Dossier

Diese Firmen lassen uns gut schlafen

Zahlreiche Unternehmen teilen sich den lukrativen Schlafmarkt, der zunehmend neue Akteure aus der Digitalwirtschaft anzieht. Hier eine Auswahl.

Von Bertrand Beauté

  • Gründung: 2014
  • Hauptsitz: NEW YORK (US)
  • Umsatz: USD 497 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 634
  • Stock Exchange:

The mattress industry had fallen asleep on its laurels. But now there’s Casper, which has shaken it awake. Created in 2014, this New York-based startup has jolted the bedding industry into the age of e-commerce. The company’s mattress-es were originally ordered online and delivered by bike throughout the Big Apple in rolled and compressed form. Customers had a 100-night trial period within which they could return it free of charge if they were not satisfied. No store and no sales people, which meant that the company could slash prices and take over the New York market. An enormous success. Just one month after business began, Casper’s sales had already hit $1 million and after two years $100 million.

And the long-standing mattress makers felt the threat. In October 2018, the undisputed mattress leader in the United States, Mattress Firm, filed for bankruptcy. It recovered the following month, but at a huge sacrifice. Of its 3,000 stores owned, 660 were closed. Casper, which has since moved into other markets (including Canada, the United Kingdom, Germany, Switzerland and France), posted sales of $497 million in 2020.

But the company continues to operate at a loss, to the tune of $89.5 million last year. How did that happen? The market is terribly competitive. Casper’s initial, easily imitable strategy has been copied by a multitude of startups such as Leesa, Purple, Tuft & Needle and Yogabed in the United States, Eve Sleep and Simba in the United Kingdom, and Tediber in France. This steeper competition has forced Casper to spend massively on marketing (investing more than $650 million since its creation) and reinvent itself.

While the company originally sold only a limited number of products, it has expanded its product range to include lamps and accessories to improve sleep, and even pet mattresses. In parallel, Casper has opened brick-and-mortar stores – 70 so far – and signed partnerships with traditional vendors such as Mattress Warehouse in June 2021. Most analysts approve of this change in strategy and recommend buying the stock, which is trading at around $5 in August, half its IPO price of $12 in February 2020.

  • Gründung: 1987
  • Hauptsitz: VICTORIA (AU)
  • Umsatz: USD 25.7 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 130
  • Stock Exchange:

Die Firma Compumedics, die seit 2000 an der Australian Securities Exchange kotiert ist, entwickelt und fertigt Geräte zur Diagnose von Schlafstörungen, insbesondere Polysomnographiegeräte. Die Produkte von Compu-medics werden hauptsächlich an Krankenhäuser verkauft. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer in Aus­tralien, Japan und China und die Nummer drei in den Vereinigten Staaten.

  • Gründung: 1972
  • Hauptsitz: HIGH POINT (US)
  • Umsatz: USD 299.7 MIO. (2021)
  • Beschäftigte: 1430
  • Stock Exchange:

Das in der Öffentlichkeit wenig bekannte US-Unternehmen Culp produziert Stoffe für die meisten Matratzenhersteller seines Landes. Zu den Kunden gehören Casper und Tempur Sealy.

  • Gründung: 2014
  • Hauptsitz: LONDON (UK)
  • Umsatz: GBP 25.2 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 50
  • Stock Exchange:

Eve Sleep stellt Matratzen her, die über das Internet bestellt und dann im Karton nach Hause geliefert werden. Neben Purple und Casper gehört es zu den drei Start-ups in diesem Segment, die an die Börse gegangen sind. Im Gegensatz zu seinen beiden US-Konkurrenten ist Eve ein britisches Unternehmen, das aber eine ähnliche Entwicklung durchlaufen hat: Eve Sleep verzeichnet einen jährlich wachsenden Umsatz (+6 Prozent 2020), hat jedoch Schwierigkeiten, auf einem mittlerweile ex-trem wettbewerbsstarken Markt Gewinne zu machen (2020: Verlust von 2,4 Mio. Pfund).

