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Warum Open Source schon gewonnen hat

Freie Software, die in den 1980er-Jahren das erste Mal aufkam, ist heute praktisch überall anzutreffen:
in unseren Telefonen, unseren Computern und im Internet.
Ein milliardenschwerer Markt.

34 Mrd. Dollar. Ein Preis, der für ein Unternehmen, das einen Quelltext produziert, der kostenlos zum Download angeboten wird, vollkommen unangemessen erscheint. Und doch hat IBM genau diese Summe im vergangenen Oktober für die Firma Red Hat ausgegeben. Das 1993 in Raleigh in North Carolina (USA) gegründete und an der New York Stock Exchange kotierte Unternehmen ist auf den Vertrieb sogenannter Open-Source-Programme spezialisiert. Im Gegensatz zu proprietärer Software wie dem Betriebssystem Windows von Microsoft ist der Quellcode dieser Programme für alle zugänglich, das heisst, jeder kann ihn einsehen, ändern und weiterverbreiten. «Es ist ein bisschen wie in der Küche», erklärt Pierre-Yves Gosset, Leiter des Vereins Framasoft, eines Anbieters freier Software. «Auf der einen Seite gibt es die Fertiggerichte, die proprietäre Software, bei denen Sie nur ungefähr die Zusammensetzung kennen und die Sie nicht verändern können. Und auf der anderen Seite die freie und Open-Source-Software, bei der Sie die Zutaten, ihre Herkunft, aber auch alle Zubereitungsschritte kennen. Zusätzlich können Sie sie verändern, Ihrem Geschmack anpassen und mit Freunden teilen.»

In den 1980er-Jahren hat der US-Amerikaner Richard Stallman die Freie-Software- Bewegung als Reaktion auf die Patente der grossen Softwarehäuser wie Microsoft gestartet. Seitdem ist die Bewegung immer weiter gewachsen. Der breiten Öffentlichkeit, die meist Windows und macOs nutzt (proprietäre Betriebssysteme von Microsoft und Apple), ist dies oft nicht bewusst. Doch die Programme findet man heute überall: beim Android-Betriebssystem von Google, mit dem die meisten Smartphones ausgestattet sind, unter der Motorhaube von Tesla-, BMW- oder Mercedes-Autos, in den Bordcomputern der Internationalen Raumstation (ISS) oder in den Flugsimulatoren von Airbus. Vor allem dominiert Open Source die Webinfrastrukturen, das Internet der Dinge (IoT) und auch die Cloud. Angesichts dieses Booms wirken die Worte des damaligen Microsoft-CEO Steve Ballmer wie aus ferner Zeit. Ballmer hatte erklärt, Linux sei wie Krebs und freie Software «eine neue Form des Kommunismus».

 

Worte wie aus ferner Zeit: 2001 hatte Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer Linux noch mit «Krebs» verglichen

 

Das war 2001. Seitdem hat sich das Unternehmen aus Redmond, Marktführer für geschlossene Software, selbst an Open Source gewagt. Der US-Konzern hat im Juni 2018 für 7,5 Mrd. Dollar die Entwickler-Plattform für freie Software GitHub übernommen und ist seit 2016 Teil der Linux-Stiftung, die die Entwicklung des gleichnamigen Betriebssystem-Kernels finanziert.

Microsoft steht damit unter den Tech-Giganten nicht alleine da. Alle früheren Branchenriesen haben inzwischen einen Fuss im Open-Source-Geschäft. Oracle zum Beispiel, bekannt für seine proprietäre Profi-Software, kaufte im Jahr 2010 für 7,4 Mrd. Dollar Sun Microsystems auf, Erfinder der unter einer offenen Lizenz veröffentlichten Programmiersprache Java. Nachdem die Anfänge durch allerlei Utopien und unentgeltliche Arbeit geprägt waren, haben die Open-Source-Softwarehäuser längst ihr Geschäftsmodell gefunden. Red Hat zum Beispiel ist äusserst rentabel. Das Unternehmen mit dem roten Hut hatte ursprünglich eine kostenfreie Linux-Version als Alternative zu Microsoft-Programmen vertrieben. Dann teilte es sein Angebot auf und schuf die Bezahl-Variante «Red Hat Enterprise Linux AS» (RHEL) neben der kostenfreien Version (Fedora). Dazu bietet Red Hat kostenpflichtige Serviceleistungen wie die Implementierung der Software, Schulungen und Support an. Mit diesen bezahlten Tätigkeiten konnte das Unternehmen 2018 einen Umsatz von 2,9 Mrd. Dollar erwirtschaften.

