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China: Jetzt investieren?

Bei den Aktien chinesischer Unternehmen waren Investoren bislang oft misstrauisch. Doch das war früher. Mit der Öffnung des Landes für ausländisches Kapital hat das Interesse deutlich zugenommen.

Vor ziemlich genau 40 Jahren, im Dezember 1978, begann der wirtschaftliche Wandel in China. Unter der Führung von Deng Xiaoping verwandelt sich das Land quasi über Nacht zu einer Marktwirtschaft: Eine Politik der Öffnung machte das Reich der Mitte zu einer wahren Fabrik der Welt. Dieser Prozess setzt sich auch heute noch fort. Am 1. Juni vergangenen Jahres wurden einige A-Aktien, die an den Börsen von Schanghai und Shenzhen kotiert sind, in den Referenzindex der Schwellenmärkte, den MSCI EM, aufgenommen. Für ausländische Investoren galt das als eine Art Versprechen, dass es nun einfacher wird, chinesische Titel zu kaufen. Doch darf man sich auf diesen Markt wagen? «Swissquote Magazine» antwortet auf diese komplexe Frage mit fünf Hinweisen zur Orientierung:

1. Ein Markt, an dem kein Weg vorbeiführt

Kein ernsthafter Investor kann China ausser Acht lassen. Als zweitgrösste Wirtschaft der Erde und zweitgrösster Aktienmarkt weltweit (Hongkong eingeschlossen) hat sich das Reich der Mitte zu einem Riesen entwickelt mit börsenkotierten Unternehmen in allen Branchen. Die Aktien der bekanntesten werden, wie bei Alibaba oder Tencent, in New York oder Hongkong gehandelt. Doch die Börsen von Schanghai und Shenzhen haben ebenfalls einige Perlen zu bieten, die man nicht geringschätzen sollte, wie den Entwickler von Videospielen Youzu Interactive oder das Versicherungsunternehmen China Life Insurance. «Die chinesischen Aktien haben sich mittlerweile bewährt und verdienen langfristig einen Platz in den Portfolios», so Michel Longhini, CEO Private Banking bei der Union Bancaire Privée, in einem Beitrag für «Le Temps».

Westliche Investoren haben jedoch lange Zeit mit Misstrauen auf den chinesischen Markt geblickt, er galt als wenig verlässlich. Wie «Les Echos» berichtete, entfallen in China nur 2 Prozent der Kapitalisierung auf ausländische Akteure, in Malaysia dagegen 12 Prozent, 14 Prozent sind es auf den Philippinen, 21 Prozent in Indien. Um dies zu ändern, öffnet Peking die Finanzmärkte immer weiter. Die Integration der A-Aktien in den MSCI-Index im letzten Jahr war ein solcher Schritt in diese Richtung. Nach Schätzungen der Investmentbank JP Morgan könnten dadurch in den kommenden Monaten 40 Mrd. Dollar in die chinesischen Börsen fliessen.

Und das ist erst der Anfang. Im September 2018 hat FTSE Russell, ein weiterer Spezialist in Sachen Aktienindizes, angekündigt, ab Juni 2019 ebenfalls Aktien aus Festlandchina in seine Referenzindizes einzubeziehen. Nach Angaben von FTSE Russell könnte dies Nettokapitalflüsse in Höhe von zehn Mrd. Dollar in die chinesischen Aktien bewirken. Dieser Zufluss ausländischer Investitionen dürfte automatisch zu einem Aufschwung an den Börsen von Schanghai und Shenzhen führen. Doch aufgepasst: «Der chinesische Aktienmarkt ist riskant», betont Meng Shen, Leiter der Investmentbank Chanson & Co. «Es lassen sich gute Möglichkeiten finden, um Geld zu gewinnen, doch die Performance der wichtigsten Indizes ist weiterhin enttäuschend. Es wird vielleicht Aktien mit einer Rendite von 1’000 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geben, aber dies lässt sich eher mit einem Glücksspiel vergleichen.»