  • Gründung: 1934
  • Hauptsitz: AUCKLAND (NZ)
  • Umsatz: USD 1.38 MRD. (2021)
  • Beschäftigte: 5788
  • Stock Exchange:

Die Coronavirus-Pandemie hat die Ergebnisse des neuseeländischen Unternehmens Fisher & Paykel Healthcare verzerrt. Der Spezialist für Beatmungsgeräte, insbesondere für die Hochfluss- Sauerstofftherapie, die sich zu einer der wichtigsten Erstbehandlungsmethoden bei Covid-19-Patienten entwickelt hat, verzeichnete in seinem Geschäftsjahr 2021, das im Februar endete, einen Umsatzanstieg um 56 Prozent auf 1,97 Mrd. Neuseeland-Dollar. Darüber hinaus ist Fisher & Paykel auch für seine Schlafapnoe-Behandlungen bekannt, und zwar vor allem für CPAP-Geräte, die Apnoe-Patienten im Schlaf Luft in die Nase blasen. Das Unternehmen hat ausserdem eine cloudbasierte Software entwickelt, mit der Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, ihre Nächte überwachen und ihre Daten mit ihren Ärzten teilen können.

  • Gründung: 1989
  • Hauptsitz: SCHAFFHAUSEN (CH)
  • Umsatz: USD 4.19 MRD. (2021)
  • Beschäftigte: 16000
  • Stock Exchange:

Die breite Öffentlichkeit kennt vor allem Garmins GPS-Navigationsgeräte für Sportler. Das Unternehmen interessiert sich aber auch für den Schlaf seiner Kunden. Seit 2018 vertreibt der US-Hersteller mit Sitz in der Schweiz verschiedene Uhren, die den Schlaf ihrer Nutzer überwachen können, indem sie verschiedene Parameter wie Bewegung, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung im Blut analysieren. Laut Garmin lässt sich anhand dieser Daten die Zeit verfolgen, die die Benutzer in jeder Schlafphase verbringen.

Garmin konkurriert auf dem Markt für vernetzte Uhren zur Schlafüberwachung mit den amerikanischen Giganten Fitbit (im Besitz von Google) und Apple, dem koreanischen Mischkonzern Samsung und dem chinesischen Unternehmen Huawei, aber auch mit kleineren Akteuren wie Polar (Finnland) und Withings (Frankreich). Nach Angaben der Firma Counterpoint wird der Smartwatch-Markt, der im ersten Quartal 2021 um 35 Prozent zulegte, nach wie vor weitgehend von Apple dominiert: Der Hersteller hält 33,5 Prozent des Weltmarkts. Garmin liegt an sechster Stelle, verbucht aber steigende Verkaufszahlen.

Das Unternehmen, das auch in den Bereichen Luftfahrt, Marine und Automobil tätig ist, konnte seinen Umsatz 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent steigern. Die meisten Analysten empfehlen, die Aktie zu halten, die seit dem 1. Januar um fast 40 Prozent zugelegt hat.

  • Gründung: 2007
  • Hauptsitz: MINNEAPOLIS (US)
  • Umsatz: USD 115.4 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 341
  • Stock Exchange:

«No mask. No hose. Just sleep.» Allein der Slogan der amerikanischen Firma Inspire Medical ist eine Hoffnung für zahlreiche Patienten, die am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) leiden. Diese Erkrankung äussert sich durch einen nächtlichen Verschluss des Rachens, der den Patienten für bis zu 30 Sekunden am Atmen hindert. Als Standardbehandlung wurden bisher CPAP-Geräte eingesetzt, die Druckluft abgeben. Das Problem ist, dass die Patienten dazu die ganze Nacht eine Maske tragen müssen, was nicht sehr komfortabel ist und auch wegen des Aussehens nur schwer akzeptiert wird.

