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«Die Nachfrage nach Ressourcen steigt enorm»

Kritische Rohstoffe sind ein Problem für die Lieferkette. Die Professorin Victoire de Margerie, Gründerin und Vizepräsidentin des World Materials Forum, macht sich für pragmatische Lösungen stark.

Manager und Forscher aus der ganzen Welt treffen sich seit 2015 alljährlich beim World Materials Forum (WMF), einer Art «Davos der Materialwirtschaft». Sie alle haben ein gemeinsames Anliegen: Sie wollen Lösungen für die Abhängigkeit der Welt von kritischen Metallen finden. Zuletzt fand das Treffen im Juni in Nancy statt. Wir haben mit der Vizepräsidentin des Forums, Victoire de Margerie, für «Swissquote Magazine» gesprochen.

 


 

In den 1970er-Jahren behaupteten alle Experten, dass die Erdölvorräte Anfang 2000 erschöpft sein würden. Heute ist das immer noch nicht der Fall. Müssen wir uns wirklich Sorgen um die Verfügbarkeit der kritischen Metalle machen?

Ich hoffe, dass wir in 30 Jahren genau dasselbe sagen können über die heute als kritisch geltenden Materialien. Doch wir müssen dringend handeln. Die Weltwirtschaft steht vor drei Herausforderungen: die rasante Urbanisierung, die Zunahme von Mittelschichten und die Elektrifizierung der Transportmittel. Der Bedarf an bestimmten Materialien war noch nie so hoch. Um es konkret zu machen: Heute zählt man 1,7 der sieben Milliarden Menschen zur Mittelschicht. Bis 2030 dürfte sich die Zahl verdoppeln.

Natürlich ist es erfreulich, dass immer mehr Menschen den Weg aus der Armut finden und Zugang zu einem besseren Lebensstandard haben. Doch gleichzeitig konsumiert die Mittelschicht auch mehr Waren, zum Beispiel Smartphones oder verpackte Lebensmittel, und sie nutzt mehr Verkehrsmittel. Die Nachfrage nach natürlichen Ressourcen wird daher enorm ansteigen. Wenn wir nichts tun, wird unser Materialverbrauch in zehn Jahren doppelt so hoch sein. Und das ist natürlich ein Problem.

Steuern wir auf eine Knappheit zu?

Nein. Es wird niemals einen dramatischen Versorgungsengpass geben. Kurzfristig ist die Menge der zur Verfügung stehenden Reserven auch nicht kritisch. Doch was schon jetzt Probleme bereitet, ist die Ungewissheit, ob uns gewisse Materialien unmittelbar zur Verfügung stehen. Eine scheinbar banale Meldung wie die Wahl eines neuen Präsidenten in Afrika kann heute schon genügen, um die Preise drastisch nach oben zu treiben. Als Peking beispielsweise im Mai 2016 entschieden hatte, die Arbeitstage in den Kohlebergwerken auf 276 Tage pro Jahr zu begrenzen, führte das im November des gleichen Jahres zu einem signifikanten Kursanstieg bei der Kohle.

Langfristig gesehen darf man nie vergessen, dass wir nur eine Erde haben, die Ressourcen sind begrenzt. Wenn wir nichts tun, werden wir in Bedrängnis geraten. Dann treffen meines Erachtens zwei Extreme aufeinander: Auf der einen Seite werden Bergbauunternehmen ohne jede Rücksicht überall nach Rohstoffen suchen, auch in Kriegsländern, sie werden Kinderarbeit nicht scheuen und Umweltstandards missachten. Auf der anderen Seite werden quasi «stalinistische» Neo-Ökologen die Rückkehr ins Mittelalter fordern. Um das zu verhindern, haben wir 2014 das World Materials Forum ins Leben gerufen. Wir wollen Mittelwege und pragmatische Lösungen finden.
 

Was schlagen Sie genau vor?