2. Das unheilvolle Jahr 2018

2018 wird wahrscheinlich als eines der schlechtesten Jahre in die Geschichte der chinesischen Börse eingehen. Die Märkte, geplagt vor allem durch den Handelskonflikt mit den USA, sind zusammengebrochen. Der Shanghai Composite Index hat 2018 25 Prozent seines Werts verloren, der Wert des Shenzhen Composite Index ist um 33 Prozent gefallen und die Börse Hongkongs büsste 14 Prozent ein. Im gleichen Zeitraum fiel jedoch der wichtigste Index der US-Börsen, der S&P 500, nur um 5 Prozent.

Viele Analysten sehen gerade in der derzeitigen Enttäuschung durch die chinesischen Aktien einen guten Zeitpunkt, um in diesen Markt einzusteigen. «Die Rückschläge der letzten Monate kann man auch als Chance für den Kauf von Titeln der stabileren Unternehmen betrachten», so Michel Longhini.

«Der Markt ist derzeit unterbewertet », sagt auch Lu Li, Analystin bei der Beratungsfirma Daxue Consulting. «Die aktuelle Bewertung ist Ausdruck für den Pessimismus der Investoren. Doch der Spielraum für einen weiteren Rückgang ist eingeschränkt. Ich denke, dass wir die Untergrenze im dritten oder vierten Quartal 2019 erreichen werden. Wann die Erholung einsetzen wird, ist allerdings nicht vorhersehbar.» Eine Ansicht, die Meng Shen, Leiter von Chanson & Co, etwas relativiert: «Ich glaube nicht, dass die chinesischen A-Aktien 2019 ihren gesamten Wert zurückgewinnen können. Es wird vielleicht ab März einen leichten Wachstumsaufschwung geben.» Diese Vorsicht erklärt sich mit der Unsicherheit, was die Beziehungen zwischen China und den USA angeht. Nach Monaten des Handelsstreits haben beide Länder Anfang Dezember einen dreimonatigen «Waffenstillstand » vereinbart. Die Märkte haben diese Pause bei den gegenseitigen Zollerhöhungen begrüsst, doch die Unsicherheit bleibt. Denn Washington hat angekündigt, die Zölle wieder auf 25 Prozent zu erhöhen, wenn nicht innerhalb von drei Monaten eine Einigung mit Peking zu wichtigen Themen wie den «forcierten» Technologietransfers, dem Schutz geistigen Eigentums und Cyberspionage gefunden werde. Das Problem: «In nur 90 Tagen kann kein umfassendes Handelsabkommen ausgearbeitet werden», sagt Meng Shen. «Ich denke, dass die beiden Länder ein Übergangs- oder Rahmenabkommen schliessen werden mit anschliessenden Verhandlungen.»  

Das Kriegsbeil wird also nach Ablauf der 90-Tage-Frist noch nicht begraben sein. «Die USA und China spielen ein gefährliches Spiel, denn der Handelskrieg bringt niemandem etwas», so Meng Shen und ergänzt: «In dieser Auseinandersetzung hat Washington allerdings mehr Druckmittel als Peking. Die USA sind für die chinesischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes der wichtigste Exportmarkt, der Zolltarif kann demnach wie eine Massenvernichtungswaffe gegen die chinesische Wirtschaft eingesetzt werden. Wird das Problem nicht gelöst, wird der Druck auf Peking immer grösser.» Iris Pang, Ökonomin bei ING, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Börse stark von den Fortschritten dieser Verhandlungen abhängen werde. «Geht es mit dem Burgfrieden nicht gut aus, dann werden die Repressalien von Neuem beginnen und der Markt dürfte weiter abstürzen.»

«Ich bin nicht sehr optimistisch», so Lu Li. «Trump ist kein Politiker, sondern ein Geschäftsmann, der sich für die Maximierung seiner Gewinne interessiert. Und auf der anderen Seite hat China gezeigt, dass man keine Angst mehr vor einem Handelskrieg hat. Im Grunde hat China nicht viele Optionen, aber die USA auch nicht.»