Das 2007 gegründete Unternehmen Inspire Medical hat ein Implantat entwickelt, das dieses Problem beheben kann. Es funktioniert so: Mithilfe eines chirurgischen Eingriffs setzt man eine Vorrichtung aus Sensor und Neurostimulator in den Körper ein. Der Sensor wird zwischen den Rippen implantiert, der Stimulator unter dem Schlüsselbein platziert. Sobald der Sensor eine Schlafapnoe feststellt, erzeugt der Neurostimulator einen schwachen elektrischen Impuls, der den Nervus hypoglossus (Unterzungennerv) aktiviert, der wiederum die Zunge steuert. Das Ergebnis: Die Atmung setzt wieder normal ein.

2014 erteilte die US-Arzneimittelbehöre FDA die Zulassung für das Implantat. Seitdem sind die Verkaufszahlen sprunghaft gestiegen. Nach einem rekordverdächtigen zweiten Quartal korrigierte Inspire seine Prognosen im August nach oben. Das Unternehmen rechnet nun für 2021 mit einem Umsatz von 210 bis 213 Mio. Dollar, was einer Steigerung von 82 bis 85 Prozent gegenüber 2020 entsprechen würde. Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie, da Inspire der Konkurrenz, insbesondere dem belgischen Start-up Nyxoah und dem britischen Unternehmen LivaNova, immer noch einen Schritt voraus ist.

  • Gründung: 1987
  • Hauptsitz: LONDON (UK)
  • Umsatz: USD 934 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 3000
  • Stock Exchange:

Das britische Unternehmen LivaNova, das hauptsächlich im Bereich der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen tätig ist, hielt 2017 mit der Übernahme des amerikanischen Unternehmens ImThera Medical erfolgreich Einzug auf dem Schlafmarkt. Dieses Start-up entwickelt ein Implantat zur Stimulation des Unterzungennervs, das bei der Behandlung von Schlafapnoe eingesetzt wird. Die erste klinische Prüfung dieses Geräts, das mit den Implantaten der US-Firma Inspire und des belgischen Start-ups Nyxoah konkurriert, wurde im Juni 2021 von der US-Arzneimittelbehörde (FDA) in den USA zugelassen.

  • Gründung: 2009
  • Hauptsitz: MONT-SAINT-GUIBERT (BE)
  • Umsatz: EUR 69’000 (2020)
  • Beschäftigte: 100
  • Stock Exchange:

«Für ein kleines Unternehmen mit 100 Mitarbeitern sind wir sehr global aufgestellt», betont der Nyxoah-Chef Olivier Taelman. Die Firma wurde 2009 vom Serienunternehmer Robert Taub gegründet. Nyxoah hat seinen Hauptsitz im belgischen Mont-Saint-Guibert, verfügt aber auch über eine Fer-tigungsstätte in Tel Aviv, Israel, wo ein Grossteil der Forschung und der Entwicklung erfolgt. Das Unternehmen, das auch Teams in Australien, Deutschland und in den Vereinigten Staaten hat, konnte kürzlich den Bau einer zweiten Produktionsstätte in Lüttich abschliessen.

Nyxoah hat ein Miniaturimplantat namens Genio entwickelt, das die oberen Atemwege während des Schlafs mittels Neurostimulation offen hält. Das System, das rund 20’000 Euro pro Patient kostet (zuzüglich Aufwendungen für den Eingriff), soll die mittelschwere bis schwere obstruktive Schlaf-apnoe (OSA) wirksamer bekämpfen. Das Gerät wurde von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan mit dem Innovationspreis 2014 ausgezeichnet.

«Dank seiner diskreten Form und der einfachen Implantation hat das Genio-System von Nyxoah das Potenzial, die Behandlung von Schlafapnoe zu revolutionieren», so die Investmentbank Bryan, Garnier & Co in einer Mitteilung. Der potenzielle weltweite Markt für Nyxoah wird auf 400 Millionen Menschen geschätzt, die an mittelschwerer bis schwerer ob-struktiver Schlafapnoe leiden. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt den Kauf der Aktie, die derzeit mit rund 26 Euro um fast 50 Prozent über dem Kurs bei der Einführung an der Brüsseler Börse (17 Euro) im September 2020 liegt.

