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Totgesagte leben länger

Ein entlegenes Bergwerk in Kalifornien erzählt die sagenhafte Geschichte einer grossen Schlacht um kritische Metalle.

Wenn es in Mountain Pass so etwas wie ein Touristenbüro gäbe, dann hätte das nicht viel zu bieten: Anders als in Las Vegas, der nächsten Grossstadt, gibt es hier kein Casino und auch kein verrücktes Wahrzeichen wie das grösste Thermometer der Welt im rund sechzig Kilometer entfernten Baker. Der Interstate Highway 15 führt auf dem Weg nach Mountain Pass nur an einer Felswüste und ein paar schäbigen Motels vorbei. In diesem entlegenen Winkel Kaliforniens herrscht brütende Hitze. Doch in 100 Jahren könnte dieses Nest vielleicht zu einem faszinierenden Museum mutieren, in dem Touristen noch einmal die grosse Schlacht zu Beginn des 21. Jahrhunderts um Seltenerdmetalle nachvollziehen. So wie sich heutzutage die Besucher des California State Mining and Mineral Museum bei Mariposa in den Goldrausch des 19. Jahrhunderts versetzen lassen.

Denn Mountain Pass kann mit einem eigenwilligen Highlight punkten: Hier gibt es ein 222‘000 Quadratmeter grosses Tagebaubergwerk, dessen Geschichte eng mit der Historie kritischer Metalle verknüpft ist. Die Story beginnt im Jahr 1949. Damals lieferte sich die USA mit der Sowjetunion einen Wettlauf um die wirkungsvollste Atombombe. Ein Ringen, das den gesamten Kalten Krieg überdauern sollte. Die Folge: eine steigende Nachfrage nach radioaktivem Material. Also machten sich die Prospektoren in Amerika auf die Suche nach Uran und Plutonium, bis ein Schürfer in Mountain Pass eine ungewöhnlich hohe Radioaktivität bemerkte. Daraufhin kaufte die Molybdenum Corporation of America 1950 das Gelände – und begann zwei Jahre später mit dem Abbau. Auf dem Gelände wurden tatsächlich Spuren von radioaktivem Uran und Thorium gefunden. Doch der eigentliche Erfolg kam mit ganz anderen Metallen: mit Seltenen Erden. 

In den 1960er-Jahren steigerte man die Förderung in Mountain Pass erheblich, um die Nachfrage nach Europium, einem Metall, das für die Herstellung von CRT-Farbfernsehgeräten benötigt wurde, zu decken. Nach und nach wurden Elemente aus der Gruppe der Seltenerdmetalle aufgeschlossen, vor allem Cer, Lanthan und Neodym. 1984 deckte die Mine etwa 100 Prozent des gesamten amerikanischen Bedarfs an Seltenen Erden und bediente 33 Prozent des Weltmarkts.

CHINAS AUFTRITT

Doch diese Vorherrschaft war nur von kurzer Dauer: «Ende der 1980er-Jahre begann China, sich intensiv für diese Elemente zu interessieren», berichtet Guillaume Pitron, Autor des Buches «La Guerre des metaux rares» (Der Krieg um seltene Metalle), das Anfang 2018 erschienen ist. «So soll Deng Xiaoping (Anm. d. Red.: Staatschef in China, 1978 bis 1989) vorausahnend gesagt haben: <Der Nahe Osten hat Öl, wir haben Seltene Erden.> Von da an drehte sich der Wind. Die Vereinigten Staaten, von 1960 bis 1989 weltweit führender Produzent Seltener Erden, überliessen das Feld peu à peu dem Reich der Mitte.» Und mit dem Aufkommen chinesischer Mineralien fielen die Preise. Zahlte man 1992 noch für eine Tonne Seltener Erden 11’700 Dollar, waren es 1996 nur noch 7’400. Mountain Pass wurde immer unrentabler. Und 1998 kam die ökologische Katastrophe: Die Abwasserleitungen der Mine explodierten. Tausende Liter radioaktiven Schlamms kontaminierten den Ivanpah-Trockensee. Der Bundesstaat Kalifornien beschloss 2002, den Komplex zu schliessen – was allen Beteiligten recht war.

