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Lust auf Fisch macht erfinderisch

Aquakulturen haben Hochkonjunktur - dank einer steigenden Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten. Die überfischten Ozeane können den Bedarf nicht mehr decken. Innovative Projekte sollen nun Abhilfe schaffen. © iStock

Mehr als die Hälfte aller weltweit verzehrten Fische und Meeresfrüchte stammt heute aus Aquakulturen. Die kontrollierte Aufzucht von Organismen in Teichen, Becken, Flüssen oder in Küstennähe hat ein gigantisches Ausmass erreicht. «Aquakulturen produzieren jedes Jahr mehr als 100 Mio. Tonnen an Meeresprodukten», so Tore Tonseth, Branchenexperte und Analyst bei der norwegischen SpareBank 1.

Gezüchtet werden unter anderem Lachse, Forellen, Bunt- und Wolfsbarsche, Garnelen, Jakobsmuscheln und Austern sowie diverse Algenarten. « Rund 90 Prozent der Produktion finden in kleinen Familienbetrieben statt, die nur ein paar einfache Teiche besitzen», erklärt er. «Der Lachs ist der einzige Fisch, der industriell gezüchtet wird, vorwiegend in Norwegen und in Chile.»

Dass Aquakulturen so hoch im Kurs stehen, liegt vor allem an der gestiegenen Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten, was vor allem mit dem Aufkommen einer neuen Mittelschicht in den Entwicklungsländern zusammenhängt.

«Ausserdem achten die Verbraucher zunehmend auf die Ökobilanz ihrer Lebensmittel: Fisch und Meeresfrüchte sind weitaus umweltschonendere Proteinquellen als Rind oder andere Fleischsorten», erklärt Tore Tonseth. Hinzu kommt ein deutlicher Rückgang der Fischbestände in den Weltmeeren – eine Folge der Überfischung.

Doch auch Aquakulturen werfen eine Reihe ökologischer Probleme auf. Denn die organischen Abfallprodukte von Fischen und Meeresfrüchten und die grossen Mengen Antibiotika, die ihnen verabreicht werden, belasten die Meere. Und die Errichtung von Garnelenfarmen entlang der Küsten hat zur Zerstörung weiter Teile der Mangrovengebiete in Thailand, Indien, Costa Rica und Ecuador geführt.

Darüber hinaus werden als Futtermittel für fleischfressende Fische wie Lachse, Wolfsbarsche oder Forellen grosse Mengen an Fischmehl benötigt. Letzteres wird aus Kleinfischen wie Sprotten, Sardinen oder Heringen gewonnen, was zur Überfischung dieser Arten geführt hat.

Und dann sind da noch die Krankheiten. «Die Bestände vieler Lachsfarmen wurden in letzter Zeit durch einen Lachslausbefall dezimiert», erläutert Lage Bohren von der Carnegie Investment Bank, ein Kenner der Branche. «Die Züchter haben sich lange auf den Einsatz von Pestiziden gestützt, doch die Schädlinge sind inzwischen resistent geworden.»

Bei genauerer Betrachtung fällt die Ökobilanz von Aquakulturen jedoch weniger düster aus, als es zunächst den Anschein hat. Denn global gesehen tragen diese Zuchtanlagen dazu bei, die starke Überfischung einzudämmen. Diese stellt für die Ozeane ein weit grösseres Problem dar als die Verschmutzung der Küsten durch Abfallprodukte. Und während die Kritik an den kleinen Familienbetrieben durchaus berechtigt ist, gelten für Grosskonzerne wie SalMar oder Marine Harvest aus Norwegen längst strenge Umweltauflagen.

Gigantische Tanks

Angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen setzt die Aquakulturindustrie verstärkt auf Innovationen. «SalMar will testweise gigantische runde Stahltanks in Betrieb nehmen, die nicht nur achtmal mehr Lachse aufnehmen können als herkömmliche Käfige, sondern vor allem auf hoher See einsetzbar sind, wo die Fische aufgrund der starken Meeresströmungen nicht von Lachsläusen befallen werden können», erklärt Analyst Lage Bohren.

