DISCLAIMER

Our systems have detected that you are using a computer with an IP address located in the USA.
If you are currently not located in the USA, please click “Continue” in order to access our Website.

Local restrictions - provision of cross-border services

Swissquote Bank Ltd (“Swissquote”) is a bank licensed in Switzerland under the supervision of the Swiss Financial Market Supervisory Authority (FINMA). Swissquote is not authorized as a bank or broker by any US authority (such as the CFTC or SEC) neither is it authorized to disseminate offering and solicitation materials for offshore sales of securities and investment services, to make financial promotion or conduct investment or banking activity in the USA whatsoever.

This website may however contain information about services and products that may be considered by US authorities as an invitation or inducement to engage in investment activity having an effect in the USA.

By clicking “Continue”, you confirm that you have read and understood this legal information and that you access the website on your own initiative and without any solicitation from Swissquote.

«Trader nehmen nicht gerne an Experimenten teil»

Der renommierte amerikanische Forscher und Autor Paul Glimcher erklärt, warum die Neuroökonomie die Finanzwelt verändern könnte.

Vorreiter der Neuroökonomie

Der US-Amerikaner Paul Glimcher gilt als Pionier auf dem Gebiet der Neuroökonomie und hat zahlreiche Publikationen zum Thema veröffentlicht. Seine vielfach prämierte Forschung geht von einem interdisziplinären Ansatz aus, der Neurowissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Psychologie kombiniert, um zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen. Paul Glimcher leitet das von ihm gegründete Institute for the Interdisciplinary Study of Decision Making an der New York University (NYU). Er ist Autor des Standardwerks «Neuroeconomics: Decision-Making and the Brain», das erstmals 2008 erschien und 2013 in einer überarbeiteten Fassung neu aufgelegt wurde. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit dem Ökonomen Ernst Fehr, der an der Universität Zürich lehrt.

Das Glimcher Lab der New York University (NYU) widmet sich der Aufgabe, die neuesten Erkenntnisse aus den Disziplinen Neurowissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Psychologie zusammenzuführen. Paul Glimcher, Gründer und Leiter der Einrichtung, hat uns ein Telefoninterview von seinem New Yorker Büro aus gegeben.

Inwiefern ist die Neuroökonomie auch Investoren von Nutzen?

Sie ermöglicht es uns, die Mechanismen, die einer Entscheidung zugrunde liegen, sowie ihre jeweiligen Auswirkungen besser zu verstehen. Dank dem Neuroimaging-Verfahren können wir beispielsweise den Grad der Risikoaversion einer Person anhand der Grösse ihres rechten posterioren Parietalcortex vorhersagen. Verschiedene Experimente zeigen zudem, dass Trader eine starke Verlustaversion haben bzw. schnell risikosüchtig werden. Im Allgemeinen verstehen wir immer besser, wie das Gehirn die Konzepte Verlust und Gewinn in biologischer Hinsicht bewertet.

Solche Experimente scheinen sich allerdings auf die Welt der Forschung zu beschränken. Finden diese Arbeiten auch konkrete Anwendung in der Finanzbranche?

Einige Eliteschulen beginnen gerade, mit der Wirtschaft zusammenzuarbeiten. Aber tatsächlich interessieren sich vor allem Unternehmen, die sich mit Neuromarketing beschäftigen, für unsere Arbeit. Die meisten Banken und Finanzdienstleister messen dem Verständnis allgemeiner Marktmechanismen eine deutliche höhere Bedeutung bei als dem Verhalten einzelner Akteure.

Aus welchem Grund?

In der Branche gibt es heftigen Widerstand gegen Veränderung. Und es ist allgemein bekannt, dass die meisten Trader nicht gerne an wissenschaftlichen Experimenten teilnehmen. Dabei könnten die Finanzdienstleister von den Entdeckungen der Neuroökonomie profitieren. Theoretisch könnten sie ihre Ziele und das gewünschte Risikoniveau für dieses oder jenes Portfolio formulieren und anschliessend ihre Mitarbeiter nach diesen Kriterien auswählen. Das wäre sinnvoll. Doch faktisch ist es den Banken lieber, ihre Trader ausschliesslich auf der Basis ihrer vergangenen Leistungen einzustellen. Dabei ist nie auszuschliessen, dass eine gute Erfolgsbilanz auch teilweise dem Zufall zu verdanken ist.