3. Rückläufiges Wachstum

Das Wachstum Chinas hat sich im gesamten Jahr 2018 verlangsamt und schliesslich sein niedrigstes Niveau seit 28 Jahren erreicht. Laut dem chinesischen Staatlichen Amt für Statistik (BNS) belief sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im letzten Jahr auf «lediglich» 6,6 Prozent – eine Zahl, die die westlichen Volkswirtschaften vor Neid erblassen lassen dürfte, jedoch weit entfernt ist von den Standards eines Landes, das an zweistellige Wachstumsraten gewöhnt ist. Peking sieht die Ursache dieser Abschwächung eher im Ausland. «Alle Welt ist durch die internationale Lage verunsichert », liess der Leiter des BNS Ning Jizhe verlauten. «Es gibt zahlreiche Variablen, zu denen auch die Faktoren verschiedener Ungewissheiten gehören, und dies hat Einfluss auf unsere Wirtschaft.»

Die Analysten weisen dagegen auch auf die internen Schwächen Chinas hin. Der Konsumbereich, der lange Zeit von dem riesigen lokalen Markt mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern getragen wurde, verzeichnet einen leichten Rückgang. So sind 2018 beispielsweise die Autoverkäufe, die Einkäufe in den Shoppingmalls oder die Umsätze im Bereich der Mobiltelefonie zurückgegangen, was einen Einfluss auf die in diesen Bereichen tätigen Unternehmen wie den Autobauer Geely oder den Mobilfunkanbieter China Mobile haben könnte. Darüber hinaus haben auch die Massnahmen der Regierung zum Schuldenabbau des Landes den wirtschaftlichen Abschwung begünstigt. Für 2019 prognostizieren die Analysten, dass sich das Wachstum weiter abschwächen und sich schliesslich bei etwa 6 Prozent stabilisieren werde. Insofern besteht nur ein geringes Risiko, dass das Wachstum komplett einbrechen könnte. Die Wirtschaft kann «innerhalb einer annehmbaren Spanne» schwanken, aber nicht «plötzlich abstürzen», versicherte Anfang Januar Ministerpräsident Li Keqiang. Zu investieren, bevor die chinesische Regierung Massnahmen zur Förderung des Wachstums ergreift, könnte sich daher auszahlen.

4. Interventionismus in Peking

Angesichts der Abschwächung hat die chinesische Regierung ihre Politik in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 gelockert und auch auf steuerpolitische Massnahmen wie Steuersenkungen gesetzt, um den Konsum anzukurbeln. Für 2019 erwartet Meng Shen, dass bei der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV) neue Signale zur Lockerung der Geldpolitik ausgesendet werden.

All diese Massnahmen dürften die Börsen des Landes stärken. Und wenn das nicht ausreicht, wird Peking die Märkte auch direkt unterstützen, wie es bereits mehrmals der Fall gewesen ist. Das Problem dabei: Dieser Interventionismus kann zu Verzerrungen und ungesunder Spekulation führen. «Wenn Sie Anleger sind und wissen, dass der Staat Firmen, die in Schwierigkeiten geraten, jederzeit rettet, werden Sie nicht mehr in Unternehmen anlegen, die das höchste Wertschöpfungspotenzial haben, sondern bei der Wahl Ihrer Anlagen staatliche Interventionen berücksichtigen», erklärt Bing-Xuan Lin, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität von Rhode Island.

5. Schlüsselbranchen

2015 startete der chinesische Premierminister die Initiative «Made in China 2025». Mit diesem Aktionsplan nach dem Vorbild des deutschen Digitalisierungsprojekts «Industrie 4.0» soll der Ausbau der oberen Produktsegmente der Wirtschaft des Landes gefördert und gleichzeitig die Abhängigkeit von ausländischen Technologien reduziert werden. Derzeit sind beispielsweise die meisten chinesischen Smartphones mit Chips des US-Unternehmens Qualcomm ausgestattet. Für 2020 erhofft sich Peking in zehn Schlüsselbranchen (s. Infobox) Produkte, die zu 70 Prozent aus chinesischen Komponenten und Materialien hergestellt werden. Doch das Projekt geht noch weiter: Es zielt darauf ab, China bis zum Jahr 2049, in dem die Volksrepublik 100 Jahre alt wird, im Industriesektor zu einem der drei führenden Länder zu machen. Dazu hat man mehrere Schwerpunktbereiche definiert: Erhöhung der Investitionen in Forschung und Entwicklung, Verbesserung der Automatisierung der chinesischen Werke und Entwicklung der strategisch wichtigen Branchen wie Robotertechnik und Computerchips. Die Branchen, auf die sich das Projekt «Made in China 2025» bezieht, könnten aufgrund der massiven Unterstützung durch den chinesischen Staat gute Anlagen sein. Aber auch hier bleibt die Unsicherheit. Denn das Projekt «Made in China 2025» steht im Zentrum des Konflikts mit den USA.