  • Gründung: 1982
  • Hauptsitz: TOKYO (JP)
  • Umsatz: USD 821.92 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 3614
  • Stock Exchange:

Die Paramount Bed Holding, im Jahr 1947 unter dem Namen Kimura Shindai Seisakujo gegründet, entwickelt und vertreibt Betten für Krankenhäuser, aber auch Modelle für Senioren. Ein Geschäft, das aufgrund der Überalterung der Bevölkerung wachsen wird.

  • Gründung: 1891
  • Hauptsitz: AMSTERDAM (NL)
  • Umsatz: EUR 19.535 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 81592
  • Stock Exchange:

Die Schlafsparte von Philips erlebt gerade einen industriellen Albtraum: Im Juni kündigte der niederländische Riese den Rückruf von drei bis vier Millionen Beatmungsgeräten wegen möglicher Gesundheitsrisiken an. Dabei handelt es sich vor allem um CPAP-Geräte (Continuous Positive Airway Pressure), die Patienten nachts tragen, um Atemaussetzer zu verhindern. Laut FDA (US-Arzneimittelbehörde) wurden durch diese Geräte 61 Vorfälle und 25 Verletzungen verursacht, jedoch keine Todesfälle. Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen (Philips hat eine Rückstellung in Höhe von 500 Mio. Euro gebildet) kommt der Fall für den niederländischen Riesen, der gerade seine Neuausrichtung auf das Gesundheitswesen abgeschlossen hat, zum falschen Zeitpunkt. Im März 2021 hat Philips seine Haushaltsgerätesparte für 3,7 Mrd. Euro an die chinesische Investmentgesellschaft Hillhouse Capital abgestossen und damit, nach dem Verkauf der Musik-, Elektronik- und Beleuchtungssparte in den letzten Jahren, seine strategische Neuausrichtung auf «Gesundheit und Wohlbefinden» abgeschlossen, wie Frans van Houten, der Konzern-Chef seit 2011, es ausdrückte. In der neuen Struktur von Philips ist das Segment «Schlaf» ein zentraler Baustein. 2020 trug die Sparte «Sleep & Respiratory Care» fast 14 Prozent zum Konzernumsatz bei. Derzeit ist Philips mit einem Marktanteil von 42 Prozent nach Angaben der kanadischen Bank RBC Capital Markets weltweit die Nummer zwei bei der Behandlung von Schlafapnoe. Nach dem Rückruf defekter Geräte könnte es aber sein, dass der Weltmarktführer, das australische Unternehmen ResMed, seinen Vorsprung weiter ausbaut (s. S. 50). Zudem könnten Start-ups wie die belgische Firma Nyxoah und Inspire in den USA, die die Apnoe-Behandlung revolutionieren möchten, die Situation nutzen und Marktanteile hinzugewinnen. Insgesamt hat jedoch die Pandemie die Neuausrichtung des ehemaligen Technologie-Mischkonzerns auf das Gesundheitswesen bestätigt. Die meisten Analysten raten zum Kauf der Aktie, die zwischen Januar und August 2021, vor allem wegen des Rückrufs, 15 Prozent ihres Werts verloren hat.

  • Gründung: 2015
  • Hauptsitz: LEHI (US)
  • Umsatz: USD 648.5 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1600
  • Stock Exchange:

Das US-Unternehmen Purple Innovation bezeichnet sich selbst nicht als Matratzenhändler oder Bettwarenspezialist, sondern als «das erste Komfort-Tech-Unternehmen der Welt». Ein etwas pompöser Name, der kaum darüber hinwegtäuscht, dass Purple Innovation das Modell seines Hauptkonkurrenten Casper nachgeahmt hat. 2015, ein Jahr nach Casper, wurde Purple gegründet. Es entwickelt und verkauft Matratzen und Bettwaren im Internet «direct to consumer», also ohne Zwischenhändler. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, propagiert Purple die Vorzüge der firmeneigenen Hyper-Elastic-Polymer-Technologie, die mehr Komfort als herkömmliche Matratzen bieten soll.

