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5G: Heiss auf Highspeed

Seit April ist die fünfte Mobilfunkgeneration im Einsatz, auch in der Schweiz.
Das neue Netz verspricht bis 2022 völlig neue Nutzungsmöglichkeiten des mobilen Internets.

Das war knapp: Am 3. April um 23 Uhr nahm Südkorea als erste Nation weltweit das 5G-Netz – den neuesten Mobilfunkstandard – in Betrieb. Damit kam das Land der Morgenstille den USA nur um wenige Stunden zuvor und sicherte sich den symbolischen Titel als Branchenvorreiter. Dieser Sieg auf der Zielgeraden ist für das kleine Korea natürlich vor allem ein PR-Coup, der sein Image als Technologieführer untermauert. Dieser Erfolg verdeutlicht aber auch, wie wichtig es für alle Länder der Welt ist, beim Rennen um 5G nicht den Anschluss zu verlieren.

«Die neue Generation der Mobiltelefone bedeutet einen technologischen Quantensprung im Vergleich zu 4G. Sie wird für die Unternehmen ganz sicher zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor werden», erklärt Philippe Horisberger, Stellvertretender Direktor des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM). «Länder, die heute beim Netzausbau ins Hintertreffen geraten, könnten morgen wirtschaftlich abgehängt werden. Der Abstand zu den Pionieren wird kaum mehr aufzuholen sein.»

In diesem Spiel haben Asien und die USA die Nase vorn, weil es in Südkorea, China und den USA bereits funktionierende 5G-Netze gibt. Anders gesagt: «Europa hinkt hinterher», wie Julien Leegenhoek, Analyst für Technologieaktien bei der Union Bancaire Privée (UBP) betont. «Wenn sich die Dynamik nicht ändert, laufen die Unternehmen des alten Kontinents Gefahr, moderne Apps nicht mehr als Erste entwickeln zu können.»

5G, das auch «Wireless Fibre» genannt wird, verspricht in der Tat, das mobile Internet zu revolutionieren und mit ultraschnellem mobilem Breitband ganz neue Dienste zu ermöglichen. So wird man zum Beispiel innert weniger Sekunden einen hochauflösenden Film auf sein Smartphone laden können, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde. Zum Vergleich: In der neuesten 4G-Variante wird gerade einmal ein Gigabit in einer Sekunde erreicht. Und Experten sagen bereits neue immersive Techniken in Augmented Reality oder Virtual Reality für Sportübertragungen, Medien, Videospiele oder Ähnliches voraus. «Mit 5G wird sicher alles schneller für die privaten Nutzer. Doch man darf sich keinen technologischen Sprung für die Verbraucher erwarten. Für die Industrie allerdings ist 5G eine echte Revolution», sagt Sylvain Chevallier, Telekom-Partner bei BearingPoint.

 

«5G wird Auswirkungen auf sämtliche Branchen haben»

Philippe Horisberger, Stellvertretender Direktor des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM)

 

«Für die Industrie dagegen bedeutet 5G eine echte Revolution.» So wird das Internet der Dinge (IoT), von dem seit Jahren gesprochen wird, endlich Form annehmen können. Denn dank «Networkslicing» kann der neue Mobilfunkstandard gleichzeitig Millionen Geräte vernetzen, was mit 4G, das auf viel weniger Geräte ausgelegt ist, nicht möglich wäre. «5G wird die Entwicklung des Internets der Dinge voranbringen, weil es die Verbindung vieler Geräte zur selben Zeit erlaubt», prognostiziert Sylvain Chevallier. «Dadurch wird ein ganz neues Spektrum von Diensten möglich.»

