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Idorsia: jung, aber oho

Die junge Basler Pharmafirma brütet über mehreren vollkommen neuartigen Medikamenten. Ein Überblick über die wichtigsten Projekte. CEO Jean-Paul Clozel hat uns bei einem Rundgang begleitet.

Idorsia ist ein Alien in der Schweizer Biotechbranche. Die Firma gibt es seit 2017. Damals beschlossen Jean-Paul und Martine Clozel, das Pharmaunternehmen Actelion, das sie 1997 gegründet und seitdem geleitet hatten, für 30 Mrd. Dollar an den US-Riesen Johnson & Johnson zu verkaufen. Das Ehepaar Clozel nahm die Forschungspipeline mit und gründete Idorsia, um weiter daran zu arbeiten.

«Diese Vorgeschichte gibt dem Unternehmen eine Sonderstellung», so Michael Altdorfer, Leiter des Branchenverbands Swiss Biotech. «Die meisten Schweizer Biotech-Unternehmen sind Spin-offs, die organisch über einen langen Zeitraum wachsen und durchschnittlich 300 Mitarbeitende haben.» Idorsia dagegen hatte dank Johnson & Johnson ein Startkapital von einer Mrd. Dollar zur Verfügung und beschäftigt bereits 750 Mitarbeitende. Zudem ist das Basler Unternehmen seit seiner Gründung an der Börse kotiert.

«Idorsia wird schon bald das erste Produkt auf den Markt bringen, während die Konkurrenz in der Regel zehn bis 15 Jahre braucht, um an diesen Punkt zu gelangen», berichtet Michael Altdorfer. Das liegt daran, dass die Firma nicht bei null beginnen musste. «Wir konnten auf Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zurückgreifen, die 20 Jahre lang bei Actelion gewachsen waren», erklärt Jean-Paul Clozel, der von Haus aus Kardiologe ist.

Bei Idorsia ist die Suche nach neuen Medikamenten ein empirischer Prozess. Das Unternehmen besitzt eine Datenbank mit 600’000 Wirkstoffmolekülen. Immer wenn die medizinische Forschung herausfindet, inwiefern ein Rezeptor oder Enzym an der Entstehung einer Krankheit beteiligt ist, wird geprüft, ob eines der Moleküle diesen Wirkmechanismus blockieren kann. «Da wir keinen Vertrieb mit einer feststehenden Liste von Krankheiten haben, für die Therapien gefunden werden müssen, sind wir frei und können dorthin gehen, wo uns die Innovation hinführt», sagt Jean-Paul Clozel.

 

«Wir sind frei und können dorthin gehen, wo uns die Innovation hinführt»

Jean-Paul Clozel, CEO von Idorsia

 

Unterstützung bei dieser Mammutaufgabe holt sich das Unternehmen durch künstliche Intelligenz bzw. maschinelle Lernverfahren. «Mit solchen Tools können wir Muster in den gigantischen Datenmengen, die wir sammeln, erkennen und so Zusammenhänge und Kausalitäten finden», erklärt der CEO. Inzwischen arbeitet Idorsia an zehn Wirkstoffen. Bei dem Projekt, das für die grösste Aufmerksamkeit sorgt, geht es um ein Mittel gegen Schlaflosigkeit, das sich derzeit in Phase III der klinischen Entwicklung befindet und 2020 auf den Markt kommen soll.

Drei weitere Wirkstoffe befinden sich ebenfalls schon in Phase III und könnten 2021 in den Handel kommen. Einer davon ist für Patienten mit der erblichen Fettstoffwechselstörung Morbus Fabry. «Unser Medikament soll tiefer in das Gewebe eindringen, als mit den derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten möglich, und dadurch die neuropathischen Schmerzen lindern, unter denen die Patienten leiden», erläutert Jean- Paul Clozel.

Ein anderer Wirkstoff soll gegen besonders hartnäckigen Bluthochdruck helfen. «Zielgruppe sind Patienten, die bereits alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft haben, aber immer noch unter zu hohem Blutdruck leiden», wie der Idorsia-Chef darlegt. Alleine in den USA betrifft das fünf bis zehn Millionen Menschen.

Bei einem dritten Molekül geht es darum, Personen nach einem Hirnaneurysma zu helfen, «schneller wieder im Alltag anzukommen», wie Jean-Paul Clozel es ausdrückt. Es hält die Arterien in den zwei Wochen nach dem Vorfall offen und verringert damit die Gefahr eines Gefässkrampfs. Dieses Risiko betrifft ein Drittel aller Menschen, die ein Aneurysma überlebt haben.

Darüber hinaus wird an Medikamenten gegen Lupus, akutes Koronarsyndrom, Nasenpolypen und Epilepsie gearbeitet, deren Entwicklungen allerdings noch nicht so weit vorangeschritten sind.

Finanziell profitiert Idorsia von einem Liquiditätsniveau, das im März bei 1,1 Mrd. Franken lag. Die Börsenkapitalisierung beträgt derzeit rund drei Mrd. Franken. Auch eine Reihe von Kooperationen mit anderen Pharmafirmen – wie Janssen Biotech, einer Tochter von Johnson & Johnson, oder Roche – garantiert Idorsia weitere Einnahmen.