«Traditionelle Software-Konzerne wie IBM kaufen Pure Player aus dem Open-Source-Bereich wie Red Hat natürlich auf, vor allem, um direkte Konkurrenten zu schlucken», analysiert Pierre-Yves Gosset. «Sie tun dies aber auch, weil sich die besten Entwickler und Codes auf der Seite der quelloffenen Codes befinden.»

In der Tat hat sich Open Source zu einem extrem effizienten Produktionsmodell gemausert. «Für Unternehmen ist es ein langer und kostenintensiver Prozess, ganz allein eine leistungsfähige Software zu entwickeln», erklärt Stéphane Fermigier, einer der Präsidenten des französischen Branchenverbands «Conseil national du logiciel libre» (CNLL) und CEO des Softwareunternehmens Abilian. «Wenn Sie Ihren Code aber frei im Netz zur Verfügung stellen, wird sich eine Entwickler-Community dazu bilden und ihn weiterentwickeln.» So lassen sich Innovationen also schneller und billiger realisieren. Das System ist so effizient, dass die traditionellen Softwarehäuser dazu übergegangen sind, es für ihre eigenen Produkte anzuwenden. So verkündete zum Beispiel Microsoft 2014 den Umstieg auf eine offene Lizenzierung für sein gesamtes .NET-Framework-Ökosystem und liess im März 2019 eines seiner Ur-Programme folgen: den Taschenrechner unter Windows 10. Man möchte mithilfe der Community die Nutzererfahrung verbessern, heisst es auf dem Blog des Konzerns. «Microsoft hat hier eine 180°-Wende vollzogen», sagt Pierre-Yves Gosset von Framasoft. Denn die Vorteile durch die Freigabe der Software liegen auf der Hand: mehr Qualität, schnellere Produktion bei geringeren Kosten. «Seitdem gehört Microsoft zu den weltweit grössten Unterstützern von Open Source», so Gosset. Doch das habe auch viel mit Marketing zu tun. Denn das Unternehmen sei nicht bereit, den Code ihrer Erfolgsprodukte wie den des Betriebssystems Windows oder des Office-Pakets freizugeben. «Die Branchenriesen haben verstanden, wie viel Profit sie aus den von der Entwickler-Community erschaffenen ‹gemeinsamen digitalen Produkten› schlagen können.

 

Kostenfreie Rezepte für die Fertigkost der Konzerne

 

Sie nutzen sie für die nicht differenzierenden Funktionalitäten, wo es keine Konkurrenz gibt», erklärt IT-Berater Raphaël Bauduin, Gründer des Free and Open Source Developers’ European Meeting (Fosdem), das einmal jährlich in Brüssel stattfindet. Auch die Unternehmen im Silicon Valley profitieren von Open Source. In einem Post von Facebook, 2006 auf der offiziellen Timeline veröffentlicht, gab das Unternehmen scherzhaft zu, was die ganze Welt schon wusste: «Mark Zuckerberg hat Facebook nicht alleine in seinem Wohnheimzimmer programmiert. (Sorry, Mark, dein Geheimnis ist gelüftet.) Er hatte viel Hilfe. Die der Freie-Softwareund Open-Source-Community. Ohne sie gäbe es Facebook gar nicht.» Dasselbe kann man auch über Google, Amazon oder Twitter sagen, die reichlich Gebrauch von Open-Source-Bausteinen machen.

