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Wie Gefährlich ist 5G?

Die ultravernetzte Zukunft, die der 5G-Standard verspricht, stösst auf immer mehr Kritik.
Manche befürchten, dass die Technologie krank machen könnte. Wir haben recherchiert, was die Wissenschaft dazu sagt.

Es ist Freitag, der 10. Mai, und rund 1000 Menschen, die dem Aufruf der Bürgerbewegung «Stop 5G» gefolgt sind, ziehen in einer Demonstration am Bundeshaus vorbei über den Waisenhausplatz in Bern. Ihre Forderung: ein sofortiges Moratorium für den Bau von 5G-Antennen. Es ist nicht die erste Demonstration gegen 5G, und sie zeigt erneut, welches Ausmass die Protestwelle gegen den neusten Mobilfunkstandard in der Schweiz inzwischen angenommen hat. Bei Redaktionsschluss hatten 61’710 Personen die Petition «Gegen 5G» unterzeichnet. Eine Mitte April vom «Magazin L’Illustré» durchgeführte Umfrage ergab, dass 54 Prozent der Schweizer befürchten, 5G - Wellen seien gesundheitsschädlich.

Die Betreiber weisen die Bedenken weit von sich: «Das hatten wir schon einmal», erklärte Swisscom-CEO Urs Schaeppi bei einer Pressekonferenz am 10. April. «Bei 3G haben sich einige dieselbe Frage gestellt. Und es konnte keinerlei Gefährdung für die Gesundheit nachgewiesen werden.» In diese Richtung äusserte sich auch Sunrise-Chef Olaf Swantee gegenüber Swissquote Magazine. Mit anderen Worten: alles schon mal da gewesen! «Die Netzbetreiber wollen uns glauben machen, dass 5G keinerlei Risiken birgt, dass es dasselbe sei wie 3G oder 4G. Das stimmt aber nicht», protestiert Olivier Bodenmann, ein Ingenieur aus dem Waadtland, der sich stark in der Stop-5G-Bewegung engagiert. «Die Technologie ist noch nie getestet worden. Die Bevölkerung wird also gegen ihren Willen als ein Versuchskaninchen missbraucht.»

 

In den letzten 30 Jahren wurden 25’000 wissenschaftliche Beiträge über die Auswirkungen von Mobilfunkfrequenzen publiziert

 

Um den Unmut zu besänftigen, gab der Bund im September 2018 beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Studie über die «Risiken im Zusammenhang mit dem Ausbau der 5G-Netze» in Auftrag. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. «Trotzdem ist es doch seltsam, Nachforschungen erst dann anzustellen, wenn die Anbieter 5G schon längst gestartet haben und das Netz von Tag zu Tag wächst.

Hätte man die möglichen Folgen nicht vorher untersuchen müssen?», hakt Olivier Bodenmann nach. «Darüber hinaus ist die Neutralität des Bundes zweifelhaft, da er die 5G-Frequenzen schliesslich an die Netzbetreiber verkauft hat.»

Was ist dran an den Sorgen? In den letzten 30 Jahren wurden mehr als 25’000 wissenschaftliche Beiträge über die Auswirkungen von Mobilfunkfrequenzen publiziert. «Manch einer mag diesen Forschungsumfang als unzureichend empfinden, Tatsache ist aber, dass wir auf dem Gebiet inzwischen über mehr wissenschaftliche Erkenntnisse verfügen als bei den meisten Chemieprodukten», schreibt die WHO und bestätigt gleich anschliessend: «Bisher konnten keinerlei unerwünschte gesundheitliche Effekte durch Langzeitexposition gegenüber Funkstrahlung bestätigt werden.»

Eine Feststellung, die die Gegner nicht akzeptieren, die ihrerseits mehrere Studien anführen, von denen einige erwähnenswert sind. So publizierte das US-amerikanische National Toxicology Program (NTP) im November 2018 beispielsweise die Ergebnisse einer Studie, die mit einer Dauer von fast zehn Jahren und Kosten von rund 30 Mio. Dollar als die bislang umfangreichste gilt.

In der Untersuchung konnte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Hirntumoren bei männlichen Ratten nachgewiesen werden, die Funkfrequenzen von 900 Megahertz ausgesetzt waren, wie sie bei 2G und 3G genutzt werden.

Erstaunlicherweise blieben die weiblichen Tiere allerdings verschont. Noch verblüffender ist, dass die bestrahlten männlichen Ratten eine höhere Lebenserwartung aufwiesen als die Kontrollgruppe. «Wir gehen in der Tat davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Funkstrahlung und den Tumoren der männlichen Ratten gibt», schreiben die Autoren. «Die Ergebnisse lassen sich aber nicht auf den Menschen übertragen, da die Versuchstiere der Strahlung am ganzen Körper ausgesetzt waren, was bei der Benutzung eines Telefons nicht der Fall ist.»

Eine der umfassendsten Studien am Menschen, die sogenannte Interphone- Studie, wurde 2010 im «International Journal of Epidemiology» veröffentlicht. Sie zeigte auch bei einer Langzeitnutzung eines Mobiltelefons über zehn Jahre kein erhöhtes Tumorrisiko. Ein Teil der Daten wies zwar auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei intensiver Handynutzung hin. Doch aufgrund von Verzerrungen und Designfehlern lassen sich daraus keine endgültigen Schlussfolgerungen ableiten.