In den Augen mehrerer Analysten läuft das Basler Unternehmen allerdings Gefahr, sein Pulver zu schnell zu verschiessen: «Sicher hat Idorsia im Juli 2018 innerhalb weniger Tage 505 Mio. Franken eingesammelt, was ein Zeichen dafür ist, dass die Investoren dem Unternehmen vertrauen», so Michael Altdorfer. «Aber klinische Phase-III-Studien kosten auch erheblich mehr als vorklinische Untersuchungen.» Der Experte glaubt, dass die finanziellen Reserven der Firma nicht lange vorhalten werden. Dieses Jahr rechnet man dort mit Ausgaben von 570 Mio. Franken, um alle Projekte realisieren zu können. 2018 verbuchte Idorsia einen Verlust von 386 Mio. Franken. «Der Mittelbedarf bei einer diversifizierten Pipeline kann ein junges Unternehmen durchaus vor einige Herausforderungen stellen», räumte Jean-Paul Clozel im Februar dieses Jahres ein.

Doch Idorsia hat noch ein paar Trümpfe in der Hinterhand. Die Deutsche Bank schätzt, dass das Unternehmen mit den vier Wirkstoffen in der klinischen Phase-III-Studie Umsätze von mehr als vier Mrd. Franken erwirtschaften könnte. Die Bank Vontobel kalkuliert etwas vorsichtiger mit einem Potenzial von 2,6 Mrd. Franken. Sie befürchtet unter anderem, dass das wichtigste Medikament – das gegen Schlaflosigkeit – die Konkurrenz der Generika zu spüren bekommen könnte.

Ausserdem erinnert man in der Bank daran, dass es bereits ein ähnliches Mittel namens Belsomra von Merck gibt. Es ist allerdings erst in Japan, den USA und in Australien auf dem Markt und in Europa noch nicht zugelassen. Und dieser Markt ist riesig: «Mehr als 30 Prozent aller Erwachsenen leiden an Schlafstörungen, und zehn Prozent nehmen Hilfsmittel zum Schlafen ein», so José Haba Rubio vom Schlafforschungszentrum des Waadtländer Universitätsspitals (CHUV). Idorsia will jetzt ausserdem noch einen eigenen Vertrieb aufbauen und damit die Gewinne aus den eigenen Entwicklungen maximieren. Für den Marktstart seines Medikaments gegen Schlaflosigkeit hat das Unternehmen eine umfassende Werbestrategie entwickelt. Mit der Kampagne will man gleichermassen auf Mediziner, Patientenforen und auf Nutzer von Fitnessuhren abzielen.

SCHLAFMITTEL IN DER KLINISCHEN PRÜFUNG

Der Wirkstoff trägt den kryptischen Namen ACT-541468. Es geht um das vielversprechendste Produkt aus der Idorsia-Pipeline. Das Mittel gegen Schlaflosigkeit blockiert Orexin-Rezeptoren. «Diese von den Nervenzellen produzierte Substanz im lateralen und posterioren Hypothalamus hält uns wach», erklärt José Haba Rubio vom Schlafforschungszentrum des Universitätsspitals in Lausanne (CHUV). «Wenn man ihre Wirkung blockiert, dann erleichtert das also das Einschlafen.» Die Methode hat einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu klassischen Schlaftabletten, wie Idorsia-CEO Jean-Paul Clozel erklärt: «Schlaftabletten setzen die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns herab. Sie führen damit eher einen Bewusstseinsverlust als Schlaf herbei.» Mit dem neuen Mittel soll ein Schlaf möglich sein, der dem natürlichen Schlaf vom Rhythmus her näherkommt, einschliesslich unterschiedlicher Phasen wie Tief- und Traumschlafphase. Noch ein Vorteil: Durch die Blockierung der Orexine ist die Gefahr der Gewöhnung weniger gross als bei klassischen Schlaftabletten.

2018 hat Idorsia begonnen, 1’800 Patienten für die klinischen Studien der Phase III zu gewinnen. Die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse ist für Ende 2019, die Markteinführung für 2020 geplant.

Die klinischen Phase-II-Studien, die an 360 Erwachsenen mit Schlafstörungen durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass das Medikament ein schnelles Einschlafen, eine normale Schlafdauer und nur seltenes nächtliches Aufwachen bewirkt. Ausserdem führte es nicht zu einer Schläfrigkeit am folgenden Tag. Die Prüfungen wurden auch an 58 Senioren durchgeführt, einer Bevölkerungsgruppe, die häufig an Schlafstörungen leidet und Schlaftabletten in der Regel schlecht verträgt.

Analystenmeinung

«Ein solides portfolio»

Auch wenn Idorsia noch weit von schwarzen Zahlen entfernt ist, bietet sich hier eine interessante Anlagemöglichkeit. «Die Geschäftsleitung und die Mitarbeitenden sind äusserst erfahren, und das Unternehmen unterhält enge Beziehungen zu den beiden Pharmariesen Johnson & Johnson und Roche», meint Stefan Schneider, Analyst bei der Bank Vontobel. Dazu kommt ein solides Portfolio an Wirkstoffmolekülen, von denen sich schon mehrere in der klinischen Phase-III-Studie befinden, sowie eine gute finanzielle Ausgangsposition, die vor allem dem Erfolg bei der Kapitalbeschaffung 2018 zu verdanken ist.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Stefan Schneider, aber auch Michael Altdorfer, Leiter des Branchenverbands Swiss Biotech, bereitet es Sorgen, wie schnell die Firma ihre finanziellen Rücklagen aufbraucht. «Ihre Pipeline ist zu stark diversifiziert, und keiner der Wirkstoffe scheint momentan einen echten Wettbewerbsvorteil zu bieten», so Analyst Michael Schneider. Anders gesagt könnten die finanziellen Mittel von Idorsia aufgebraucht sein, bevor das Unternehmen die Rentabilitätsschwelle erreicht. Ein Warnhinweis für Anleger – trotz der Fortschritte, die Indorsia bereits erzielt hat.

 
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