Um auf den Vergleich mit der Küche zurückzukommen: Es ist, als ob die Webkonzerne ein von anderen erdachtes Rezept übernehmen würden, dann eine geheime Zutat hinzufügen, um es schliesslich als fertiges Gericht zu präsentieren und damit substanzielle Einnahmen zu generieren. Eine Situation, die den Open-Source-Entwicklern allmählich den Appetit verdirbt.

Im August 2018 schlug das Unternehmen Redis Labs, Anbieter von NoSQM (ein Open-Source-System zur Datenbankverwaltung), Alarm: «Die Open-Source-Projekte werden von den Cloud-Anbietern, die Open Source sehr wenig (bis gar nicht) unterstützen, in Form von konkurrierenden proprietären Diensten wiederaufbereitet», schreibt das US-Unternehmen. «Anstatt sie zu unterstützen, nutzen sie ihre Monopolstellung, um Millionen von Dollar an Gewinn herauszuschlagen. Dieses Verhalten schadet der Open-Source-Community und hat so manchen ihrer Unterstützer in den Bankrott getrieben.» Im Klartext: Redis Labs will nicht mehr, dass die Cloud-Giganten mehr verdienen als die Entwickler der Basistechnologie – also sie selbst. Die Erklärung richtet sich vor allem an Amazon Web Services, Google Cloud Platform, IBM und Microsoft Azure, die allesamt Redis nutzen.

«Für die kleinen Softwarehäuser, die ausschliesslich mit Open Source arbeiten, ist es aufgrund der Konkurrenz durch GAFAM (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft) schwierig geworden, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen», erklärt Raphaël Bauduin. So musste das vielversprechende französische Unternehmen Mandriva (vormals Mandrakesoft), Entwickler des quelloffenen Betriebssystems Mandriva Linux, 2015 Konkurs anmelden.

Um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, beschloss Redis Labs, einige seiner Module unter einer proprietären Lizenz herauszubringen, um eine Verwertung ohne Gegenleistung durch die Web-Giganten zu begrenzen. MongoDB und Confluent, zwei weitere dominierende Akteure auf dem Open-Source-Markt, haben 2018 ähnliche Entschlüsse gefasst. Der Durchschnittsanwender bekommt von diesen Umwälzungen dagegen gar nichts mit. Für Pierre-Yves Gosset ein Paradox. «Die Free-Software-Bewegung hat gewonnen, weil fast alle proprietären Programme Fragmente von Open-Source-Software enthalten, aber für den End-User hat sich leider nicht wirklich etwas geändert. Windows und iOS sind noch genauso geschlossen, und Android ist nur zum Teil transparent. So gesehen hat Open Source es nicht geschafft, seine Philosophie durchzusetzen. »

Tatsächlich verwenden Endnutzer, also Privatpersonen, Firmen oder Behörden, bis auf wenige Ausnahmen wie den Firefox-Browser, den Mediaplayer VLC oder das Office-Paket LibreOffice kaum freie Software. Der Grund? Für Privatleute seien die Open-Source-Programme schlicht weniger sichtbar als die proprietären Gegenstücke, meint Pierre-Yves Gosset. «In den Unternehmen ist noch kein IT-Leiter dafür bestraft worden, IBM als Dienstleister ausgewählt zu haben.» Es siegt also die Gewohnheit über scheinbar unsichere Alternativen.

 

Endkunden entscheiden sich oft aus Gewohnheit gegen Open Source

 

Eine Ansicht, die Marc Palazon, Präsident des Open-Source-Komitees von Syntec Numérique und CEO von Smile, relativiert: «Auch wenn wir kürzlich mit der Übernahme von Red Hat und GitHub eine Marktkonzentration erlebt haben, gibt es doch noch viele Pure Player im Bereich der freien Software. Und ihre Zahl wird noch steigen, weil die Endkunden, Unternehmen und Behörden, sich immer weiter der Open-Source-Software zuwenden, um von der proprietären Software wegzukommen.»

