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«Weniger verschmutzen heisst trotzdem verschmutzen»

Gunter Pauli, der oft als der Steve Jobs der nachhaltigen Entwicklung bezeichnet wird, setzt sich für eine wirklich saubere Industrieproduktion ein.

THEORETIKER DER BLUE ECONOMY

Der Belgier Gunter Pauli ist der Erfinder des Blue-Economy-Konzepts, eines Modells, das auf der Nutzung lokaler Ressourcen und auf der Verwertung von organischen Abfällen basiert. Der 61-jährige Unternehmer und engagierte Umweltschützer gründete im Laufe seiner Karriere zahlreiche Firmen. Ausserdem rief er 1994 in Japan die ZERI (Zero Emission Research and Initiatives) ins Leben und initiierte 2013 in Madrid den ersten Weltkongress der Blue Economy. Gunter Pauli hält Vorträge auf der ganzen Welt und ist Autor von rund 20 Wirtschaftsbüchern sowie von 365 Kinderfabeln, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Er besitzt einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Universität Loyola Antwerpen und einen MBA der Wirtschaftshochschule Insead in Fontainebleau.

Als Gunter Pauli von unserem Vorhaben erfuhr, ein Dossier zum Thema Kreislaufwirtschaft zusammenzustellen, erklärte er sich sofort bereit, unsere Fragen zu beantworten. Auf der Rückreise aus Kapstadt erläutert der Guru der Blue Economy (siehe nebenstehenden Kasten) bei einem Zwischenstopp in Abu Dhabi seine radikale Vision von einer Wirtschaft im Einklang mit der Natur.

Wie unterscheidet sich die Blue Economy von der Kreislaufwirtschaft?

Die Kreislaufwirtschaft zielt nicht auf einen Paradigmenwechsel. Sie entwickelt sich allmählich. Sagen wir, es handelt sich um eine Wirtschaft, die sich an das bestehende Modell anpasst und dieses ergänzt. Sicher wird man recyceln, wiederverwenden, aber grundsätzlich gibt es keinen konzeptionellen Bruch. Das Problem daran ist, dass wir durch eine marginale Änderung des Modells nicht die Nachhaltigkeit erreichen werden, die der Planet braucht. Die Blue Economy hingegen bricht vollständig mit dem bestehenden Modell. So wird man beispielsweise Papier aus Steinen statt aus Zellulose herstellen, weil es als absurd angesehen wird, Milliarden von Bäumen zu fällen, obwohl die Wälder für unsere Zukunft so wichtig sind.

 

«Die grossen Unternehmen funktionieren wie die kommunistische Partei in den 1960-er Jahren»

 

Ist die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft nicht bereits ein Schritt in die richtige Richtung?

Wir müssen uns über eines im Klaren sein: Weniger verschmutzen heisst trotzdem verschmutzen. Oder anders ausgedrückt: Weniger Schaden anzurichten bedeutet trotz allem Schaden anzurichten. Und dennoch werden Unternehmen, die heute erklären, ihre Umweltverschmutzung zu reduzieren, mit Preisen ausgezeichnet. Aus ethischer Sicht ist diese Praxis fragwürdig.

Was hält Unternehmen davon ab, auf den Blue-Economy-Zug aufzuspringen?

Die grossen Unternehmen sind sehr risikoscheu. Sie funktionieren wie die kommunistische Partei in den 1960er-Jahren. Alles wird geplant, kontrolliert, geprüft. Aber das muss nicht sein. Es gibt auch ermutigende Projekte. So hat sich das italienische Unternehmen Lavazza, das im Kaffeesektor tätig ist, für Kapseln aus Distelpolymeren entschieden, die sowohl in der Erde als auch in Süss- und Meerwasser biologisch abbaubar sind – eine wirtschaftlich effiziente Alternative zu Aluminiumkapseln. Nespresso hingegen bevorzugt weiterhin Aluminium, weil Haptik und Farbe eine wichtige Rolle spielen. Das Problem ist nicht die Kapsel, sondern die Wahl eines schwer recycelbaren Materials. Natürlich recycelt Nespresso einen Teil dieser Alukapseln, aber das ist nicht die Vision, die wir für eine nachhaltige Wirtschaft brauchen.

Erfüllt Lavazza Ihrer Meinung nach die Bedingungen der Blue Economy?

Natürlich würde ich mir wünschen, dass das Unternehmen noch schneller noch weiter geht, aber es bietet auf jeden Fall bereits bahnbrechende Innovationen. Diese Geisteshaltung schafft neue Geschäftsmodelle. Lavazza züchtet zum Beispiel auch Pilze auf recyceltem Kaffeesatz.

Brauchen wir mehr gesetzgeberische Anreize oder sogar strengere Gesetze, um die Unternehmen auf den Weg zur Blue Economy zu bringen?

Ich denke nicht. Ich messe dem Unternehmertum eine zentrale Bedeutung bei. Kommen wir noch einmal auf das Beispiel der Papierherstellung aus Stein zurück: Nach 20 Jahren Forschung hat das chinesische Unternehmen Lung Meng eine Technik entwickelt, die es ermöglicht, Papier aus einer Mischung aus Steinstaub und Polyethylen herzustellen. Dieses Verfahren kommt ohne Wasser und Zellulose aus, und das produzierte Papier ist unendlich oft recycelbar! Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorn. Da jedes Jahr Milliarden Tonnen von Steinen aus chinesischen Bergwerken geholt werden, muss man kein grosser Unternehmer sein, um den wirtschaftlichen Wert dieses Konzepts zu verstehen. Im vergangenen Jahr erreichte die Produktion von Lung Meng eine Milliarde Tonnen. Natürlich werden sich die traditionellen Papierhersteller der ganzen Welt dafür einsetzen, dass dieses Produkt nicht in ihre Märkte eindringt, indem sie behaupten, dass es kein echtes Papier sei. Der richtige Ansatz besteht jetzt nicht darin, politisch gegen diese Reaktionen anzukämpfen, sondern Wege in die besagten Märkte zu finden.

Ein Beispiel?

Im Fall des Steinpapiers ist China ein offensichtlicher Absatzmarkt für Lung Meng, da das Land nur sehr wenig Wasser besitzt. Die chinesische Regierung hat diese Chance im Übrigen auch genutzt. Sie hat entschieden, diese Art von Papier im nächsten Jahr in allen Schulen des Landes einzuführen, und das Ziel vorgegeben, dass in 20 Jahren jegliches in China verwendete Papier auf diese Weise hergestellt wird.

China würde also eine Vorreiterrolle einnehmen?

Es ist klar, dass Notwendigkeiten und Krisen – im Fall Chinas geht es um Wassermangel und Umweltverschmutzung – oft die Wiege von Innovationen sind. Die politische Klasse Chinas ist sich inzwischen im Klaren darüber, welche Anstrengungen unternommen werden müssen. Stellen Sie sich vor: Im vergangenen Jahr hat sich das Budget für Umweltbildung in China vervierfacht!

Und wie entwickeln sich Europa und die Vereinigten Staaten?

Mit Tausenden von Lobbyisten in Brüssel und Washington ist es schwierig, einen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Europa und die USA fallen in der Blue Economy gerade zurück.

 
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