Zuerst müssen wir alle Akteure an einen Tisch bringen. Das versuchen wir beim WMF. Die Chefs von multinationalen Konzernen, Start-up- Gründer, aber auch Wissenschaftler, NGOs und Politiker kommen hier zusammen, um Probleme zu diskutieren und festzuhalten, welche Fortschritte bereits erreicht wurden. Und ich kann Ihnen versichern: Es wird sehr angeregt diskutiert (lacht).

Um die schon angesprochene Verdoppelung des Materialverbrauchs zu verhindern, arbeiten wir im Wesentlichen auf drei Ebenen: Erstens: «use less», also weniger verbrauchen, inklusive Recycling. Zweitens: «use longer» – Materialien länger nutzen und drittens «use smarter», das heisst, Materialien je nach Anwendung optimal einzusetzen. In allen drei Bereichen ist viel zu tun.

Gibt es bereits konkrete Ergebnisse?

Wir haben ein «criticality assessment » etabliert. Damit bewerten wir das Risiko eines Versorgungsengpasses bestimmter Metalle für die Industrie. Dieses Assessment ist auf dem besten Weg, international als Referenz genutzt zu werden – von Rohstoffproduzenten ebenso wie von öffentlichen und privaten Verbrauchern. Darüber hinaus haben wir leistungsfähige Tools entwickelt, mit denen Industriebetriebe ihre Fortschritte hinsichtlich der Devise «Use smarter, less and longer» messen können. Einflussreiche Banken haben mir mitgeteilt, dass sie unsere Indikatoren prüfen, um sie in ihre Finanzanalysen für börsennotierte Industrieunternehmen aufzunehmen. Und wenn die Finanzprofis sich einschalten, kann das der Beginn eines positiven Kreislaufs sein.

Doch wirklich stolz bin ich auf die Innovationen, die das Forum anstösst. Bei jeder Veranstaltung fallen mir geniale Ideen auf! 2017 haben wir zum Beispiel unseren Grossen Preis für Start-ups an Citrine Informatics verliehen. Das US-Unternehmen mit Sitz in Redwood hat ein System entwickelt, mit dem sich alle verfügbaren Daten über Materialien auswerten lassen. Mit diesem Algorithmus konnte Boeing eine neue Legierung aus Aluminium und Zirkonium entwickeln, um das Gewicht bestimmter Bauteile deutlich zu reduzieren.

Das Ende der Ressourcen ist also kein unausweichliches Schicksal?

Nein. Das Wichtigste für uns ist, Mittel und Wege zu finden, Ressourcen intelligent zu nutzen, das nachhaltige Wachstum vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln und dabei noch Wertschöpfung zu erzielen. Natürlich werden die heutigen Massnahmen erst mittel- bis langfristig Wirkung zeigen. Aber wenn ich die vielen Innovationen sehe, dann stimmt mich das heute optimistisch.

Unternehmergeist

Victoire de Margerie, Jahrgang 1963, ist eine Unternehmerin aus Leidenschaft. Nach ihrem Studium an der Wirtschaftshochschule HEC und am Pariser Institut d’études politiques begann sie ihre Laufbahn in der Industrie 1987 – in der Chemiebranche beim Konzern Elf Atochem (heute Arkema). Danach übernahm sie leitende Funktionen bei CarnaudMetalbox (Verpackungen) und Pechiney (Aluminium) in Deutschland, den USA und Frankreich.

Von 2003 bis 2011 unterrichtete Victoire de Margerie an der Grenoble École de Management und veröffentlichte vier Bücher zum Thema Unternehmensführung. 2012 übernahm sie die Geschäftsführung von Rondol Technology, einem Unternehmen mit Sitz in Strassburg. Gleichzeitig gründete sie 2014 mit Philippe Varin, dem Vorstandsvorsitzenden von Areva, das World Materials Forum, dessen Vizepräsidentin sie ist. Übrigens ist sie die Halbschwester des früheren CEO von Total, Christophe de Margerie. Er kam 2014 bei einem Flugzeugunglück in Moskau ums Leben.

 
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