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Am Anfang war der Quellcode

Lange galt der freie Zugang zum Quellcode von Computerprogrammen
als Utopie gefährlicher Aktivisten.
Dann wurde dieser Zugang zur Norm.

Als an einem schönen Tag im Jahr 1980 der neue Xerox-Drucker des Labors für künstliche Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den x - ten Papierstau meldete, glaubt der 27 Jahre junge Programmierer Richard Stallman, das Problem so lösen zu können, wie er es immer getan hat: durch eine direkte Veränderung des Maschinencodes. Das Problem dabei: Der Hersteller hatte den Quellcode des Druckers nicht zur Verfügung gestellt, und der Ingenieur, der ihn programmiert hatte, war an Geheimhaltungsvereinbarungen gebunden und durfte ihn nicht weitergeben. Das war der Moment, an dem Stallman den Kampf seines Lebens aufnahm: einen Kreuzzug der Informatiker zur Verteidigung und Förderung freier Software.

Diese berühmte Anekdote fasst die Situation rund um die Entstehung der Freie-Software-Bewegung gut zusammen: Eine Gruppe freiheitlich denkender Programmierer, die einem vom Betriebsgeheimnis geschützten, zunehmend geschlossenen Code gegenübersteht. «In den Anfängen der Informatik gab es das Konzept des proprietären Codes noch nicht», berichtet Raoul Delpech, Partner bei LINAGORA, das erste französische Unternehmen für freie Software.

«Der Code wurde von grossen Herstellern systematisch offengelegt, weil diese das Feedback ihrer Kunden brauchten, um ihre Einstellungen zu verbessern und Bugs zu beheben. Das war kein Altruismus, sondern reiner Pragmatismus. Denn es gab ohnehin keinen Markt für freie Software und auch kein Konzept der Übertragbarkeit. Undenkbar sich vorzustellen, dass Nutzer verschiedener Geräte untereinander Software austauschen würden.»

Bis Ende der 1960er-Jahre waren Computer teuer und selten, und der Code, der als Beiwerk galt, wurde nicht in Rechnung gestellt. Das spezifische soziale Umfeld der ersten Nutzergruppen, die in der Regel aus dem Hochschulmilieu stammten, in dem die Weitergabe von Wissen etwas Selbstverständliches ist, begünstigte das Austauschen und Ändern von Codes. So entstand damals die Bezeichnung «Hacker», der Spitzname, den sich die Programmierer der ersten Stunde verpassten. Eine Zeit der Freiheit, die jedoch nicht von langer Dauer sein sollte: «Mit der rasanten Entwicklung der IT und der Möglichkeit, Software zu übertragen, wurde es für kleinere Firmen rentabel, den Code wiederzuverwenden. Denn so konnten sie billigere Computer anbieten, weil die Kosten für die Softwareentwicklung wegfielen», erklärt Raoul Depech. «Angesichts dieses Risikos – umso mehr, als der PC-Markt gerade voll expandierte – wollten die Computerhersteller ihren Quellcode nicht preisgeben und zwangen ihre Entwickler zur Geheimhaltung.»

Eine drastische Entwicklung, die 1984 mit dem Computer Software Protection Act Eingang ins USRecht fand. Per Gesetz erweiterte man das Urheberrechtsprinzip auf Computerprogramme. So wurde die proprietäre Software zur Norm – ein Schritt, der zahllose Firmen in einem boomenden Markt reich machte. Unternehmen wie Microsoft, IBM, Adobe oder Apple strichen die enormen Gewinne einer Industrie ein, die neidisch auf ihre Patente war, die wiederum von ganzen Heerscharen von Anwälten geschützt wurden.

Niemand rechnete jedoch mit Richard Stallman, dem MIT-Programmierer und seinem Frust über einen Xerox-Drucker mit proprietärem Code. 1985 kündigte Stallman, bekannter unter den Initialen RMS, schliesslich seinen Job, um die Free Software Foundation (FSF) zu gründen. Er entwickelte die grundlegenden Ideen seiner Philosophie, darunter die vier Freiheiten, die nach seiner Ansicht die freie Software definieren: die Freiheit, ein Programm für jeden Zweck einsetzen zu dürfen, die Freiheit, untersuchen zu dürfen, wie es funktioniert, und es den eigenen Bedürfnissen anzupassen, die Freiheit, es an andere weiterzugeben und (auch kostenpflichtige) Kopien für andere machen zu dürfen, und die Freiheit, das Programm verbessern zu dürfen und diese Verbesserungen allgemein zugänglich zu machen. Um den Worten Taten folgen zu lassen, starteten Stallman und seine Anhänger das Projekt GNU. Dessen Ziel war es, ein Betriebssystem auf Basis von ausschliesslich freier Software zu entwickeln.

