DISCLAIMER

Our systems have detected that you are using a computer with an IP address located in the USA.
If you are currently not located in the USA, please click “Continue” in order to access our Website.

Local restrictions - provision of cross-border services

Swissquote Bank Ltd (“Swissquote”) is a bank licensed in Switzerland under the supervision of the Swiss Financial Market Supervisory Authority (FINMA). Swissquote is not authorized as a bank or broker by any US authority (such as the CFTC or SEC) neither is it authorized to disseminate offering and solicitation materials for offshore sales of securities and investment services, to make financial promotion or conduct investment or banking activity in the USA whatsoever.

This website may however contain information about services and products that may be considered by US authorities as an invitation or inducement to engage in investment activity having an effect in the USA.

By clicking “Continue”, you confirm that you have read and understood this legal information and that you access the website on your own initiative and without any solicitation from Swissquote.

«Wir sind ein echter Herausforderer»

Der europäische 5G-Pionier Sunrise setzt Swisscom unter Druck.
Der zweitgrösste Netzbetreiber aus der Schweiz kündigte im Februar selbstbewusst eine Übernahme von UPC an.
Sunrise-CEO Olaf Swantee erklärt im Interview, was er alles vorhat.

Die Rentabilität ist sprunghaft gestiegen und die Zahl der Vertragskunden wächst kontinuierlich: Für Sunrise scheint es gut zu laufen, auch wenn der Umsatz im ersten Quartal stagnierte. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich, das kurz vor der Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC steht, geht gleich an mehreren Fronten in die Offensive. Neuste Herausforderung: In Regionen ohne Glasfaserausbau will man 5G als Alternative etablieren. Olaf Swantee, der herzliche und vor Energie nur so sprühende CEO des Konzerns, hat uns im Interview seine Strategie erklärt – nicht ohne bei der Gelegenheit dem Erzrivalen Swisscom einen Seitenhieb zu verpassen. Wir treffen ihn in den Waadtländer Büros des Unternehmens.

Die Schweizer sehen das Thema 5G kritisch, weil sie den Nutzen nicht erkennen können. Wozu soll das neue Netz eigentlich dienen?

Fast eine Million Haushalte in der Schweiz sind noch nicht an das Glasfasernetz angeschlossen. Anders als Sie sagen, ist ein «Fibre over the air»-Breitbandzugang für viele Menschen durchaus interessant. Unsere Strategie ist es, 5G genau in den Orten anzubieten, in denen die Internetleistung schwach ist. Der erste Kunde, den wir in der Schweiz mit der Technik ausgerüstet haben, ist ein gutes Beispiel dafür: ein Haushalt in der Region Aarau, wo bisher nur das wesentlich langsamere ADSL verfügbar war. In Städten wie Genf, Zürich, Basel oder Bern, wo es ein gut funktionierendes Glasfasernetz gibt, hat 5G sicher nicht die gleiche Bedeutung. Das hindert uns aber nicht, 5G für mobile Anwendungen bereitzustellen. Wir wollen bis Ende 2019 eine Abdeckung der gesamten Schweiz anbieten.

Sie geben aber trotzdem zu, dass Glasfaser die beste Lösung für hohe Übertragungsraten ist...

Natürlich, 5G wird Glasfaser nicht ersetzen. Bis heute haben aber nur 30 Prozent der Schweizer Haushalte einen FTTH-Glasfaseranschluss (die schnellste Glasfasertechnik, Anm. d. Red.). 5G ist daher eine echte Chance für alle, die diesen Zugang nicht haben, seien es Privatpersonen oder Unternehmen.

Ist es nicht vielmehr eine Chance für die Betreiber, das 4G-Netz zu entlasten, das bald an seine Grenzen stösst?

Die Menge an Daten in unserem Netz verdoppelt sich etwa alle 16 Monate. Es ist eine echte Herausforderung, diesen Anstieg zu bewältigen. Tatsächlich erhalten wir mit 5G neue Kapazitäten – aber auch die Verbraucher werden davon profitieren. Nehmen Sie zum Beispiel 4K-TV oder auch HD-TV: Mit 5G haben Sie eine sofortige und wirklich verblüffend gute Übertragung.

Der andere grosse Vorteil von 5G neben der Downloadgeschwindigkeit ist die kürzere Latenz, also die schnelle Reaktionszeit. Das ist gut für Programme, die gleichzeitig hohe Upload- und Downloadvolumina erfordern, wie Videospiele oder Virtual-Reality-Anwendungen. Die Verbraucher werden einen grossen Unterschied zu 4G merken.

Blogger haben in ersten Tests gesehen, dass die versprochenen Übertragungsraten nicht eingehalten wurden...