Einem im Februar 2018 veröffentlichten Bericht des Marktforschungsinstituts ReportBuyer zufolge soll der Weltmarkt für Open-Source-Dienste von 11,4 Mrd. Dollar im Jahr 2017 bis 2022 auf 32,95 Mrd. Dollar steigen. Diese Summen mögen angesichts des globalen IT-Markts zwar bescheiden sein, belegen aber mit einer jährlichen Wachstumsrate von 23,65 Prozent einen enormen Zuwachs. Und so ist die Vorstellung, dass sich Open-Source-Software am Ende doch noch durchsetzen wird, gar nicht so abwegig.
 

SWISSCOM: EIN BEISPIEL WIE AUS DEM LEHRBUCH

Wie andere Technologie-Unternehmen auch, nutzt Swisscom für viele Infrastrukturen und Dienstleistungen Lösungen auf Open-Source-Basis. So auch für ihren Hauptserver, Swisscom TV und die Internet-Box, die alle unter GNU/Linux laufen. Der Schweizer Netzbetreiber gibt an, nach der 80/20-Regel zu verfahren, das heisst 80 Prozent Open-Source-Software und 20 Prozent proprietäre Lösungen für Bereiche, in denen individuellere Lösungen gebraucht werden. Jacques Van der Merwe, Principal Security Architect bei Swisscom, erläutert: «Open-Source-Lösungen sind nicht nur sehr viel schneller und kostengünstiger umzusetzen als proprietäre Software, sondern garantieren auch eine kontinuierliche Implementierung der neuesten Innovationen. Unsere Cloud-Dienste basieren zum Beispiel auf den Open-Source-Programmen Cloud Foundry und OpenStac.» Und auch beim Hardwaredesign setzt Swisscom immer häufiger auf Open Source, vor allem bei der Auswahl der Netzwerkkomponenten.

GLOSSAR

Open Source
Einfach ausgedrückt bezeichnet Open Source jede Software, deren Quellcode frei zugänglich ist, weiterverbreitet und abgeändert werden darf. In der Praxis unterliegt die Definition allerdings je nach Situation und verwendeten Lizenzen einem gewissen Interpretationsspielraum.

Freie Software
Software, die von den Nutzern genutzt, geändert und verbreitet werden darf. Diese Freiheit ist gesetzlich und technisch durch den Zugriff zum Quellcode garantiert. Die Definition von frei verfügbarer Software schliesst in der Regel Open-Source-Software ein, umfasst jedoch zusätzlich die ethischen Kriterien der Free Software Foundation. Freie Software heisst übrigens nicht kostenlos, da ein Verkauf der Software theoretisch nicht ausgeschlossen ist.

Quellcode
Quellcode nennt man den in einer Programmiersprache verfassten Code vor der Kompilierung und Ausführung auf einem Computer. Er ist praktisch eine Art Kochrezept, um die Mahlzeit zubereiten zu können.

Kostenlose Software
Wie der Name sagt, handelt es sich um Software, deren Verbreitung und Nutzung kostenlos ist. Die blosse Tatsache, dass sie kostenlos ist, macht sie nicht gleich zu einer freien oder Open- Source-Software, da eine Software durchaus kostenlos und proprietär zugleich sein kann, also einen urheberrechtlich geschützten, nicht zugänglichen Quellcode enthalten kann. Beispiele für kostenlose Software, die nicht frei ist: Adobe Acrobat Reader, Internet Explorer, Google Maps.

Proprietäre Software
Auch als geschlossene Software bekannt. Es geht um jede Software, deren Quellcode nicht frei zugänglich oder sogar urheberrechtlich geschützt ist. In der Praxis handelt es sich um Software, die in ausführbarer Form (Maschinensprache) vertrieben wird, ohne dass sich der Quellcode (Programmiersprache) untersuchen oder ändern lässt. Man weiss also nicht, was genau sie tut. Beispiele für proprietäre Software: Microsoft Office, Windows.

 
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