Doch der eigentliche Paradigmenwechsel geschah 1989, als Stallman die erste Version seiner Lizenz Copyleft veröffentlichte: die GNU General Public License (GNU GPL). «Das Copyleft, nutzt die Rechtsgrundlage des Urheberrechts, um die Freiheit der Software zu erhalten», erklärt Raoul Delpech. «Freie Software wird inzwischen unter einer Lizenz veröffentlicht, die die vier grundlegenden Freiheiten garantiert, allerdings unter einer Bedingung: Jede Weitergabe desselben Programms oder einer veränderten Version davon muss dem nächsten Nutzer dieselben Freiheiten garantieren.» Mit anderen Worten: Das Coplyleft sichert die Freiheit der Software und ermöglicht gleichzeitig dank des Urheberrechts, Verstösse gegen die GNU-GPL-Lizenz rechtlich zu ahnden.

 

Zwei Ereignisse haben die Ausbreitung der freien Software massgeblich beschleunigt: Die Erfindung von Linux und die zunehmende Verbreitung des Internets

 

Die Grundsätze der freien Software wurden zwar Ende der 1980er-Jahre aufgestellt, die Bewegung betraf damals aber nur ein paar wenige Fans und Aktivisten. Die sich in Unternehmen und in der breiten Öffentlichkeit rasant entwickelnde Computertechnologie blieb ganz in den Händen der proprietären Software. Zwei Ereignisse beschleunigten die Ausbreitung der freien Software massgeblich: Die Erfindung von Linux und die zunehmende Verbreitung des Internets.

«Anfang der 1990er-Jahre hatte das GNU-Projekt bereits mehrere Softwareprogramme entwickelt, aber es fehlte noch ein zentraler Baustein, um daraus ein vollständig funktionierendes Betriebssystem zu machen», berichtet Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern und Vizepräsident von CH Open, einem Schweizer Verein zur Förderung freier und quelloffener Software. Der fehlende Baustein war der Kernel, der wesentliche Bestandteil, der den Zugriff auf die verschiedenen Komponenten, ob Hardware oder Software, steuert.

Damals veröffentlichte Linus Torvalds, ein 21-jähriger finnischer Informatikstudent, einen Code für ein einfaches Betriebssystem, den er in seiner Freizeit geschrieben hatte und zu dem er gerne die Meinung anderer Entwickler gehört hätte. Sehr schnell fand das Projekt bei vielen Begeisterten Anklang, die freiwillig mitmachen wollten. 1992 beschloss Linus, seinen Kernel unter der GNU-GPL-Lizenz zu veröffentlichen. «Diese Entscheidung hat die schnelle Entwicklung und Verbreitung des Linux-Kernels und die Umwandlung in ein vollsändiges Betriebssystem mithilfe der vom GNU-Projekt entwickelten Programme ermöglicht», so Matthias Stürmer.

Mit der Kombination aus dem Linux-Kernel und den Programmen aus dem GNU-Projekt war ein vollständig freies Betriebssystem entstanden: GNU/Linux. Und mit ihm auch das erste Ökosystem für den Vertrieb und den technischen Support. Zugleich entzündete sich daran ein ideologischer Konflikt, der bis heute nicht gelöst ist.

 

«Erst als Open Source immer grösser wurde, fühlten sich Firmen wie Microsoft stark bedroht»

Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern und Vizepräsident von CH Open

 

«Ab den 1990er-Jahren begann die freie Software, das Interesse der Wirtschaft zu wecken», berichtet Matthias Stürmer. «Damals entstand der Begriff Open Source, da die politischen Verstrickungen der freien Software und der Free Software Foundation die Investoren in die Flucht trieben.» Tatsächlich legten die Open-Source-Anhänger im Gegensatz zur FSF den Schwerpunkt auf die praktischen Vorteile eines offenen Quellcodes: niedrigere Entwicklungskosten, bessere Qualität, höhere Effizienz. Sie waren pragmatisch und liessen die Nutzung weniger restriktiver Lizenzen und damit eine Kombination aus freiem und proprietärem Code zu.