Vor allem, da 5G eine sehr geringe Latenz – die Reaktionszeit des Netzwerks – von etwa einer Millisekunde hat und damit zehn Mal schneller als 4G ist. «Dieses Leistungsplus ebnet den Weg für die Entwicklung anspruchsvoller Anwendungen, etwa im Bereich des autonomen Fahrens oder der Telemedizin», so Sylvain Chevallier. «Denn wenn Sie in einem selbstfahrenden Auto sitzen, wollen Sie, dass es sofort und nicht mit Verzögerung reagiert, selbst wenn es sich dabei nur um wenige Zehntel einer Millisekunde handelt.»

HIN ZUR SMARTEN FABRIK

«5G wird Auswirkungen auf sämtliche Branchen haben», fährt Philippe Horisberger, Stellvertretender Direktor des BAKOM, fort. «Es wird beispielsweise die Produktionsprozesse in der Industrie auf den Kopf stellen. Schon bald werden alle Roboter eine Cloud-basierte künstliche Intelligenz besitzen, sie werden vernetzt sein und können in Echtzeit gesteuert werden, wodurch die Fabriken an Flexibilität gewinnen.»

Wenn man die Vorteile betrachtet, ist 5G also ein wichtiger Treiber für die vollständige Digitalisierung der Wirtschaft. Entsprechend hoch sind die finanziellen Auswirkungen. Einer im Dezember 2018 veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung TMG zufolge könnten 5G-Dienste zwischen 2020 und 2034 weltweit einen Wert von 2’200 Mrd. Dollar schaffen, das entspricht 5,3 Prozent des im selben Zeitraum erwirtschafteten globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). «Zunächst werden die Gewinne bei den Unternehmen landen, die das Ökosystem entwickeln, also den Telekommunikationsausrüstern wie Huawei, Nokia und Ericsson sowie Chip-Herstellern wie Qualcomm», erklärt Thomas Coudry, Analyst für den Bereich Telekommunikation bei der Investmentbank Bryan, Garnier & Co. «Mittelfristig werden dann allerdings die Abnehmerindustrien wie die Automobilbranche, der Energiesektor oder das Internet der Dinge profitieren», erklärt der Experte.

SCHWEIZER PILOTPROJEKT

In der Schweiz dürfte 5G bis 2030 bis zu 137’000 neue Stellen schaffen und für eine Produktionssteigerung von bis zu 42,4 Mrd. Franken sorgen. Zu diesem Schluss kommt eine im Februar 2019 veröffentlichte Studie des Schweizerischen Verbands der Telekommunikation (Asut), des wichtigsten Lobbyverbands der Branche. Am stärksten wird sicherlich die verarbeitende Industrie von dieser Entwicklung profitieren – mit einer Produktionssteigerung von 10 Mrd. Franken und zusätzlichen 20’600 Arbeitsplätzen bis 2030.

 

«5G ist ein wichtiger Faktor für die vierte industrielle Revolution: die künstliche Intelligenz»

Simon Michel, CEO der Gruppe Ypsomed

 

Im Rahmen eines Pilotversuchs, den die auf Injektionssysteme spezialisierte Schweizer Firma Ypsomed zusammen mit Swisscom seit dem Frühjahr 2017 durchführt, wurde eine Produktionslinie mit 5G automatisiert. Die im März 2018 veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass der Einsatz der Technologie die Produktivität steigerte. «5G ist ein ausschlaggebender Faktor in der vierten industriellen Revolution, weil dadurch die künstliche Intelligenz ins Spiel kommt. Ohne sie ist eine intelligente Produktion nicht möglich », erklärt Simon Michel, CEO des Ypsomed-Konzerns.

Das heisst auch: Ein zu spätes Handeln wirkt sich Wirtschaftskreisen zufolge sehr negativ aus. Den 5G-Netzausbau in der Schweiz um weitere drei Jahre zu verschieben, könnte, wie der Asut ebenfalls feststellt, das von dieser Technologie angeschobene Wachstum um 10 Mrd. Franken drosseln und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verringern.

