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Finanzwelt Peking hat alles im Blick

Chinas Regierung interveniert regelmässig, um die heimischen Märkte zu stützen. Sie will unter allen Umständen einen Crash verhindern, der politische Instabilität nach sich ziehen könnte. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Frühjahr 2015. Auf den chinesischen Märkten brodelt es. Die Aktienkurse haben in nur einem Jahr um 150 Prozent zugelegt. In den zwei vorhergehenden Jahren hat die Regierung alles getan, was in ihrer Macht stand, um Kleinanleger zum Aktienkauf zu animieren. Dadurch wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2015 laut «Wall Street Journal» mehr als 30 Millionen neue Aktiendepots eröffnet. Der Hype ist so gross, dass Privatpersonen ihren Job kündigen, ihr Haus verkaufen oder sich hoch verschulden, nur um zu investieren. «Die Zinssätze wurden gesenkt, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Man hat Finanzmakler aufgefordert, ihren Kunden Wertpapiere auf Kredit zu verkaufen», erinnert sich Tomasz Bielinski, Forscher an der Universität Danzig, der die chinesische Blase untersucht hat.

Kurz vor der Krise beträgt das Kreditvolumen zwei Bio. Yuan (286 Mrd. Franken), vier Mal so viel wie noch ein Jahr zuvor. Doch am 12. Juni 2015 findet die Euphorie ein jähes Ende. Die chinesischen Börsen fallen dramatisch. Anfang Juli hat die Börse in Schanghai bereits 30 Prozent an Wert verloren. Am 24. August 2015 fällt sie an nur einem Tag um 8,5 Prozent. Dieses Drama sollte eine der grössten staatlichen Interventionen nach sich ziehen, die jemals auf einem Aktienmarkt unternommen wurden.

Ein Zusammenschluss staatlicher Institutionen, das sogenannte «National Team», wird aus dem Boden gestampft. «Es sollte Aktien von 200 bis 300 in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen, die die Aktienindizes dominieren, kaufen», erklärt Thomas Gatley, Experte für den chinesischen Markt beim Forschungsinstitut Gavekal Dragonomics. «Zwischen Juni und Juli 2015 gab dieses National Team fast 300 Mrd. Dollar aus.»

VERWARNUNGEN UND VERBOTE BIS ZUM HANDELSAUSSCHLUSS

Zugleich wird Grossanlegern – also allen, die mehr als 5 Prozent der Anteile eines bestimmten Unternehmens halten – sechs Monate lang verboten, ihre Aktien zu verkaufen, neue Börsengänge werden ausgesetzt. «Darüber hinaus hat China 1’300 Unternehmen, also 45 Prozent des Markts, vom Handel ausgesetzt», so Tomasz Bielinski.

In den folgenden Monaten werden rund 200 Personen festgenommen. Darunter Leerverkäufer, Journalisten, die das Platzen der Blase aufgedeckt hatten, sowie der Fondsmanager Xu Xiang, dem vorgeworfen wird, die Volatilität der Märkte durch Anlagen in Termingeschäfte angeheizt zu haben.

In letzter Zeit ist Peking erneut zweimal eingeschritten: Im Oktober 2017, vor einem wichtigen Kongress der Kommunistischen Partei, liess der Staat alle Transaktionen ab einem Wert von einer Mio. Yuan (rund 143’000 Franken) überwachen. Wozu? Um Börsenschwankungen während des Parteitags der KP zu vermeiden, bei dem die Regierung ein Zeichen der Stabilität aussenden wollte. Investoren, die riskante Anlagen eingingen, wurden bei dieser Gelegenheit von der Regierung verwarnt. Ein Banker aus der Provinz Guangdong erhielt solch eine Nachricht, nachdem er für 325’000 Dollar Aktien einer Kette, die Einkaufszentren besitzt, erst kaufte und dann wieder verkaufte. Ein Kunde des Wertpapierhauses Haitong Securities aus Schanghai wiederum wurde 24 Stunden lang vom Handel ausgeschlossen, nachdem er für eine Mio. Dollar Anteile an einer Grossbank verkauft hatte.

Totale Kontrolle aus purer Angst: Der Staat greift immer wieder in die Märkte ein

 

Im Oktober 2018 mischte sich Peking erneut in die Märkte ein, als ruchbar wurde, dass viele Unternehmen ihre Aktien als Sicherheit angeboten hatten, um Kredite zu erhalten. Die schlechte Performance der chinesischen Aktienmärkte 2018 hatte die Firmen in Gefahr gebracht. Tatsächlich sollen laut Bloomberg Aktien im Wert von etwa 613 Mrd. Dollar gefährdet gewesen sein. «Diesmal hat der Staat nicht auf sein National Team, sondern auf lokale Einheiten gesetzt, die Mittel zur Stützung der kriselnden Unternehmen bereitstellen sollen», so Thomas Gatley. Solche, aus staatsnahen Institutionen bestehenden Organisationen sind bisher in Peking und Shenzhen entstanden.

Dass der chinesische Staat so gerne in die Märkte eingreift, kommt nicht von ungefähr. Die Regierung hat panische Angst, dass die Märkte einbrechen könnten. Rund 85 Prozent der Anleger sind Privatleute, die häufig ihre gesamten Ersparnisse an der Börse investiert haben. «Man will verhindern, dass diese Menschen zu viel Geld verlieren, weil ein solches Szenario eine politische Krise heraufbeschwören könnte», sagt Bing-Xuan Lin, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität von Rhode Island. Ein Kurssturz könnte sich zudem auf die reale Wirtschaft niederschlagen und bei der Kommunistischen Partei für noch mehr Unsicherheit sorgen.

Doch der Aktivismus der Regierung bleibt nicht ohne Folgen. «Die Situation führt zu Verzerrungen und ungesunder Spekulation: Wenn Sie Anleger sind und wissen, dass der Staat Firmen, die in Schwierigkeiten geraten, jederzeit rettet, werden Sie nicht mehr in Unternehmen anlegen, die das höchste Wertschöpfungspotenzial haben, sondern bei der Wahl Ihrer Anlagen staatliche Interventionen berücksichtigen», erklärt Bing-Xuan Lin. Die börsennotierten Unternehmen können ihrerseits riskante Verhaltensweisen übernehmen, sich also beispielsweise hoch verschulden, in der Überzeugung, dass der Staat sie niemals fallen lassen wird.

Und wenn die Märkte praktisch vom Handel ausgesetzt sind, wie im Sommer 2015, können sich weder die Unternehmen vom Markt zurückziehen, die es müssten, noch können diejenigen an die Börse gehen, die das tun sollten. Die Aktionäre wiederum, denen ein Verkauf ihrer Aktien verboten wird, verlieren das Vertrauen in die Märkte. «In Zukunft werden sie sich sicher andere Plätze zum Investieren suchen», meint Tomasz Bielinski.

 
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