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«Wir sind 30 Prozent günstiger als unsere westliche Konkurrenz»

Ascletis, eine der ersten chinesischen Biotech-Firmen, entwickelt Medikamente gegen Hepatitis. Sechs Monate nach dem Börsengang erklärt CEO Wu Jinzi im Interview, wie das Geschäft in China läuft.

Mehrere Jahre erforschte er in den USA Viruskrankheiten, dann kehrte Wu Jinzi in seine chinesische Heimat zurück, um das Biotech-Unternehmen Ascletis zu gründen. Im Juli 2018 ging die Firma an die Hongkonger Börse. Im Interview mit «Swissquote Magazine» berichtet Wu Jinzi von seiner erstaunlichen Laufbahn und dem unglaublichen Potenzial, das im chinesischen Gesundheitsmarkt steckt.

Warum haben Sie sich 2011 entschieden, die USA zu verlassen und wieder nach China zurückzukehren?

Damals habe ich als stellvertretender Geschäftsführer die HIV-Forschung bei GlaxoSmithKline in den USA geleitet. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Viruserkrankungen wusste ich, dass China die meisten Hepatitis-C-Fälle der Welt hat, eine Krankheit, gegen die es noch keine Impfung gibt. Es gab also auf der einen Seite ein wichtiges, noch ungestilltes medizinisches Bedürfnis und auf der anderen einen riesigen Markt, der noch nicht erschlossen war: 25 Millionen Menschen leiden in China an Hepatitis C! Und so beschloss ich, meinen Posten bei GSK aufzugeben, um Ascletis zu gründen und für dieses Problem eine Lösung zu finden.

Ist es Ihnen gelungen?

Im Juni 2018 haben wir unser erstes Medikament, Danoprevir, auf den Markt gebracht. Es kann 97 Prozent der Hepatitis-C-Patienten innerhalb von 12 Wochen heilen. Zum Vergleich: Die bisherigen Therapien haben eine Erfolgsquote von 60 Prozent und brauchen 12 bis 18 Monate, bis sie wirken. Danoprevir stellt also einen enormen Fortschritt dar. Wir haben übrigens gerade einen Zulassungsantrag bei den chinesischen Behörden für ein anderes Mittel gegen Hepatitis C eingereicht, es erreicht eine Heilungsrate von 99 Prozent.

Mittelfristig testen wir auch einen Antikörper namens PDL1, der zur Stärkung der T-Zellen eingesetzt werden soll, die dadurch besser den Hepatitis-B-Virus bekämpfen können. Diese Krankheit betrifft noch mehr Menschen: Alleine in China sind 86 Millionen Menschen chronisch infiziert. Und es gibt kein Heilmittel.

Der Bank JP Morgan zufolge soll sich der chinesische Markt für biologische Arzneimittel – zu denen Ihre Medikamente zählen – bis 2021 verdoppeln und ein Volumen von 52 Mrd. Dollar erreichen. Wie ist diese Entwicklung zu erklären?

Durch das unglaubliche Wirtschaftswachstum des Landes in den letzten 30 Jahren ist eine Mittelschicht entstanden, die Geld für Medikamente ausgeben kann. Auch das Bildungsniveau der Bevölkerung ist gestiegen. Dadurch ist den Chinesen bewusst geworden, wie wichtig es ist, sich um die Gesundheit zu kümmern. Zugleich sind sie heute auch eher bereit, dafür einen Teil ihres Einkommens auszugeben.

Wer sind Ihre Hauptwettbewerber auf diesem vielversprechenden Markt?

Das US-Unternehmen Gilead Science hat mehrere Arzneimittel gegen Hepatitis B und C auf dem Markt beziehungsweise derzeit in der Entwicklung. Aber Danoprevir kostet 30 Prozent weniger als Solvadi, ein ähnliches Produkt, das Gilead Science im November 2017 herausgebracht hat. Auch AbbVie, Merck und Roche forschen an Mitteln zur Behandlung von Hepatitis. Wir sind allerdings die einzigen, die klinische Prüfungen in China durchführen.

