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Hongkong Börsenliebling chinesischer Firmen

Für Unternehmen im Reich der Mitte bietet Hongkong den Zugang zum internationalen Kapital. Gerade erst hat die Börse der Hafenstadt eine weitreichende Reform angestossen, um auch Tech-Giganten stärker anzulocken.

Am 27. Oktober 2017 kam die Crème de la Crème der Hongkonger Finanzwelt im berühmten Glasturm der Hong Kong Stock Exchange (HKSE) zusammen. Hunderte lokale Geschäftsleute und Politiker feierten an diesem Tag, bekleidet mit den roten Westen der hauseigenen Trader, die Schliessung des historischen Börsensaals, der durch die Ausweitung des elektronischen Handels überflüssig geworden war. Es war eine Hommage und zugleich ein Happy End, nach 126 Jahren Handel. Denn der Abschied vom «Trading Floor» hat das Prestige der Hongkonger Börse in keiner Weise beeinträchtigt. Seit einem Jahrzehnt gehört sie neben den Börsen von New York, Tokio und Schanghai und der NASDAQ zu den Top 5 weltweit. «Was den Erlös durch neue Notierungen angeht, hat sich die HKSE im letzten Jahr den ersten Platz erobert», berichtet Julia Charlton, die eine auf IPOs spezialisierte Kanzlei leitet. In den ersten neun Monaten des Jahres seien im Stadtstaat 31,1 Mrd. Dollar eingenommen worden, in New York waren es im Vergleich 25,1 Mrd.

Ihren Erfolg verdankt die Hongkonger Börse zum grössten Teil Unternehmen aus China. Einige Branchenriesen Branchenriesen aus dem Reich der Mitte wie Tencent, Lenovo, PetroChina, China Mobile, die Banken ICBC und CCB oder der Versicherer Ping An sind in Hongkong gelistet. Dazu bestätigt ein Sprecher der Börse: «Von den 20 grössten Börsengängen in Hongkong entfallen bis auf einen (den des Hongkonger Versicherers AIA, Anm. d. Red.) alle auf chinesische Firmen.» Sie stellen inzwischen die Hälfte der insgesamt 2’285 an der HKSE gelisteten Unternehmen und machen mehr als zwei Drittel der Börsenkapitalisierung aus.

Warum dieser Hype? «Die chinesischen Unternehmen entscheiden sich für eine Notierung in Hongkong, weil sie so Zugang zu Investoren und Kapital aus dem Ausland haben, zugleich aber von der kulturellen und geografischen Nähe zu China profitieren», erklärt David Cheng. Der Hongkonger Rechtsanwalt ist auf Aktienmärkte spezialisiert. Sie schätzten ausserdem die Arbeit in einem System, in dem die Regelungen transparent sind und auf rechtsstaatlichen Prinzipien beruhten, was in China, wie er sagt, nicht immer der Fall sei.

Darüber hinaus profitiert die Börse von Hongkong von den seit 2014 eingeführten Verbindungen zu den Börsen von Schanghai und Shenzhen. Die neue Regelung erlaubt den Investoren der einzelnen Börsen, auch Aktien an den anderen Handelsplätzen zu kaufen. Die Reform hat eine Tür für chinesische Trader aufgestossen, die auf die an der HKSE notierten Unternehmen setzen wollen – was die Strahlkraft der Börse noch weiter erhöht.

Dazu kommen die schnelleren Abläufe in Hongkong: «Der Zeitaufwand für einen IPO beträgt in der Regel höchstens sechs Monate, während er auf dem chinesischen Festland bei zwei bis drei Jahren liegt», so Peihao Huang, der sich bei der UBS Asien mit Obligationen- und Aktienmärkten beschäftigt. Allerdings muss man wissen, dass die Schweizer Bank, die in der Region sehr aktiv ist, 10 Prozent der Unternehmen gesponsert hat, die in den letzten zehn Jahren an die HKSE gegangen sind. 