Haben Sie etwas Geduld, der Netzausbau hat ja gerade erst begonnen. Zurzeit erreichen wir Geschwindigkeiten von 800 Megabit pro Sekunde, das ist mindestens sechsmal so viel wie mit 4G. Und schon bald werden wir ein bis zwei Gigabit in der Sekunde schaffen. Die Latenz ist dreimal so kurz wie beim 4G-Standard und liegt derzeit bei rund elf Millisekunden. Nutzen können das zum Beispiel schon Anwendungen aus den Bereichen TV, Virtual Reality und Videospiele. Erst kürzlich habe ich mit einem Reiseveranstalter gesprochen, der seinen Kunden Hotels per Virtual Reality vorstellen möchte. Mit 5G wird er diese Leistung dann auch anbieten können und muss dafür nicht einmal eine Hardware anschaffen, die auch noch viel Platz braucht.

Wie entwickelt sich Ihr Angebot für gewerbliche Kunden?

Das ist einer unserer Wachstumsmärkte. Und, was interessant ist, ein Grossteil unseres Wachstums ist auf Verträge mit grossen Unternehmen wie Nestlé, Procter & Gamble oder die Zurich Insurance Group zurückzuführen. Als ich vor drei Jahren bei Sunrise anfing, dachte ich, dass kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) unsere Hauptzielgruppe wären.

Welchen Service bieten Sie den Unternehmen beim Thema 5G an?

Wie schon gesagt, liegt die Hauptabsatzmöglichkeit für 5G in Niederlassungen, die keinen Breitbandzugang haben. Das ist zum Beispiel bei der Post der Fall, deren Internetanbieter wir sind. Manche Postfilialen haben keine leistungsstarke Netzinfrastruktur. Mit 5G können wir ihnen Zugang zu einem schnellen Internet bieten.

 

«Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, die vorher noch nie den Anbieter gewechselt hatten»

 

Die 5G-Befürworter führen industrielle Anwendungsmöglichkeiten wie vernetzte Maschinen oder Telemedizin ins Feld, von denen man nur träumen könne...

Das Internet der Dinge (IoT), also die Verbindungen von Mensch und Maschine und von elektronischen Systemen untereinander, ist in der Tat die Anwendung, die am meisten für Aufmerksamkeit sorgt. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch dauern, denn dafür benötigen wir eine optimale Netzabdeckung. Die Nutzung von vernetzten Autos setzt zum Beispiel voraus, dass auf 100 Prozent des Strassennetzes eine Internetverbindung existiert. Und dazu brauchen wir Zeit.

Das hält unsere Konkurrenz allerdings nicht davon ab, Werbung mit dem IoT zu machen. Wir sind da etwas zurückhaltender und pragmatischer. Dennoch diskutieren wir die Möglichkeiten der Technologie mit verschiedenen Unternehmen, unter anderem interessiert sich der Flughafen Zürich dafür, vernetzte Maschinen einzusetzen, um seine Produktivität zu steigern und den Energieverbrauch zu senken.

Die zweite langfristige Entwicklungsschiene betrifft die Einrichtung privater Netze für Grosskonzerne. Eine Firma wie UBS braucht zum Beispiel ein leistungsstärkeres Netz mit einer sehr kurzen Reaktionszeit für die Ausführung von Finanztransaktionen. Aber auch hier müssen wir uns noch gedulden.

Wollen Sie damit sagen, dass Swisscom Luftschlösser verkauft?

Ich sage nicht, dass unser Hauptkonkurrent pures Marketing betreibt, aber wenn ich ein Plakat sehe, das mit der Verfügbarkeit von 5G in Zürich wirbt, obwohl die Netzabdeckung bei unter 80 Prozent liegt, kann ich nur sagen: Wir gehen die Dinge anders an und verkaufen nichts, was wir noch nicht anbieten können. Was die Kunden an der Zusammenarbeit mit uns schätzen, ist, dass wir authentisch sind. Es ist wichtig, klar zu sagen, was man kann und was nicht.

Der Traditionsanbieter profitiert von seinem Ruf als «sichere Bank». Scheuen die Geschäftskunden von Swisscom nicht vor einem Anbieterwechsel zurück?

Auch dieses Denken entwickelt sich weiter. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, die vorher noch nie den Anbieter gewechselt hatten. Und wenn ich sie drei oder vier Monate nach dem Vertragsabschluss bei uns frage, ob wir ihren Namen zu Werbezwecken verwenden dürfen, fällt die Antwort positiv aus. Wir pflegen ausgezeichnete Beziehungen zu vielen renommierten Unternehmen wie Swiss, Rivella, Tamedia, dem Genfer Flughafen und auch dem Zürcher Flughafen.

