analyse wichtiger Trends und Zukunftstechnologien behilflich sein sollen. «Es ist sehr wichtig für uns, diese Entwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren. Wir möchten einschätzen können, in welchem Ausmass gewisse Technologien und neue Dienste für unser Land übernommen werden können.»

Die «Big Five» – Facebook, Google, Microsoft, Apple und Amazon – lassen wenig Platz für Nischen. Roger Wüthrich-Hasenböhler ist dennoch optimistisch: «Manche Dienste sind eng mit einem lokalen Mehrwert verknüpft, und die grossen Player sind an kleinen Märkten wie der Schweiz oft gar nicht interessiert.» So investierte Swisscom beispielsweise vor ein paar Jahren in das Walliser Start-up Keylemon, das auf Spracherkennung (einschliesslich Deutschschweizer Dialekte) spezialisiert ist. Inzwischen hat das Unternehmen den Dienst in sein Web-TV-Angebot integriert.

Swisscom besitzt noch zahlreiche weitere Trümpfe. Zum Beispiel seine Spezialdienste für medizinisches Fachpersonal – ein Wachstumsmarkt, in dem das Schweizer Unternehmen mehr als 200 Personen beschäftigt. Zu den Kunden zählen vor allem die sechs grossen Spitäler der Berner Insel-Gruppe sowie das Zürcher Gesundheitsnetz. Swisscom stellt ihnen eine Plattform zur zentralen Verwaltung der Patientendaten zur Verfügung, auf der alle nützlichen Informationen – Röntgenaufnahmen, MRT- Bilder, Laborergebnisse, Medikamentenangaben etc. – in digitalen Akten gespeichert werden. Ärzte und medizinisches Personal können darauf im Notfall jederzeit zugreifen. Wird etwa ein Patient mit gebrochenem Bein und Gehirnerschütterung eingeliefert, kann das zuständige Spital die Krankenakte des Patienten online einsehen, um Behandlungsfehler durch nicht beachtete Allergien oder Ähnliches zu vermeiden.

In Zahlen

11,64 Mrd.

Franken Umsatz erwirtschaftete Swisscom im Jahr 2016, 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

1,6 Mrd.

Franken betrug der Konzerngewinn im Jahr 2016, ein Plus von 17,8 Prozent.

21'127

Angestellte beschäftigt das Unternehmen.

2,4 Mrd.

investierte Swisscom 2016 in die Infrastruktur.

22

Franken Dividende pro Aktie schüttete der Konzern im Jahr 2016 aus.

+12%

Wachstumsrate der Bündelangebote von Swisscom Ende März 2017. TV-Anschlüsse verzeichneten einen Zuwachs von 8,7 Prozent.

Auch kommunale Verwaltungen setzen immer häufiger auf eine zentrale Datenerfassung, zur Optimierung des Gebietsmanagements. « Smart Cities » heisst der neue Trend. Swisscom hat dazu bereits mehrere Projekte in der Schweiz gestartet. Zum Beispiel im Waadtländer Ort Pully, dem das Telekomunternehmen aggregierte Smartphone- Daten über die Bewegungsprofile der Einwohner zur Verfügung stellt. «Anhand dieser Indikatoren können wir feststellen, wie sinnvoll es ist, in diese oder jene Buslinie zu investieren», erklärte Alexandre Bosshard, Leiter des Projekts bei der Stadt Pully, in einem Beitrag der Zeitung «Le Temps». Ähnliche Projekte laufen derzeit in Zürich, Genf und Freiburg. «Für Swisscom besteht auf diesem Gebiet ein enormes Wachstumspotenzial», schätzt Peter Grütter, Präsident des Schweizerischen Verbands der Telekommunikation. «Zudem werden im Zuge der Weiterentwicklung des Internets der Dinge mit der Zeit alle Gas-, Stromund Wasserzähler vernetzt sein. Damit können unzählige Daten gesammelt und zur Verbesserung der Netzverwaltung genutzt werden.»

Mit der Speicherung sensibler Daten eröffnet sich für Swisscom ein weiteres boomendes Geschäftsfeld. Die Schweiz besitzt auf diesem Gebiet diverse Vorteile, zum Beispiel die Stabilität der politischen Verhältnisse und eine Datenschutzgesetzgebung auf hohem Niveau. Multinationale Konzerne, Banken und KMU nehmen Leistungen der Swisscom auf dem Gebiet des Datenhandlings bereits in Anspruch. Der Netzbetreiber berät die Unternehmen in strategischen Fragen und bietet Workflow-Lösungen, Sicherheitsvorkehrungen sowie Plattformen für den digitalen Dokumentenaustausch an.

Auch das Thema « Mobile Payment », das zurzeit in aller Munde ist, hat Swisscom auf dem Radar. Der Konzern ist als Technologiepartner am Bezahldienst Twint beteiligt, bei dem sich verschiedene Schweizer Banken und Händler zusammengetan haben, um Giganten wie Apple Pay oder Samsung Pay die Stirn zu bieten. Die im April lancierte Twint-App, mit der bereits an 25’000 Verkaufsstellen bezahlt werden kann, soll schrittweise ausgedehnt und um neue Funktionen erweitert werden. Allerdings: «Die Schweiz hat auf diesem Gebiet nicht die Nase vorn», merkt Peter Grütter kritisch an. «Es sind noch viele Fortschritte nötig, bis wir eine glaubwürdige Alternative zu den anderen verfügbaren Apps haben werden. In Dänemark etwa gibt es eine App, die alle Banken und Händler des Landes vereint und die von praktisch allen Bürgern genutzt wird.»