Daraufhin empfahl die WHO, die Strahlenexposition zu begrenzen, und stufte Funkwellen 2011 als «potenziell krebserregend für Menschen» ein. Andererseits stellte sie fest, «dass für keine Krebsart eine signifikante Erhöhung des Risikos bei Erwachsenen oder Kindern nachweisbar war.»

 

Im Moment verfügt der Bund noch über keinerlei Messsystem für 5G-Wellen

 

Ist 5G anders, also schädlicher als die vorhergehenden Standards? «Die in der Schweiz vergebenen Frequenzen sind vergleichbar mit denen des 4G-Standards», erinnert der Physiker Pierre Zweiacker, Autor des Buchs «Vivre dans les champs électromagnétiques » und ehemaliger Leiter des Hochspannungs- und EMV-Labors an der EPFL. «So gesehen ändert sich nicht viel an der bisherigen Situation. 5G wird also nicht gefährlicher sein als 4G.»

Tatsächlich decken die bisher in der Schweiz genutzten Mobilfunkfrequenzen (2G, 3G und 4G) einen Bereich von 800 bis 2’600 Megahertz ab. Mit 5G erweitert sich das Spektrum geringfügig auf 700 bis 3’600 Megahertz. Es handelt sich aber um bekannte Frequenzen, da im WLAN bis zu 5’000 Megahertz genutzt werden.

Allerdings dürfte sich das ändern. Denn mit dem aktuellen Frequenzbereich kann 5G maximal eine Geschwindigkeit von zwei Gigabit pro Sekunde erreichen. Die Befürworter der Technologie haben aber Übertragungsraten von zehn bis 30 Gigabit pro Sekunde versprochen. Dafür wird man «langfristig einen noch grösseren Frequenzbereich (bis in den zweistelligen Gigahertz-Bereich), die sogenannten Millimeterwellen, brauchen», schrieb der Bund in einem an die Kantone gerichteten Brief am 17. April 2019. Auch wenn es dafür noch keinen Stichtag gibt, beunruhigt diese Aussicht. «Millimeterwellen- Frequenzen sind im Bereich der Telefonie weitgehend unbekannt », räumt Pierre Zweiacker ein. Ihre Unbedenklichkeit muss also in neuen Studien nachgewiesen werden, auch wenn dieselben Frequenzen bereits für andere Technologien wie Radar- oder Funknavigationssysteme verwendet werden.

Ein anderes Problem sehen die 5GGegner in der Anzahl der Antennen. Derzeit sind knapp 35’000 Basisstationen auf rund 19’000 Standorte in der Schweiz verteilt, auf 230 Einwohner kommt also eine Station. «Mit 5G dürfte diese Zahl steigen, denn je höher die Wellenfrequenz, desto geringer die Reichweite», erklärt Pierre Zweiacker. «Die gesetzlichen Grenzwerte bleiben davon aber unberührt. Die Strahlenbelastung wird also weiterhin unter den Empfehlungen liegen.»

Die 1999 in Kraft getretene Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) legt einen Anlagegrenzwert von vier bis sechs Volt pro Meter (V/m) fest bzw. einen Grenzwert für die Immission, also für die Strahlenbelastung des Menschen, von 28 bis 61 V/m, je nach Sendefrequenz. Seit Jahren betreiben die Anbieter intensive Lobbyarbeit, um diese Grenzwerte anzuheben. Bisher ohne Erfolg.

Eine weitere Frage drängt sich auf: Im Moment verfügt der Bund noch über keinerlei Messsystem für 5G-Wellen. Das liegt vor allem daran, dass man künftig adaptive Antennen verwenden will, die Strahlen gezielt auf die Nutzer richten sollen, statt wie die bisherigen Antennen in alle Richtungen zu strahlen. Wie soll man unter diesen Bedingungen garantieren, dass die erlaubten Grenzwerte nicht überschritten werden? «Man weiss zwar nicht, wie man die Strahlung der Antennen messen kann, installiert sie aber trotzdem – das ist schon bemerkenswert », meint Olivier Bodenmann. «Ich habe Angst, dass man die Messverfahren einfach so anpasst, dass 5G im gesetzlich festgelegten Rahmen bleibt.» In seinem Brief an die Kantone beschwichtigte der Bund: «Schon bei der Einführung von 3G (UMTS) und 4G (LTE) konnten Messverfahren erst nach der Inbetriebnahme der Technologien entwickelt werden, es hat jedes Mal mehrere Monate gedauert.»

Möglicherweise liegen die Gründe für die Empörung auch noch woanders: «Ich bin nicht gegen die Technologie », erklärt Olivier Bodenmann. «Aber warum muss immer alles noch schneller werden? 4G ist für die Mehrheit der Bevölkerung vollkommen ausreichend. 5G wurde nur erfunden, damit wir mehr konsumieren, uns neue Smartphones oder vernetzte Objekte zulegen ohne einen Gedanken an die Folgen der Strahlung für die Gesundheit zu verschwenden. Das macht keinen Sinn.»

 
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