DER ALIBABA-SCHOCK

Die Wettbewerber schlafen jedoch nicht. Die ehemalige britische Kolonie bekommt inzwischen immer mehr die Konkurrenz der boomenden Börsen von Shenzhen und Schanghai sowie vonseiten der etablierten Handelsplätze wie New York oder London zu spüren. «Die Unternehmen wissen, dass sie durch ein Listing auf chinesischem Boden eine höhere Bewertung erzielen können», erklärt David Cheng. «Tech-Unternehmen wiederum ziehen die NASDAQ vor, die als Technologiebörse speziell für sie konzipiert wurde.»

Der wahre Schock für Hongkong kam 2014, als der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba sich bei seinem Börsengang nicht für die Hafenstadt, sondern für New York entschied, wodurch ihr der grösste IPO aller Zeiten entging. Die Tech-Konzerne könnte es in Zukunft auch nach Schanghai ziehen. «Die chinesische Regierung hat gerade die Gründung einer eigenen Handelsplattform für die Branche angekündigt», sagt Peihao Huang.

Um diesem Gegenwind zu trotzen, hat die HKSE im Frühjahr eine der grössten Reformen ihrer Geschichte angestossen. Das neue Gesetz lässt Unternehmen mit mehreren Aktienkategorien – ein Kunstgriff, der manchen Aktionären wie Firmengründern ermöglicht, sich mehr Stimmrechte zu sichern – zur Notierung an der Börse in Hongkong zu.

Die Ergebnisse haben nicht lange auf sich warten lassen. In den letzten Monaten konnte die Hafenstadt die Börsengänge des Smartphone- Herstellers Xiaomi (der 4,7 Mrd. Dollar erzielt hat), des Online-Lieferdienstes Meituan- Dianping (4,2 Mrd. Dollar) und des Sendemastbetreibers China Tower (6,9 Mrd. Dollar) verzeichnen.

Die Neuerung erlaubt auch Biotech- Unternehmen eine Notierung an der HKSE, auch wenn sie noch keine Einnahmen generieren. «Das kommt Unternehmen zugute, die mehrere interessante Produkte in ihrer Pipeline haben, sie aber noch nicht auf den Markt bringen konnten», so David Cheng. Vor allem der HIVMedikamenten- Hersteller Ascletis Pharma und der Biosimilar-Experte Innovent Biologic haben von dieser Lockerung der Regeln profitiert und sind der Handelsplattform £beigetreten.
 

GEMAUSCHEL UND BETRÜGEREIEN

Trotz ihres Erfolgs kämpft die Börse in Hongkong mit einem einzigartigen Problem: dem Missbrauch von Börsenkotierungen. «Ein Spekulant gründet eine Briefkastenfirma, geht mit ihr an die Börse und verkauft sie anschliessend an ein Unternehmen, das bisher noch nicht an die HKSE durfte, entweder aufgrund unzureichender Einkünfte oder weil es die in Hongkong gesetzlich vorgeschriebenen drei Gewinnjahre nicht abwarten wollte», erklärt David Cheng, Anwalt und Experte für Aktienmärkte. Ihm zufolge kann der Preis für solche Scheinfirmen bis zu 600 Mio. Hongkong-Dollar (etwa 76 Mio. Franken) betragen.

Auch die Banken, die für die Überprüfung der von den kotierungswilligen Unternehmen eingereichten Informationen zuständig sind, haben zeitweise ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Im Herbst 2017 leitete die Börsenaufsicht gegen 15 Finanzinstitute eine Untersuchung wegen «Leistungen minderer Qualität» bei einer Reihe von Börsengängen ein.

Darunter ist auch die UBS. Ein paar Monate später wurde der Bank eine Geldstrafe in Höhe von 119 Mio. Hongkong-Dollar (14 Mio. Franken) aufgebrummt und zusätzlich verboten, in den nächsten 18 Monaten als Sponsor zu agieren, weil sie der China Forestry Holding, einem chinesischen Unternehmen für Holzmöbel, 2009 an die Börse verholfen hatte. Das Unternehmen wurde 2011 vom Handel an der HKSE suspendiert und wird derzeit liquidiert.

 
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