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Die Blockchainer von Zürich

Eine Nobeladresse ist gerade gut genug: In der Zürcher Bahnhofstrasse hat sich kürzlich «Trust Square» niedergelassen. Das Drehkreuz für Start-ups, Forschung und Industrie verleiht der «Blockchain made in Switzerland» noch mehr Strahlkraft.

Die legendäre Zürcher Hauptschlagader, die als eine der zehn teuersten Strassen der Welt gilt, hat seit Kurzem einen neuen Mieter: Im April zog Trust Square – ein Non-Profit-Hub für Blockchain- Start-ups – in die Bahnhofstrasse Hausnummer 3, was etwa auf halbem Weg zwischen Zürichsee und dem prestigeträchtigen Paradeplatz liegt. Dort verteilen sich 220 Arbeitsplätze auf insgesamt 2’300 Quadratmetern und drei Etagen. «Für uns ist das der ideale Standort», sagt Daniel Gasteiger mit einem Lächeln, einer der fünf Gründer von Trust Square. «Hier sind wir im Herzen des Zürcher Finanzplatzes. Auch wenn unsere Aktivitäten sich nicht ausschliesslich auf diesen Sektor beschränken, so ist uns die Nähe zur Finanzwelt doch wichtig.»

Beim Betreten der Trust-Square-Büros sieht zunächst alles ein bisschen nach klassischem Bankhaus aus. Kein Wunder, denn Vormieterin war die Liechtensteiner VP Bank. Nur eine etwas merkwürdige Skulptur aus Digitalgeräten gegenüber der Rezeption, die die Blockchain symbolisieren soll, verweist darauf, dass an der Bahnhofstrasse jetzt die Basistechnologie des Bitcoins zuhause ist. 40 start-ups, die alle auf die Blockchain- Technologie spezialisiert sind, belegen derzeit die 220 Büroplätze des Hubs. «Wir sind ausgebucht, das ist ein echter Erfolg», stellt Gasteiger fest. «Doch wir planen schon, noch weitere Etagen im Haus anzumieten, um mehr als 300 Arbeitsplätze anbieten zu können.»

Im Trust Square herrscht Hochbetrieb. In den puristisch gehaltenen Gängen eilen Mitarbeitende von einem Raum zum anderen, andere sitzen in den Open Spaces und schauen gebannt auf ihre Bildschirme. Und obwohl die Räumlichkeiten denen einer Bank ähneln, sieht man hier nur wenige im Businessdress, keine Anzüge, keine Krawatten. Dafür umso mehr junge Leute in Shorts, T-Shirts und mit Flip-Flops.

Die Idee, Trust Square zu gründen, entstand vor zwei Jahren. «Ich wollte die Bankenwelt nach 20 Jahren, in denen ich für Credit Suisse und UBS tätig war, verlassen und mein eigenes Unternehmen gründen», berichtet Daniel Gasteiger. «Es ging mir damals um drei Ideen: Robo-Advisor (automatisierte Vermögensverwaltung, Anm. d. Red.), Fintech und Blockchain. Genau zu dieser Zeit eröffnete die UBS in London ein Blockchain-Forschungslabor. Damals dachte ich mir: Das kann doch nicht sein, dass sie auf der anderen Seite des Ärmelkanals damit anfangen und es in der Schweiz nichts gibt!» Und so nahm Gasteiger Gespräche mit den Zürcher Kantonalbehörden auf, um ein Hub für Blockchain-Innovationen in Dübendorf zu lancieren.

 

Das Zürcher Projekt übt eine Faszination aus. «Aus aller Welt kommen Leute und wollen uns besuchen»

Daniel Gasteiger, Mitgründer von Trust Square

 

Das Ziel war von Beginn an, die besten Unternehmen und die besten Forscher des Sektors an einem Standort zusammenzubringen, um das richtige Umfeld für ein Ökosystem zu schaffen.

In der Bahnhofstrasse nahm das Projekt schliesslich konkrete Formen an. «Als wir nach dem Wegzug der VP Bank die Chance bekamen, diese Räume zu mieten, haben wir gleich zugegriffen», erzählt Daniel Gasteiger. «Die Schweizer Behörden begreifen allmählich, wie wichtig es ist, in die Blockchain-Technologie zu investieren.» Kanton und Stadt finanzieren Trust Square zwar nicht direkt, unterstützen aber das Projekt. So wurde auch der Einzug in das prestigeträchtige Gebäude an der Bahnhofstrasse möglich. «Wir konnten die Kosten für die Unternehmen, die sich eingemietet haben, auf monatlich 500 Franken pro Arbeitsplatz beschränken, was weit unter den in dieser Strasse üblichen Preisen liegt», so der Zürcher Unternehmer.