Diese Strategie scheint aufzugehen. Denn der «Schüler» hat schliesslich seinen Meister, einen Pionier der Branche, überholt. 2019 sicherte sich Purple 4 Prozent des amerikanischen Matratzenmarkts, 1 Prozent mehr als Casper (3 Prozent), bleibt aber hinter älteren Unternehmen wie Sleep Number (8 Prozent) oder Tempur Sealy (30 Prozent). 2020 erwirtschaftete Purple einen Umsatz von 648,5 Mio. Dollar, ein Plus von 51,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem aber ist das Unternehmen im Gegensatz zu Casper rentabel, mit einem Gewinn von 10,9 Mio. Dollar im Jahr 2020. Purple will sein starkes Wachstum fortsetzen und rechnet in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einem Umsatz zwischen 2 und 2,5 Mrd. Dollar, gegenüber weniger als 650 Mio. Dollar im Jahr 2020. Diese Aussichten begeistern die Analysten, die mehrheitlich zum Kauf der Aktie raten.

  • Gründung: 1989
  • Hauptsitz: SAN DIEGO (US)
  • Umsatz: USD 3.2 MRD (2021)
  • Beschäftigte: 7500
  • Stock Exchange:

Im Bett einschlafen und dann für zehn bis 30 Sekunden und manchmal sogar länger aufhören zu atmen? Das nennt man Schlafapnoe, von Wissenschaftlern wird sie als obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) bezeichnet. Sie ist eine der häufigsten Schlafstörungen. Einer Studie zufolge, die 2019 in «The Lancet Respiratory Medicine» veröffentlicht wurde, leiden weltweit rund 936 Millionen Menschen im Alter von 30 bis 69 Jahren am OSAS, 425 Millionen von ihnen an einer mittelschweren oder schweren Form, die behandelt werden muss. Allein in der Schweiz gibt es nach Angaben der nationalen Lungenliga rund 150’000 Personen, die nachts kurze Atemaussetzer haben. In vielen Fällen wird dies weder diagnostiziert noch behandelt.

Doch diese Krankheit ist alles andere als harmlos. Kurzfristig führt die Schlafapnoe zu chronischer Müdigkeit, Schläfrigkeit sowie Kopfschmerzen. Auf lange Sicht erhöht dieses Syndrom das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Derzeit werden Patienten mit Schlafapnoe hauptsächlich mit sogenannten CPAP-Geräten (Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierlicher Atemwegsüberdruck) behandelt. Dabei tragen die Betroffenen nachts eine Maske, über die von einem Gerät auf dem Nachttisch erzeugte Druckluft in die Atemwege gepumpt wird.

Als Weltmarktführer in diesem Bereich hält das australische Unternehmen ResMed nach Angaben der Bank RBC Capital Markets 48 Prozent des Weltmarkts für CPAP-Geräte und 50 Prozent des Markts für die dazugehörigen Masken. Nach dem Motto «Des einen Leid, des anderen Freud» profitiert ResMed von den Rückschlägen, die sein Hauptkonkurrent, das niederländische Unternehmen Philips, erlitten hat, weil es im Juni eine massive Rückrufaktion durchführen musste. Der Spezialist für Beatmungsgeräte hat von der Pandemie profitiert und seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2021, das am 30. Juni 2021 endete, im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gesteigert. Die meisten Analysten empfehlen, die Aktie zu halten, die zwischen Januar und August 2021 bereits um fast 30 Prozent gestiegen ist.

  • Gründung: 1987
  • Hauptsitz: MINNEAPOLIS (US)
  • Umsatz: USD 1.857 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 4800
  • Stock Exchange:

Nach Smartphones, Smartwatches und Smartcars werden nun auch die Betten «smart». Der amerikanische Bettwarenspezialist Sleep Number, der sich selbst als führend in Sachen Schlafgesundheit und Innovation bezeichnet, hat ein «Smartbed» auf den Markt gebracht. Die mit Sensoren ausgestattete Schlafstatt passt die Temperatur der Matratze an, reagiert auf Körperbewegungen und misst die Herzfrequenz sowie die Schlafdauer. Die erfassten Daten sind dann auf einer speziellen App abrufbar, die Ratschläge für einen besseren Schlaf gibt.