Müssen sich die Geschäftspraktiken der Banken in diesem Bereich verändern?

Je verständlicher und aussagekräftiger die neuroökonomischen Modelle werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Werkzeuge in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Die Neuroökonomie würde sich vor allem dazu anbieten, die Effizienz des Day Trading zu steigern. Doch da gleichzeitig auch die in diesem Bereich eingesetzten Rechner immer effizienter werden, habe ich das Gefühl, dass die Finanzdienstleister nach und nach eher Personal loswerden wollen. Es ist eine Ironie des Schicksals: Gerade jetzt, da die Neuroökonomie beginnt, zu einem Vorteil für die Banken zu werden, könnten die Fortschritte der künstlichen Intelligenz menschliche Trader überflüssig machen …

Welcher Finanzbereich ausser dem Trading könnte von Ihrer Arbeit profitieren?

Die Neuroökonomie beschränkt sich nicht mehr ausschliesslich auf das Studium des Verhaltens einzelner Individuen. Wir stehen noch am Anfang – und dieser Ansatz ist nach wie vor sehr umstritten –, doch es wird langsam möglich, das Forschungsgebiet auf makroökonomische Phänomene auszudehnen. Zum Beispiel, um besser zu verstehen, wie Blasen entstehen. Ein Team des California Institute of Technology (Caltech) unter der Leitung von Colin Camerer experimentiert mit solchen Ansätzen. Es entwickelt makroökonomische Modelle auf Basis einzelner MRT-Aufnahmen. Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung: Es geht nicht mehr nur darum, zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen, sondern auch darum, wie sie auf neue Informationen reagieren.

Welche Art von Informationen?

Behördeninformationen zum Beispiel. Ein Klassiker ist die überraschte Reaktion des Marktes auf eine Zinssenkung der Zentralbank. Obwohl das ein klares und vertrauenswürdiges Signal ist, reagieren die Verbraucher darauf oft mehrere Monate lang gar nicht. Sie wirken wie paralysiert. Wir sind zusehends der Überzeugung, dass dieses Verhalten in gewissen biologischen Aufmerksamkeits- und Verständnisgrenzen des Gehirns beim Treffen von Entscheidungen begründet ist. Mehrere neuroökonomische Studien weisen in diese Richtung.

Bei neuroökonomischen Experimenten stehen häufig finanzielle Risiken im Zentrum. Doch es gibt auch andere Arten von Risiken, etwa die freiwillige Gefährdung des eigenen Lebens. Ist der biologische Mechanismus derselbe?

Das ist eine interessante Frage, die kontrovers diskutiert wird. Einige Arbeiten deuten darauf hin, dass es verschiedene Risikoarten gibt, die in unterschiedlichen Hirnregionen verarbeitet werden, weswegen wir uns nicht unbedingt gleich verhalten. Dieser Theorie zufolge könnte also jemand Extremsportarten lieben und bei Geldanlagen trotzdem zurückhaltend sein, oder umgekehrt. Das ist die These von Elke Weber von der Universität Princeton. Andere Forscher gehen im Gegenteil davon aus, dass sich Risikobereitschaft und -aversion eher gleichmässig zeigen.

Welche Rolle spielen geschlechtsspezifische Unterschiede?

Unumstritten ist, dass Frauen im Durchschnitt eine deutliche höhere Risikoaversion haben als Männer. Das zeigen viele Studien. Der Grund für dieses Phänomen ist noch nicht ganz klar. Testosteron spielt dabei nicht unbedingt eine entscheidende Rolle. Manche Forscher glauben, dass der Unterschied darin liegt, wie man seine Erfolgswahrscheinlichkeit einschätzt: Frauen scheinen sich kleinere Gewinnchancen auszumalen.

 
Live chat