KANTONE STEHEN AUF DER BREMSE

Bislang ist die Schweiz beim Thema 5G in Europa führend. Sunrise und Swisscom haben Mitte April ihr 5G-Netz an fast 150 Standorten gestartet, was die Schweiz zu einem der fünf Pionierländer auf dem Gebiet macht. Doch der Wind scheint sich zu drehen. Wegen wachsender Bedenken in der Bevölkerung haben mehrere Kantone – Waadt, Genf und Jura – Moratorien verhängt, um den Bau neuer Antennen zu verhindern, und damit den Ausbau des 5G-Netzes de facto gestoppt, bis mehr über die Folgen der Technologie für die Gesundheit bekannt ist. «Wir führen das Feld momentan an», so Philippe Horisberger. «Das ist kein guter Moment, die Bremse zu betätigen, wenn wir im Rennen bleiben wollen.»

Eine Sorge, die Jean-Pierre Bienaimé, Generalsekretär der 5G Infrastructure Association (5G-IA) aus Brüssel, auf den Punkt bringt: «5G wird immer besser werden. Europa wird weit abgeschlagen sein, wenn es bis 2022 nicht so weit ist, oder anders gesagt, wenn es den Anschluss an das, was ich das wahre 5G nenne, verpasst.»

Denn das erste 5G, das derzeit nur in einer Handvoll Länder verfügbar ist, ist nur eine sogenannte «Non-stand-alone»-Version, die einen 4G-Unterbau nutzt. Heisst im Ergebnis: «Man kann eher von 4G++ als von 5G sprechen», sagt Jean- Pierre Bienaimé. In der Schweiz dürfte das 5G-Netz bis Ende 2020 Geschwindigkeiten von zwei Gigabit pro Sekunde ermöglichen, also in etwa das Doppelte von dem, was mit dem besten 4G-Standard möglich ist. Das reicht zwar aus, um Filme besser auf dem Smartphone zu streamen, aber sicher nicht, um die Industrie zu revolutionieren. «Wir sind noch weit von dem Zeithorizont entfernt, in dem wir das Potenzial von 5G ganz ausschöpfen könnten», bestätigt Thomas Coudry, Analyst im Bereich Telekommunikation bei der Investmentbank Bryan, Garnier & Co. «Kurzfristig liegt das Hauptinteresse der Netzbetreiber an der Technologie darin, die gestiegenen Datenvolumina zu bewältigen. Und das bei geringeren Betriebskosten als beim 4G-Standard. Manche behaupten, dass sich die Kosten pro Gigabit halbieren. Neue Anwendungen werden erst 2022/2023 auf den Markt kommen.»

KONKURRIERENDE NETZE

Doch noch ist der flächendeckende Einsatz der Technologie keine beschlossene Sache. Denn es gibt Alternativen: «Das Internet der Dinge hat sich auch schon vor 5G entwickelt», gibt Julien Leegenhoek, Analyst bei der UBP, zu bedenken. «Es liegt ganz im Interesse der Netzbetreiber, den neuen Standard als revolutionär anzupreisen und viele neue Anwendungen zu versprechen. Doch es gibt auch konkurrierende Netze, vor allem das WLAN.»

 

«Das Internet der Dinge hat nicht bis 5G gewartet, um sich zu entwickeln»

Julien Leegenhoek, Analyst für Technologieaktien bei UBP

 

Während also die Befürworter des 5G-Standards schon das Ende des WLAN sehen, glauben nicht alle Experten an dieses Szenario, vor allem aufgrund der unerschwinglichen Implementierungskosten, die mit der 5G-Technologie einhergehen. «Schlussendlich ist es wahrscheinlich, dass mehrere Standards, darunter 5G und WLAN, sich den Markt der vernetzten Objekte teilen werden», meint Julien Leegenhoek. Die sechste Generation des WLAN (802.11ax), die ab Ende 2019 kommen soll, verspricht übrigens eine Geschwindigkeit von mehreren Gigabit – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Industrie.