Mit Ihrer Übernahme von UPC zeichnet sich ein Duopol Swisscom/Sunrise ab. Was sollte diese Big Player davon abhalten, Preisabsprachen zu treffen?

Hauptgrund ist, dass wir auch nach der Fusion die Rolle des Herausforderers haben. Wir werden im B2B-Geschäft nur über 14 Prozent Marktanteil, im Internetbereich nur 30 Prozent (Swisscom 53 Prozent) und im Mobilbereich über 26 Prozent verfügen (Swisscom 58). Wir müssen also kämpfen. Unsere Teams wollen Kunden gewinnen. Als echter Herausforderer müssen wir beweisen, dass wir besser sind als die Konkurrenz.

Noch ein Grund: Wir planen weiterhin eine progressive Dividende, um die Investoren zu überzeugen. Und um langfristig eine progressive Dividende ausschütten zu können, braucht Sunrise Wachstum. Ausserdem habe ich ganz klar angekündigt, dass wir unsere Preise senken werden.

Ihr Hauptaktionär Freenet, der 24,5 Prozent des Kapitals hält, ist gegen die Übernahme von UPC. Ist das ein Alarmsignal für eine überstürzte Fusion, die nicht im Sinne der Investoren ist?

Freenet war in der Sache nicht dagegen, sondern hat klargemacht, dass man keine Mittel für eine Kapitalerhöhung habe. Wir waren überrascht von der Erklärung, die durchblicken liess, dass man noch über einen Deal sprechen wolle. Das Management von Freenet war in den Verhandlungen, die 18 Monate dauerten, immer mit dabei. Der Vertrag ist unterzeichnet. Ich finde es daher nicht ganz korrekt, diese Vereinbarung jetzt plötzlich in Frage zu stellen. Aber wie dem auch sei: Wir haben 170 Investoren in der Schweiz und auch im Ausland getroffen, und ich kann Ihnen versichern, dass unser Projekt extrem gut angenommen wird.

Und doch schwächelt die Sunrise-Aktie in den letzten Monaten...

Erstens haben wir im April eine Dividende von 4,20 Franken pro Aktie ausgeschüttet. Und zweitens hat der Kursverlust teilweise technische Gründe. Neue Investoren wollen Anteile am Unternehmen erwerben, aber es ist normal, dass sie noch abwarten, bis die Wettbewerbskommission im September grünes Licht für die Fusion gibt. Darüber hinaus sehen sich einige Investmentfonds, die auf eine kleinere Unternehmensgrösse spezialisiert sind, gezwungen, auszusteigen.

Was könnte einen Privatanleger reizen, auf Sunrise zu setzen?

Zum einen wird die Fusion das Wachstum, weitere Innovationen sowie die Effizienz steigern. Zum anderen scheint mir die progressive Dividende doch ein gewichtiges Argument zu sein, vor allem in einem Land, wo die Dividende nicht besteuert wird. Derzeit liegt die Ausschüttungsquote bei 6 Prozent. Unternehmen, die so ausgezeichnete Ergebnisse und eine solche Dividende vorweisen können wie wir, gibt es nicht wie Sand am Meer. Ich möchte auch betonen, dass wir mit der Übernahme von UPC unseren Cashflow verdoppeln. Wir sind also weiterhin in der Lage, hohe Dividenden auszuschütten.

Welche Sicherheitsgarantien hat Ihnen Ihr chinesischer Zulieferer Huawei gegeben? Die USA werfen dem Konzern Spionage vor…

Das ist ein politisches Thema, das nicht auf Fakten beruht. Die USA bestrafen Huawei, um Druck auf China auszuüben. Doch die Bundesbehörden haben die Frage untersucht und nichts gefunden, was dem Unternehmen vorzuwerfen wäre.

 

«Die Diskussion um Gesundheitsschäden durch 5G ist vollkommen irrational.»

 

Deutschland und England sind zu demselben Schluss gekommen. Darüber hinaus liegt die Netzsicherheit in unserer eigenen Verantwortung, und die vertraulichen Daten sind nicht in den Händen von Huawei. Um die Sicherheit unserer Anlagen garantieren zu können, führen wir Tests und Audits durch und nutzen Softwaretools, die kontinuierlich aktualisiert werden und den Netzbetrieb überprüfen. Von juristischer Seite sind wir durch die Verträge geschützt, die wir abgeschlossen haben. Ebenfalls sehr beruhigend ist, dass wir weder das erste noch das einzige Unternehmen sind, das mit Huawei zusammenarbeitet. Inzwischen kooperieren 167 Anbieter weltweit mit dem Konzern, der rund 30 Prozent des Weltmarkts hält. Glauben Sie wirklich, dass Huawei ein solches Geschäft in Gefahr bringen würde? Im Gegenteil, Huawei passt da sehr auf.