Von der Terrasse in der obersten Etage des Gebäudes sieht man auf die Tramlinien herunter, wie sie vom Zürichsee Richtung Hauptbahnhof fahren, vorbei am Sitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). «Ich sage immer, dass mit Trust Square die neue Welt direkt gegenüber der alten eingezogen ist», schmunzelt Daniel Gasteiger. «Das war nicht geplant, ist aber ein schöner Zufall.»

Von den 40 Start-ups im Zürcher Hub arbeitet gut die Hälfte im Finanzbereich. Zum Beispiel Lykke Switzerland, ein Unternehmen, das einen Finanzmarktplatz auf Blockchain- Basis errichten will. Die andere Hälfte stammt aus ganz unterschiedlichen Branchen. B3i etwa ist im Versicherungsbereich tätig, Verum Capital ist eine Beratung für ICOs und Blockchain und ScienceMatters entwickelt eine neue Plattform für wissenschaftliche Publikationen. Auch das chinesische Unternehmen Bitmain hat sich bei Trust Square eingemietet.

KONFERENZEN UND GRILLABENDE

Nicht nur für Start-ups, auch für Forscher von Partneruniversitäten wie der ETHZ und der Universität Zürich sind bei Trust Square Arbeitsplätze reserviert. «Wir wollen das gesamte Schweizer Know-how in Sachen Blockchain an einem Ort bündeln», unterstreicht Daniel Gasteiger. «Um den Austausch zwischen Start-ups und Wissenschaft zu erleichtern, organisieren wir regelmässig Veranstaltungen und Konferenzen, aber auch Grillabende. Und in den zwangloseren Bereichen wie auf der Terrasse oder in der Cafeteria können sich alle Beteiligten treffen und miteinander austauschen.» Um Interessenkonflikte zu vermeiden, seien Konzerne allerdings vom Einzug in den Trust Square ausgeschlossen, betont der Geschäftsmann Gasteiger. «Aber natürlich werden wir gerne gemeinsam Veranstaltungen oder Konferenzen organisieren.»

Das Zürcher Innovationszentrum sorgt auch über die Landesgrenzen hinaus für Interesse. «Aus aller Welt kommen Leute und wollen uns besuchen. Und wir heissen sie gerne willkommen. Wir sehen den Trust Square als eine Art offenes Haus und laden alle ein vorbeizukommen. Es besteht enormer Informationsbedarf. In der Anfangszeit des Internets hat niemand geahnt, was aus den sozialen Netzwerken werden würde. An genau diesem Punkt stehen wir heute mit der Blockchain. Wir brauchen Zeit, um die Technologie weiterzuentwickeln und zu erklären.» Der spektakuläre Höhenflug der Kryptowährungen 2017 und darauffolgende Spekulationen haben die Blockchain zwar ins Rampenlicht gerückt, der Medienrummel hatte aber auch Schattenseiten. «Von Schneeballsystemen und Manipulation war die Rede. Die Leute haben die Blockchain auf die Kryptowährungen reduziert», sagt Daniel Gasteiger mit Bedauern. «Solche Ungenauigkeiten können sich negativ auswirken, weil sie Investitionen hemmen. Natürlich gibt es Leute, die das System missbraucht haben, vor allem hinsichtlich der ICOs, aber man darf die Technologie nicht auf diese Negativbeispiele reduzieren. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen diese Technologie verstehen.»

Dass der Name des Hubs weder auf Kryptowährungen noch auf die Blockchain verweist, ist übrigens kein Zufall. Die fünf Gründer entschieden sich für «Trust», weil der Begriff eher mit Unternehmen und Business als mit Spekulation assoziiert wird. «Wir glauben nicht an den momentanen Hype», meint Daniel Gasteiger. «Wir wollen Geschäftsmodelle schaffen, die langfristig funktionieren.»