Norwegen ist Schauplatz noch ein weiteren Mammutprojekts: Das Unternehmen NSK Ship Design hat eine Lachs- und Forellenfarm mit einer Kapazität von bis zu 10’000 Tonnen auf einem 430 Meter langen Schiff installiert. Der Meeresgigant kann je nach Strömung und Witterung den Ort wechseln, was stets optimale Zuchtbedingungen garantiert.

Das Start-up Calysta hat als Fischfutter Proteintabletten auf Basis von Mikroorganismen entwickelt. © Calysta

Das Unternehmen Marine Harvest hat seinerseits Minifarmen in Eiform entwickelt, die vor den Küsten zum Einsatz kommen sollen. «Diese Anlagen sind komplett abgedichtet, sodass die Fische nicht durch das mit Schädlingen verunreinigte Meerwasser kontaminiert werden», erläutert Lage Bohren.

Die spanische Firma Smart Floating Farms wiederum hat eine vollständig autarke Aquakultur entwickelt, die ihren Strombedarf komplett aus Solarenergie bezieht und in der die Pflanzen, die den Fischen als Futter dienen, hydroponisch, also im Wasser statt in Erde, gezogen werden. Die organischen Abfallprodukte der Fische werden als Dünger für die Pflanzen wiederverwendet.

Neues Mammutprojekt: Lachs- und Forellenfarm an Bord eines 430 Meter langen Spezialschiffs

Der Innovationsschub macht auch vor dem Fischfutter nicht Halt. «Einige Unternehmen verfüttern inzwischen Insekten oder Algen als Protein- beziehungsweise Omega-3-Quelle», so Tore Tonseth. Das kalifornische Start-up Calysta hat sogar Proteintabletten auf Basis von Mikroorganismen entwickelt, die in einem natürlichen Fermentierungsprozess gewonnen werden.

Cargill wiederum entwickelt optimierte Tiermehle, deren Zusammensetzung sich nach den jeweiligen Bedingungen im Meer beziehungsweise den jeweiligen Lebenszyklen der Fische richtet. So enthalten einige Futtermittel Nukleotide und Vitamine, damit die Wassertiere sich besser gegen Lachsläuse zur Wehr setzen können.

Andere bestehen aus einem Nährstoffcocktail, mit dessen Hilfe die Fische an Gewicht zulegen sollen. Auf diese Weise ist es dem US-Konzern unter anderem gelungen, kräftigere Buntbarsche zu züchten, die sich besser transportieren lassen und noch dazu besser schmecken.

Interessante Unternehmen

Marine Harvest

König der Lachse

  • Sitz: Bergen (NO)
  • Umsatz: EUR 3,5 Mrd. (2016)
  • Belegschaft: 12'717

Die Nummer eins unter den Anbietern von Zuchtlachs dominiert den Markt mit einer Jahresproduktion von mehr als 400’000 Tonnen deutlich. «Das Unternehmen ist ausserdem geografisch breit aufgestellt: Es ist in Norwegen, Chile, Schottland, Kanada und Irland präsent, also in allen Hauptzuchtgebieten für Lachs», sagt Tore Tonseth, Analyst der SpareBank 1. Marine Harvest profitiert wie seine Mitbewerber vom hohen Niveau des Lachspreises, was dem Unternehmen einen Bruttogewinn (EBIT) von 30 bis 40 Prozent sichert. Ein weiteres Plus ist die hohe Liquidität, die dem Marktführer in den nächsten Jahren einige Übernahmen ermöglichen wird.

SalMar

Erholung in Sicht

  • Sitz: Froya (NO)
  • Umsatz: USD 1,1 Mrd. (2016)
  • Belegschaft: 1'357

SalMar ist der viertgrösste Lachsproduzent der Welt und dominiert die norwegische Lachsindustrie. «Das Unternehmen zeichnet sich durch ein starkes Management, preisgünstige Produktionsmethoden und eine effizienzorientierte Unternehmenskultur aus», sagt Lage Bohren, Analyst bei der Carnegie Investment Bank. Dennoch wurde es stark von der Lachslausepidemie erschüttert. Der Experte betrachtet SalMar dennoch als gute Anlagemöglichkeit, da der Lachspreis in den nächsten zwei bis drei Jahren aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage auf hohem Niveau bleiben wird.

 
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