Vernetzte Objekte wiederum nutzen zurzeit konkurrierende Technologien wie Bluetooth, das LoRaWan-Protokoll oder WLAN. Und es ist auch hier längst nicht ausgemacht, dass 5G sie alle verdrängen wird. «In Wirklichkeit weiss keiner, welche Technologie sich für welchen Zweck durchsetzen wird», sagt Thomas Coudry von Bryan, Garnier & Co. «Auch weil man sich jetzt noch nicht vorstellen kann, welche Dienste dadurch in Zukunft entstehen sollen.»

Eine Meinung, die Philippe Horisberger vom BAKOM teilt: «Als 2004 der 3G-Standard kam, wusste keiner so richtig, wozu die Technologie wirklich da sein sollte. Und dann brachte Apple seine berühmten Apps auf den Markt und das mobile Internet feierte einen enormen Erfolg. Genauso wird es mit 5G sein. 5G wird zu einem sprunghaften Anstieg von Innovationen und bislang noch unbekannten Anwendungen führen.»

 

«5G IST STABILER ALS WLAN»

Urs Lehner, Mitglied der Geschäftsführung bei Swisscom und verantwortlich für den Bereich «Enterprise Customers», über die Vorteile von 5G für Unternehmen.

Seit 2018 führt Swisscom zusammen mit dem Berner Unternehmen Ypsomed, das Insulin- Pens für Diabetiker herstellt, ein Pilotprojekt zur industriellen Nutzung von 5G durch. Kern des Projekts sind die Digitalisierung und die Echtzeit-Rückverfolgung von Waren in Produktionsprozessen. Swissquote Magazine hat darüber mit Urs Lehner gesprochen.

Was genau bringt 5G einem Unternehmen wie Ypsomed?

Zunächst einmal ist 5G ganz flexibel einsetzbar und einfach zu installieren. Im Vergleich zum Glasfaserkabel muss es nicht erst mit grossem Aufwand verlegt und konfiguriert werden. Dazu kommt, dass in einer Produktionsumgebung mit 5G-Netz die Software nicht mehr auf den Maschinen im Unternehmen selbst läuft, sondern virtuell auf der sogenannten Mobile Edge Cloud gehostet wird. Daher beschränkt sich unser Angebot für die Unternehmen nicht auf die blosse Bereitstellung des 5G-Netzes: Wir bieten einen massgeschneiderten IT-Service. Das spart Kosten bei Hardware und Software wie auch bei der Wartung.

Inwiefern ist 5G besser als WLAN, das ja bei den meisten Unternehmen vorhanden ist?

WLAN erreicht nicht dieselbe Stabilität in der Bandbreite. Hier verbessert 5G die Leistung, da wir eine perfekt gleichbleibende Übertragungsrate garantieren können. In vielen kritischen Industrien ist das ein wesentliches Kriterium. Denken Sie nur an die Telechirurgie. Der andere grosse Vorteil, den 5G im Vergleich zu WLAN bietet, ist die Latenzzeit (Anm. d. Red.: die zeitliche Verzögerung zwischen Versand und Empfang einer Information), die nur wenige Millisekunden beträgt. Auch das ist ein entscheidender Vorteil, vor allem, wenn man Millionen Daten in Echtzeit verarbeiten will.

Für welche Unternehmen sind diese Technologien interessant? Arbeiten Sie noch mit anderen Schweizer Firmen zusammen?

Wir führen derzeit ein Dutzend Projekte mit grossen Unternehmen durch, aus der Pharmabranche, der Logistik oder aus dem Einzelhandel. Aus Geheimhaltungsgründen dürfen wir noch keine Namen nennen. Ab Herbst werden wir dazu aber weitere Informationen herausgeben können. Im Bereich Service public untersuchen wir das Nutzungspotenzial von 5G für die Polizei, die Armee oder auch die SBB. Wir arbeiten ausserdem am Bauprojekt eines neuen Kantonsspitals in Aarau mit, das mit 5G-Technik ausgestattet werden soll. Das Gebäude wird voraussichtlich 2023 eröffnet.

 
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