Haben Sie Vorteile im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Chinesische Patienten erhalten oft erst Jahre später als im Westen Zugang zu neuen Medikamenten. Der Grund für diese zeitliche Verzögerung ist simpel: Um ein ausländisches Arzneimittel in China zuzulassen, musste man bis vor Kurzem alle klinischen Studien von Phase I bis III auf chinesischem Boden wiederholen. Die Behörden erkannten die vorliegenden Ergebnisse aufgrund der ethnischen Unterschiede nicht an. Dieses Verfahren konnte fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Im letzten Juli wurde diese Politik abgeschafft, doch das Zulassungsverfahren für ein ausländisches Medikament in China dauert immer noch lange. Da wir unsere gesamte Forschung hier durchführen, haben wir dieses Problem nicht.

Unterstützt die Regierung die Pharmabranche?

Die 2015 angekündigte «Made in China 2025»-Politik setzt den Schwerpunkt auf zehn besonders innovative Branchen, die vom Staat in besonderer Weise gefördert werden. Auf dieser Liste steht auch die Biotechnologie. Wir haben allerdings keine Zuschüsse in Anspruch genommen. Unsere Forschung wird ausschliesslich von unseren Investoren finanziert. Dafür  profitieren wir von Massnahmen der Behörden zur schnelleren Genehmigung von klinischen Prüfungen beziehungsweise Zulassung von Medikamenten. Auch die seit 2015 erfolgte Aufnahme verschiedener biologischer Präparate auf die Liste der Behandlungen, die vom Staat erstattet werden, kommt uns zugute.

Wo liegen die grössten Herausforderungen für einen Biotech-Konzern auf dem chinesischen Markt?

Das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung ist immer noch relativ gering. Das zwingt die Unternehmen dazu, ihre Medikamente zu einem ziemlich niedrigen Preis auf den Markt zu bringen. Allerdings sind biologische Arzneimittel wie unsere extrem teuer in der Entwicklung. Zum Glück ist die Durchführung von klinischen Prüfungen in China erheblich billiger als im Westen. So behalten wir unsere Kosten unter Kontrolle. Wir sind 30 Prozent günstiger als unsere westliche Konkurrenz.

Sie haben sich im letzten Juli dafür entschieden, an die Börse von Hongkong zu gehen. Warum haben Sie keinen Handelsplatz in Festlandchina gewählt?

Hongkong hat den Vorteil, in den chinesischen Markt eingebettet, aber zugleich auch international ausgerichtet zu sein, was den Zugang zu ausländischen Investoren garantiert. Die Börse hat ausserdem im April 2018 eine weitreichende Reform in Kraft gesetzt, die innovativen Pharmafirmen eine Kotierung auch bei nicht vorhandenen Einkünften ermöglicht. Wir waren das erste Unternehmen, das diese neue Regelung in Anspruch genommen hat.

Wie ist es um Ihre Aktie bestellt?

Nicht sehr gut, leider! Sie hat in den letzten Monaten einen ziemlichen Zickzackkurs hingelegt. Doch das ist für ein Biotech-Unternehmen nichts Ungewöhnliches.

 


 

DIE MEERESSCHILDKRÖTE

Ende der 1980er-Jahre verliess Wu Jinzi sein Heimatland, um an der Universität von Arizona ein Studium im Fachbereich Onkologie (Krebsforschung) zu absolvieren. Mit dem Doktortitel in der Tasche war er zu Beginn seiner Laufbahn in verschiedenen Positionen für Hoechst Marion Roussel (heute Aventis), Novartis und die heute zu Amgen gehörende Immunex tätig. 2004 übernahm er als stellvertretender Geschäftsführer die Leitung der präklinischen Forschung des kanadischen Unternehmens Ambrilia Biopharma und wechselte 2008 zu GlaxoSmithKline. Wie viele andere chinesische Unternehmer, die aufgrund ihrer Migrationsgeschichte auch gerne «Meeresschildkröten» genannt werden, entschied er sich im Alter von 55 Jahren, nach China zurückzukehren und dort 2011 den Biotech- Konzern Ascletis zu gründen. Dank des von der chinesischen Regierung auf die Beine gestellten «Thousand Talents»-Programms gelang es ihm danach, besonders vielversprechende Talente mit finanziellen Zuschüssen und der Unterstützung ihrer unternehmerischen Projekte wieder in die Heimat zurückzulocken.

 
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