« Den Grossteil unseres Umsatzes erzielen wir heute mit Produkten, die vor zehn Jahren noch gar nicht existierten. »

Um sich auf diesen zukunftsträchtigen Märkten durchzusetzen, wird Swisscom massiv in die Infrastruktur investieren müssen, vor allem in die neue 5G-Technologie, die höhere Geschwindigkeiten und Übertragungskapazitäten ermöglicht. Ein extrem kostengünstiger und dadurch heikles Unterfangen für ein Unternehmen, dessen Traditionsmarkt dahinschmilzt und von dessen neuen Wachstumstreibern man noch keine genauen Gewinnvorstellungen hat. Der Netzbetreiber wollte den − zweifellos noch sehr geringen − Umsatzanteil der neuen Absatzmärkte nicht offenlegen, genauso wenig wie die Höhe der Einnahmen, die er mit Lösungen aus dem Bereich Digitalfernsehen generiert. So müssen wir uns vorerst mit folgendem Hinweis von Christian Neuhaus begnügen: «Den Grossteil unseres Umsatzes erzielen wir gegenwärtig mit Produkten, die vor zehn Jahren noch gar nicht existierten.»

Wird diese Strategie auch in den kommenden Jahren aufgehen? Obwohl Swisscom über anerkanntes Know-how und eine kritische Masse an Kunden verfügt, besteht die aktuelle Herausforderung für den Traditionsanbieter darin, die verschiedenen Projekte schnell umzusetzen und risikofreudig zu bleiben. In der Führungsetage des Konzerns gibt man sich selbstbewusst: «Vor zehn Jahren, als wir mit dem Digitalfernsehen begonnen haben, hat man uns belächelt», berichtet Roger Wüthrich-Hasenböhler. «Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. Inzwischen ist das Segment zu einer wichtigen Einnahmequelle für Swisscom geworden. Unserer Auffassung nach wird es sich mit der Digitalisierung der Wirtschaft genauso verhalten.»

Die Meinung des Analysten

« Eine intelligente Strategie »

2016 hatte Sunrise zum ersten Mal mehr neue Mobilfunkkunden als Swisscom. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Das glaube ich nicht. Es kann zwar sein, dass Sunrise Kunden in einigen Segmenten dazugewinnt, dies aber eher zulasten von Salt. Mit 60 Prozent Marktanteil bleibt Swisscom Spitzenreiter. Es zeigt aber, dass sich auf dem Schweizer Telekommunikationsmarkt etwas bewegt und die Konkurrenz zunimmt. Sunrise mischt jetzt auch in den Bereichen Bündelangebote und Digitalfernsehen mit, Sparten, die sich bei Swisscom in den letzten Jahren als sehr wachstumsstark erwiesen haben. Die Schweizer Kundschaft bleibt mehrheitlich dem Traditionsbetreiber treu, der mit hoher Netzqualität punktet und regelmässig als Erster neue Tarifmodelle auf den Markt bringt. Zum Beispiel im letzten Frühjahr mit dem Angebot inOne, bei dem Mitglieder von Swisscom, die im selben Haushalt leben, Rabatte erhalten. Das war clever.

Und doch stehen die Zeichen auf Sturm, denn die Wachstumsperspektiven in diesem Markt sind begrenzt…

In der Tat. Der traditionelle Telekommarkt ist gesättigt, dort ist in den nächsten Jahren kein grosses Wachstum mehr möglich. Der monatliche Umsatz pro Mobilfunkkunde ist in den vergangenen Jahren gesunken und liegt derzeit bei etwa 50 Franken. Sparten wie die Festnetztelefonie sind sogar deflationär. Mit nur drei Betreibern − weniger als in den meisten anderen Ländern Europas − ist die Situation in der Schweiz dennoch stabil. Die Marktanteile dürften sich in Zukunft kaum verändern. Die von der Wettbewerbskommission 2010 abgelehnte Fusion von Sunrise und Orange ist kein Thema mehr. Und die Frequenzlizenzen werden erst 2028 neu vergeben. Der Anteil des Bundes liegt bei 51,2 Prozent. Und die Dividendenerträge sind in der Bundeskasse gern gesehen. Zudem gewinnt die strategische Kontrolle über Kommunikationsinfrastruktur zusehends an Bedeutung.

Um das fehlende Wachstum in der Telefoniesparte wettzumachen, setzt Swisscom auf die digitale Wirtschaft und investiert in den Gesundheits-, Finanz- und Energiebereich. Was halten Sie davon?

In der momentanen Situation muss Swisscom neue Wachstumstreiber finden. Es ist nur logisch, diese in jenen Märkten zu suchen, die mit der zukünftigen Nutzung der eigenen Infrastruktur verbunden sind. Ganze Wirtschaftszweige werden immer grössere Datenströme austauschen, und Swisscom versucht, sich in diesen Bereichen optimal zu positionieren. Das ist eine intelligente Strategie, auch wenn heute noch grosse Unsicherheit herrscht, wohin sich die digitale Wirtschaft entwickeln wird. Es ist noch nicht abzusehen, wie gross ihr Beitrag zu Swisscoms Wachstum tatsächlich sein wird.

Wie lautet Ihre Empfehlung für die Swisscom-Aktie?

Die Ergebnisse aus dem ersten Quartal 2017 sind solide, das Unternehmen liegt auf Zielkurs. Aufgrund ihres hohen Preises können wir den Kauf der Aktie zwar nicht empfehlen, angesichts der soliden Jahresdividende von 22 Franken, was für heutige Verhältnisse eine recht ordentliche Summe ist, raten wir aber dazu, sie zu halten. Die Rendite von 4,85 Prozent dürfte sich im kommenden Jahr nicht gross verändern. Dagegen liegt die Rendite der Sunrise-Aktie, die sich an der Börse etwas besser entwickelt hat als die Swisscom-Aktie, mit 5,3 Prozent noch etwas höher.

 
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