 

«Viele Länder wie Zypern, Malta oder Liechtenstein entwickeln sich sehr schnell in der Branche»

Daniel Gasteiger, Mitgründer von Trust Square

 

Naiver Idealismus? Ganz und gar nicht. «Wir wollen nicht als bedingungslose Unterstützer der Blockchain missverstanden werden», erklärt Flurin Hess, Mitgründer von Trust Square und auch von Dezentrum, einem Thinktank rund um das Thema Blockchain. «Wir glauben, dass der Welt mit dieser Technologie eine weitgreifende Dezentralisierung bevorsteht, die viele Märkte revolutionieren wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich die Gesellschaft darüber bewusst wird, was auf dem Spiel steht, damit eine kritische Debatte geführt werden kann.»

Vor dem Miniaturmodell eines Satelliten versucht Ozan Polat, ein weiterer Gründer von Trust Square, zu erklären, welche Fragen die Technologie aufwirft. «Stellen wir uns ein selbstfahrendes Taxi vor, das die Blockchain-Technologie nutzt. Die Kunden bezahlen in einer Kryptowährung, und das Fahrzeug begleicht selbstständig in Kryptowährungen seine Strom- und Reparaturkosten. Es ist komplett autonom, und kann daher sein eigenes Business führen. Doch was passiert, wenn das Fahrzeug sich selbst aufkauft und sehr reich wird? Wie soll es besteuert werden? Wer ist bei einem Unfall verantwortlich? Wir liefern keine Antworten auf solche Szenarien. Aber wir fordern dazu auf, darüber nachzudenken.» Daher arbeitet Trust Square auch mit Philosophen und Künstlern zusammen. Auch ausserhalb von Zürich ist das Blockchain-Phänomen angekommen. Die Region Zug ist dabei eine Pionierin mit dem eigenen Hub «Crypto Valley Labs». Und in der Westschweiz gründete der Inkubator Fusion im Januar 2018 in Genf die Swiss Blockchain Association sowie ein Blockchain-Lab. Und wie sieht es im internationalen Vergleich aus? «Singapur und die USA sind die grössten ICO-Märkte, aber gleich danach kommen wir. Trotzdem müssen wir aufpassen. Viele Länder – zum Beispiel Zypern, Malta oder Liechtenstein – entwickeln sich sehr schnell in der Branche», weiss Gasteiger.

Die geplante Vergrösserung von Trust Square dürfte Zürich als Epizentrum für Blockchain-Innovationen stärken. Doch die Bahnhofstrasse ist nur eine Übergangslösung. Bis 2020 wird sich das Ökosystem ein neues Quartier suchen müssen. Wo? «Die Zukunft ist völlig offen», antwortet der Ex-Banker. «Die Blockchain ist etwas Langfristiges.»

Land der Pioniere

Zug ist unter Blockchain-Experten weltweit bekannt. Die 30’000-Einwohner-Gemeinde, aus der auch Ethereum stammt, ist Sitz des Blockchain-Hubs «Crypto Valley Labs», das seit 2014 Dutzende Start-ups angelockt hat. Zudem dient der Ort als eine Art Versuchslabor für das «E-Government», da hier seit 2018 Blockchain- basierte Abstimmungen getestet werden. Eine Weltpremiere.

Seit September 2017 können sich Zugerinnen und Zuger auch eine digitale Identität auf Blockchain-Basis zulegen. Konkurrenz für Zürich und seinen Trust Square? «Absolut nicht», antwortet Daniel Gasteiger, Mitgründer des Trust Square. «Zürich und Zug sind sich so nahe, das ist praktisch dasselbe.» Die beiden Hubs tauschen im Übrigen auch gerne einmal Büros, um den Wissenstransfer zu fördern. Genf muss sich auch nicht verstecken. Im Januar 2018 rief der Inkubator Fusion mit Unterstützung des Kantons, des Inkubators Fongit und verschiedenen privaten Partnern die Swiss Blockchain Association und ein Blockchain-Lab ins Leben. Im Mai veröffentlichten die Genfer Behörden zudem als Erste einen Leitfaden für ICOs (Initial Coin Offerings) im Kantonsgebiet.

Auf Bundesebene hatte die Finanzmarktaufsicht (FINMA) mit der Publikation entsprechender Richtlinien im Februar 2018 bereits eigene Rahmenbedingungen für ICOs festgelegt. Die Schweizer Börsenbetreiberin (SIX) wiederum kündigte am 6. Juli die Einführung der SIX Digital Exchange an, einer Handelsplattform für digitale Vermögenswerte. Auf dieser Plattform sollen ab Mitte 2019 nicht nur Kryptowährungen, sondern auch zahlreiche Produkte, die an der SIX heute noch nicht handelbar sind, wie «Token», gehandelt werden.

 
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