Was für eine Beziehung unterhalten Sie zu dem Unternehmen?

Die 5G-Technologie von Huawei ist wirklich sehr fortschrittlich. Das war bei 2G und 3G noch nicht der Fall, aber bei 4G und 5G führt der Konzern das Feld an. Im Laufe der Jahre haben wir eine sehr enge Beziehung geknüpft. Wenn es Probleme wie eine Netzunterbrechung gibt, reagiert man dort schnell und zuverlässig.

Das Thema 5G hat in der Schweiz eine Welle der Ablehnung ausgelöst wegen der angeblich gesundheitsschädlichen Effekte. Bereitet Ihnen das Sorge?

Die Diskussion ist vollkommen irrational, überrascht mich aber nicht. Dieselbe Woge der Kritik ist uns beim Start von 3G entgegengeschlagen. Der grosse Unterschied ist, dass die Kritiker heute Fake News im Gepäck haben, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden, die viel zu mächtig geworden sind. So gibt es Leute, die geschrieben haben, dass in den Niederlanden im Oktober 2018 wegen 5G Vögel vom Himmel gefallen seien. Das ist einfach falsch. Zu diesem Zeitpunkt gab es gar keinen 5G-Test in dem Land! Die «New York Times» schrieb am 15. Mai 2019, dass viele dieser Gerüchte von Moskau gestreut werden, weil die Russen, die auf dem Gebiet weit zurückliegen, versuchen, die anderen Länder auszubremsen. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist, aber das Ausmass der Fake News, die praktisch überall auftauchen, überrascht mich schon sehr.

Sie haben gedroht, im Falle eines Moratoriums in den Schweizer Kantonen rechtliche Schritte einzuleiten. Befürchten Sie nicht einen Imageverlust für Sunrise?

So weit sind wir ja noch nicht. Es ist trotzdem sehr überraschend, dass uns Politiker für insgesamt 389 Mio. Franken die Frequenzen verkaufen, und andere Politiker uns dann verbieten wollen, diese Technologie einzusetzen. Die Genehmigungsverfahren sind jedoch die gleichen wie bei bestehenden Antennen, und die Ausrüstung entspricht den Vorschriften. Wenn es also ein Moratorium gegen 5G gibt, müsste es konsequenterweise auch auf 4G, 3G und 2G ausgeweitet werden. Zudem sind die fraglichen Frequenzen wohlbekannt und mit denen des WLAN vergleichbar. Wir verwenden keine höheren Frequenzen, wie sie beispielsweise in den USA eingeführt wurden.

Dennoch: Haben Sie keinerlei Bedenken, was die Zukunft des 5G-Standards angeht? Irgendwann wird es notwendig sein, höhere Frequenzen zu nutzen, um die volle Leistung dieser Technologie ausschöpfen zu können?

Nein. Wir brauchen diese hohen Frequenzen nicht, das habe ich auch der ComCom gesagt. Wir sind nicht in New York oder Hongkong, wo angesichts der Millionenbevölkerung solche Kapazitäten nötig sind. Garantieren kann ich, dass wir uns an die geltenden Vorschriften halten und unsere Technik nicht wesentlich von der des 4G-Standards abweicht. Hier ist erstaunlich viel Polemik im Spiel. Dabei sollten wir eigentlich stolz sein, das erste Land in Europa zu sein, das 5G einführt.

 


 

INTERNATIONALE ERFAHRUNG

Augen, die vor Leidenschaft blitzen, eine eloquente, geradezu übersprudelnde Art – Olaf Swantee drückt dem Schweizer Netzbetreiber Sunrise, dem er seit Mai 2016 als CEO vorsteht, seinen ganz persönlichen Stempel auf. Nachdem er zu Beginn seiner Laufbahn im IT-Bereich für Compaq und Hewlett-Packard tätig war, wechselte der heute 53-jährige gebürtige Niederländer als Stellvertretender Geschäftsführer zu Orange-France Telecom. Anschliessend stieg er zum CEO des englischen Telekommunikationsanbieters EE auf und machte das Unternehmen zum Branchenführer. Olaf Swantee ist mit einer Schwedin verheiratet, hat drei Kinder, die alle in der Schweiz geboren sind, und besitzt auch einen Schweizer Pass. Er hat an der Universität Amsterdam ein Wirtschaftsstudium absolviert und verfügt über einen MBA-Abschluss der European School of Management (ESCP) in Paris.

 
Live chat