«Angesichts der katastrophalen Umweltauswirkungen von Seltenerdminen war Washington froh, diese Mine loszuwerden und das Geschäft China überlassen zu können », erklärt Patrick Wäger, Leiter der Abteilung Technologie und Gesellschaft an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf ZH. «Zumal man diese Elemente damals noch nicht als wirtschaftlich kritisch wahrgenommen hat. Sie kamen relativ selten zum Einsatz, ein echter Nischenmarkt.»

Nach und nach traten alle Länder ihre Förderung an China ab: Das Reich der Mitte überschwemmte nun den Planeten mit billigen Rohstoffen und deckte am Ende 95 Prozent der weltweiten Seltenerdproduktion ab, ohne dass sich jemand um diese Abhängigkeit Sorgen gemacht hätte. Doch 2011 drosselte Peking den Export Seltener Erden per Quotenregelung. Prompt stiegen die Preise dramatisch an. Der Dysprosiumpreis kletterte bis Juli 2011 auf 3’410 Dollar pro Kilogramm – ein Plus um 10’500 Prozent im Vergleich zu 2002! Das wirkte weltweit wie eine Art Elektroschock. Denn inzwischen waren Seltene Erden für die Herstellung vieler Produkte unerlässlich geworden. Ohne sie bringt man kein Elektroauto auf die Strasse und auch kein modernes Flugzeug in die Luft. Auch Smartphones und Computer enthalten diese Metalle.

WASHINGTONS SPÄTE ANTWORT

Auf dem Höhepunkt der Blase, von Panik getrieben, nahm Washington die heimische Produktion von Seltenen Erden wieder auf. Und so wurde das Bergwerk von Mountain Pass 2012 wieder eröffnet. Die USA wollten ihre Abhängigkeit von China verringern und zudem ein Zeichen setzen: «Wir wollen etwas für die Ökologie tun», erklärt Mark Smith, CEO von Molycorp, dem Betreiber der Mine. Molycorp präsentierte sich damals gern als der sauberste Seltenerdproduzent der Welt. Der Umweltsünder China sollte möglichst alt aussehen im Vergleich mit den USA. Doch das ging nicht lange gut. 2012 fiel der Kurs für Seltene Erden. «Peking hat wohl schnell erkannt, dass die Einführung von Quoten für diese Metalle ein schwerer Fehler war», sagt Pitron. «Denn der starke Preisanstieg hat weltweit alle Projekte zur Erschliessung dieser kritischen Metalle forciert: In den USA war es das Molycorp-Projekt, in Australien Lynas, weitere gab es in Brasilien und Kanada. So hat China das Geschäft wieder hochgebracht.» Daraufhin fielen die Preise genauso abrupt, wie sie zuvor gestiegen waren. 2015 kostete ein Kilo Dysprosium nur noch
32 Dollar und die Aktie von Molycorp, die 2011 noch bei 75 Dollar handelte, war nur noch ein paar Cent wert.

Nach 13 aufeinander folgenden Verlustquartalen und Schulden von 1,7 Mrd. Dollar warf das Unternehmen am 25. Juni 2015 das Handtuch. Das ökologisch ambitionierte Bergwerk von Mountain Pass wurde erneut dichtgemacht. Das Ende der Geschichte? Noch nicht ganz. 2017 versteigerte man das Areal. MP Mine Operations LLC legte 20,5 Mio. Dollar dafür auf den Tisch. Doch wer zahlt schon so viel für eine unrentable Mine? An dem Konsortium war auch ein Investor aus China beteiligt: die Shenghe Resources Shareholding Co. aus Chengdu (Hauptstadt der Provinz Sichuan).  

Der Ökonom Florian Fizaine verweist darauf, dass China etwa 40 Prozent der weltweiten Reserven an Seltenen Erden besitze, aber 95 Prozent der Weltproduktion liefere. Fizaine ist Autor des Buchs «Les métaux rares: opportunité ou menace?» (Seltene Metalle: Chance oder Bedrohung?). «Peking weiss, dass es diese Position langfristig nicht halten kann und diese Metalle eines Tages importieren muss, um seine eigene Industrie zu versorgen. Daher verfolgt Peking eine neue Politik und kauft Ressourcen im Ausland.» Der Krieg um die kritischen Metalle hat gerade erst begonnen, die Geschichte von Mountain Pass geht weiter.

 
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