The rapid development of the internet gradually encouraged the use of free licences and collaborative approaches, and free and open-source software gained more and more ground with developers – a cause for concern among traditional software publishers, Microsoft in particular. Eventually, the Redmond firm changed its attitude and embraced the movement: “When open source started to grow, companies like Microsoft initially felt threatened, but before long they recognised the competitive advantages of collaborative development. Ultimately, they had no choice but to follow and support the movement,” explains Stürmer.

Die rasante Entwicklung des Internets gab den freien Lizenzen und dem kollektiven Ansatz nach und nach recht: Die freien und quelloffenen Programme wurden bei den Entwicklern immer beliebter, und zwar so sehr, dass die traditionellen Softwarehäuser, allen voran Microsoft, begannen, sich Sorgen zu machen. Bis das Unternehmen aus Redmond es sich schliesslich anders überlegte und sich der Bewegung anschloss.

«Als Open Source begann, immer grösser zu werden, fühlten sich Firmen wie Microsoft erst stark bedroht und mussten schliesslich die Wettbewerbsvorteile der gemeinschaftlichen Entwicklung anerkennen. Am Ende hatten sie gar keine andere Wahl, als der Bewegung zu folgen und mitzumachen», so Matthias Stürmer. Der Grund: Open Source ist so omnipräsent geworden, dass es für alle in der IT tätigen Unternehmen ein erhebliches Risiko wäre, ihm keine Beachtung zu schenken. «Open Source ist heute die technologische Basis für alles, was im Internet passiert», so Raoul Delpech. «Die GAFA haben ihren Erfolg auf Open Source aufgebaut und sind auch weiterhin grosse Unterstützer. 85 Prozent aller Smartphones laufen mit Android, einem Open-Source-Betriebssystem. Aus Angst, gnadenlos überholt zu werden und keine jungen Talente mehr anzuziehen, die sich alle in den offenen Technologien weiterbilden, hat sich Microsoft intensiv in das Thema gestürzt. Open Source hat gewonnen, das ist unbestreitbar.» Bleibt der Grundkonflikt zwischen den Befürwortern der freien Software und den Anhängern von Open Source, der immer wieder Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen gibt: Sei es über die Terminologie, weil die FSF sich kategorisch weigert, mit Open Source in Verbindung gebracht zu werden, sei es über Grundsatzfragen, wie das Zurückgreifen auf den proprietären Code, zum Beispiel für den Zugang zu manchen Endgeräten. «Technisch gesehen hat dieser Konflikt heute eigentlich keine Auswirkungen mehr. Die freien Lizenzen und Open-Source-Lizenzen sind heute praktisch alle zu 100 Prozent kompatibel», so Raoul Delpech.

Gute Aussichten für freie Software und Open-Source-Programme in den nächsten Jahren: «In der Schweiz wird Open Source immer mehr in der Banken- und Pharmaindustrie genutzt», sagt Matthias Stürmer. «Wir erleben erneut eine rasante Entwicklung», bestätigt Raoul Delpech. «Die Nutzung wird immer weiter zunehmen.»
 

BEUNRUHIGENDE MARKTKONZENTRATION

Gute oder schlechte Nachricht? Die Übernahme von Red Hat durch IBM, die auf den Kauf von GitHub durch Microsoft folgte, hat viele Fragen unter den Anhängern der Freie-Software- Bewegung aufgeworfen. Manche sahen darin den programmierten Tod des Open-Source-Modells. «Wir erleben momentan eine Konzentration des Sektors. Und sie ist noch nicht vorbei. Weitere Übernahmen sind zu erwarten», erklärt Marc Palazon, Präsident des Open-Source-Komitees der französischen Gewerkschaft der Digitalindustrie Syntec Numérique und CEO des Unternehmens Smile. «Diese Zusammenschlüsse sollte man aufmerksam beobachten, weil die neuen Eigentümer der Versuchung erliegen könnten, das Modell zu ändern und wieder auf geschlossenen Code umzusteigen. Doch ich glaube nicht an diese Hypothese.

Wenn Microsoft oder IBM eine solche Entscheidung fällen, kann die Entwickler-Community einen Fork (eine Abspaltung, Anm. d. Red.) starten, also eine neue Software auf Basis des vor dem Aufkauf existierenden Quellcodes.» Die für mehrere Milliarden Dollar gekauften Unternehmen wären damit vollkommen wertlos.

 
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