Grand View Research schätzt die Umsätze mit intelligenten Betten für 2019 auf 2,17 Mrd. Dollar. Damit sind sie momentan noch marginal, doch sie steigen allmählich. Im Juli meldete Sleep Number für die ersten sechs Monate des Jahres Rekordergebnisse, die um 39 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums lagen. «Die starke Verbrauchernachfrage nach unserem smarten Bett Sleep Number 360 hat unsere Erwartungen übertroffen, sodass unser Absatz im Juni und im Juli durch Lieferschwierigkeiten eingeschränkt war», liess Shelly Ibach, CEO von Sleep Number, in einer Pressemitteilung verkünden.

Doch das US-Unternehmen ist nicht allein in diesem Segment. Eine Reihe von Anbietern liebäugelt mit der Nische der vernetzten Matratzen, die den Schlaf verbessern, aber auch die Gewinnspanne erhöhen sollen. Darunter befinden sich Start-ups wie die US-Firmen Eight Sleep und Ultimate Smart Bed, aber auch traditionelle Bettwarenhersteller wie die französischen Unternehmen Maliterie und Bultex. Die meisten Analysten raten, den Titel zu halten.

  • Gründung: 2004
  • Hauptsitz: SYDNEY (AU)
  • Umsatz: USD 41,98 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 60
  • Stock Exchange:

Das australische Unternehmen Somnomed entwickelt Vorrichtungen zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe. Doch während die meisten Patienten, die an dieser Krankheit leiden, mit CPAP-Geräten behandelt werden, die sie während der Nacht mit Luft versorgen, setzt Somnomed auf eine alternative Technologie: die Unterkieferorthese. Konkret handelt es sich um eine kleine zahnärztliche Vorrichtung, die in den Mund eingesetzt wird, um den Unterkiefer während der Nacht vorgeschoben zu halten. Somnomed zufolge besitzt diese Technologie ein «enormes Potenzial», denn sie liefere Ergebnisse, die denen von CPAP-Geräten gleichwertig seien. Doch der Verbreitungsgrad ist noch gering, er liegt in den meisten Ländern unter 10 Prozent.

  • Gründung: 2012
  • Hauptsitz: LEXINGTON (US)
  • Umsatz: USD 3.677 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 7400
  • Stock Exchange:

Der US-amerikanische Matratzen- und Bettwarenhersteller Tempur Sealy, der 2012 aus der Übernahme von Sealy durch seinen grössten Konkurrenten Tempur-Pedic hervorging, ist in den USA mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent die unangefochtene Nummer eins der Branche und liegt damit weit vor Newcomern wie Casper und Purple Innovation.

  • Gründung: 2016
  • Hauptsitz: COLORADO (US)
  • Umsatz: USD 13.07 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 100
  • Stock Exchange:

Weltweit leiden fast eine Milliarde Patienten an Schlafapnoe, aber sie wird nur bei knapp 80 Prozent diagnostiziert. Oft sind die Schlafzentren so überfüllt, dass man bis zu einem Jahr auf einen Termin warten muss. Angesichts dieser Situation brachte Vivos Therapeutics im Januar 2021 den vernetzten Ring VivoScore auf den Markt. Er erkennt eine Schlafapnoe anhand diverser Parameter wie der Herzfrequenz und der Sauerstoffsättigung des Blutes. Im Gegensatz zu den Fitbit-Uhren (Google) oder der Apple Watch, die über ähnliche Messfunktionen verfügen, ist das VivoScore von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Vivos Therapeutics vermarktet auch zahnärztliche Orthesen zur Behandlung verschiedener schlafbezogener Atemstörungen, wie beispielsweise Schnarchen und leichter bis mittelschwerer Apnoe.