Um Uncle Sam zu beschwichtigen, könnte Peking vielleicht ab März 2019 die Initiative «Made in China 2025» durch ein neues Programm ersetzen, das nicht so sehr auf eine Führungsrolle in der Industrie setzt, sondern vielmehr darauf ausgerichtet ist, das Land stärker für ausländische Unternehmen zu öffnen, schreibt das «Wall Street Journal». In Erwartung eines Epilogs des chinesisch-amerikanischen Konflikts ziehen es die Analysten vor, sich weitere Werte genauer anzusehen. «Ich empfehle chinesische Unternehmen, die im Goldgeschäft, in der Rüstungsindustrie und im Bereich neuer Technologien tätig sind. Aber nur solche Unternehmen, die tatsächlich über Ressourcen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie über die Rechte am geistigen Eigentum verfügen», erklärt Meng Shen. Ben Cavender, Analyst der China Market Research Group, sieht ein weiteres Potenzial: «In diesen unsicheren Zeiten schliessen die Menschen Versicherungen ab, sodass dieser Branche sehr gute Zeiten bevorstehen. Ich empfehle daher Versicherungsunternehmen wie China Life Insurance.»
 

DIE NEUE SEIDENSTRASSE

Das im Jahr 2013 auf Initiative von Präsident Xi Jinping gestartete Projekt Seidenstrasse (Belt and Road Initiative) ist ein gigantisches Infrastrukturprojekt von schätzungsweise 800 Mrd. Dollar. Im Rahmen dieses Projekts soll China über Strassen-, Schienen- und Schiffsverkehrswege mit Südostasien, Zentralasien, Europa und Afrika verbunden werden. Einem Bericht der UNCTAD (Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) zufolge würde der von Peking angestrebte wirtschaftliche Verbund letztlich einen riesigen Markt mit 68 Ländern darstellen, mit einer Gesamtbevölkerungszahl von etwa 4,5 Milliarden Einwohnern (62 Prozent der Weltbevölkerung) und einem Gesamt-BIP von rund 23’000 Mrd. Dollar, was einem Drittel der Weltwirtschaft entspricht. Dieses riesige Vorhaben könnte enorme Auswirkungen auf die Märkte haben, weil es den Transport von Rohstoffen und Waren erleichtert. Robert Friedland, CEO des Bergbaukonzerns Ivanhoe Mines, ermahnte seine Zuhörer regelrecht beim FT Global Commodities Summit: «Die neuen Seidenstrassen sind wahrscheinlich die grösste Initiative weltweit, der Sie einfach nicht genug Beachtung schenken.»

DIE ZENSUR KOMMT TEUER ZU STEHEN

In Sachen freie Meinungsäusserung ist China für eine repressive Politik bekannt, die sich erheblich auf die Märkte auswirkt. Peking hat beispielsweise im März 2018 beschlossen, die Veröffentlichung neuer Videospiele im Land auszusetzen. Eine Katastrophe für die Publisher wie Youzu Interactive oder das Unternehmen Tencent, das in dieser Zeit ein Drittel seines Werts verloren hat. Die Blockade wurde Ende Dezember 2018 zwar aufgehoben, doch derart radikale Entscheidungen tragen nicht dazu bei, den Investoren Sicherheit zu vermitteln. Es können jederzeit Sanktionen gegen Unternehmen verhängt werden. 2017 bekamen beispielsweise die drei beliebtesten sozialen Netzwerke Chinas – der Messaging-Dienst Wechat, der Mikroblogging-Dienst Weibo und die Suchmaschine Baidu – die Missbilligung aus Peking zu spüren, da sie «rechtswidrige Inhalte» veröffentlicht und damit «die nationale Sicherheit gefährdet » hätten.

 
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