Interview

«In den USA sind enorme Investitionen geplant»

Dieter Küffer, Senior Portfolio Manager bei Robeco und seit Langem auf Wasserwirtschaft spezialisiert, beschreibt die jüngsten Trends in dieser Branche.

Von Ludovic Chappex

Dieter Küffer verwaltet den RobecoSAM Sustainable Water Equities Fonds, seit er 2001 aufgelegt wurde. Dieses Produkt erzielte im vergangenen Jahr eine Performance von 12 Prozent und damit fast das Doppelte des Wachstums des MSCI WORLD TRN-Index (6,2 Prozent). Dieter Küffer hat ein paar Tipps für Investments in Wasser parat.

Welche Entwicklungen prägen den Wassermarkt am stärksten?

Es gibt tatsächlich viele. Nennen wir zuerst die Mikroschadstoffe in Böden, Wasserläufen und Seen. Sie stammen von Pestiziden, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, Medikamenten oder Chemikalien. Das Problem ist seit Langem bekannt, doch beginnt man erst jetzt, sich ernsthaft damit zu befassen. In der Schweiz ist beispielsweise in den kommenden Jahren eine Modernisierung der 100 grössten Kläranlagen geplant. Diese Arbeiten sind teuer und eröffnen den Akteuren in dieser Branche neue Chancen. In den USA plant die Biden-Administration enorme Investitionen, nicht nur zur Erneuerung der völlig veralteten Rohrleitungsnetze des Landes, sondern auch um das Problem der per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) zu lösen. Diese Investitionspläne müssen allerdings noch verabschiedet werden.

Welche Unternehmen profitieren von diesen Arbeiten?

Zunächst die Unternehmen, die Systeme zur Prüfung der Wasserqualität entwickeln. Dann die Firmen, die Wasseraufbereitung mit verschiedenen Techniken anbieten. Dazu gehören UV-Desinfektion und Umkehrosmose.

Gib es Bereiche, in denen Investitionen besonders stark zum Tragen kommen?

Die Landwirtschaft zieht viel Aufmerksamkeit auf sich, denn auf diesen Sektor entfallen 70 Prozent des Wasserverbrauchs weltweit. Mikrobewässerungstechniken werden immer effizienter und ermöglichen es, bis zu 80 Prozent der Wassermenge einzusparen. Ferner entwickeln Unternehmen Feuchtigkeitssensoren, die den Wasserbedarf der Böden genau bestimmen. Das ist insbesondere bei grossen Kulturflächen, wie man sie in den USA vorfindet, sehr wichtig.

Ist es richtig, dass Entsalzungsanlagen eine nachhaltige Wasserversorgung sicherstellen?

Dieser Markt wächst rasant. Das Verfahren ist aber teuer und deshalb eher für die Trinkwasseraufbereitung in grossen Ballungszentren geeignet, weniger für die Landwirtschaft.

Sie haben die veralteten Rohrleitungsnetze in den USA erwähnt. Das Problem betrifft jedoch auch Europa. Machen wir Fortschritte bei der Überwachung und der Erneuerung der Systeme?

Ja, wir machen Fortschritte. Neue, vor allem digitale Technologien erlauben es heute, den Zustand der Versorgungsnetze zu überwachen. Beispielsweise kann man einen kleinen Ball mit Sensoren durch die Rohrleitungen schicken, damit er undichte Stellen aufspürt. Kleine Roboter oder Fahrzeuge, die mit Sensoren und Kameras ausgestattet sind, werden in Rohrleitungen mit einem grösseren Durchmesser eingesetzt, meistens in der Nähe der Kläranlagen. Es gibt sogar Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz prognostizieren, wo das nächste Leck auftreten dürfte.

Was geschieht in den Schwellenländern?

Sie sind ebenfalls ein Wachstumsfaktor, auch für westliche Unternehmen. China investiert beispielsweise seit einigen Jahren hohe Summen in seine Infrastruktur. Für diese Arbeiten werden meistens chinesische Firmen beauftragt. Dennoch erhalten ausländische Unternehmen oft den Zuschlag für Leistungen mit hohem Mehrwert, beispielsweise für Analyse- und Überwachungsdienste.