Dossier

25 Hoffnungsträger aus Europa

In einer Zeit, in der digitale Technologien die Welt beherrschen, kann sich Europa nicht mehr auf schlüsselfertige Dienstleistungen der Amerikaner verlassen. Aber es gibt zahlreiche Unternehmen, die bereit sind, die Herausforderung anzunehmen. Hier eine Auswahl.

Bertrand Beauté

  • Gründung: 2006
  • Hauptsitz: Amsterdam (NL)
  • Umsatz: EUR 684.2 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1700
  • Stock Exchange:

Mit 57 Mrd. Euro ist der Börsenwert von Adyen doppelt so hoch wie der der Credit Suisse. Eine respektable Leistung für ein 2006 gegründetes Unternehmen. Der Spezialist für Bezahlsysteme profitiert von der Digitalisierung der Gesellschaft, die viele unterschiedliche Bezahlmethoden mit sich bringt: Bankkarten, Wallets (Apple Pay, WeChat Pay) und Pay by Link, ein Tool, mit dem man Kunden per E-Mail, Chat oder SMS einen sicheren Zahlungslink senden kann. Um all diese Systeme zu beherrschen, wenden sich Händler an Spezialisten wie Adyen für das sogenannte Omnichannel-Payment.

  • Gründung: 1999
  • Hauptsitz: Posen (PL)
  • Umsatz: EUR 898 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 3150
  • Stock Exchange:

Für die polnischen Investoren war es das Ereignis des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts: Am 12. Oktober 2020 debütierte der Online-Shopping-Spezialist Allegro an der Warschauer Börse und setzte sich auf Anhieb an die Spitze des Index WIG20, in dem die 20 grössten lokalen Marktkapitalisierungen gelistet sind. Allegro wurde 1999 in einem Keller in Posen gegründet und kontrolliert heute fast 50 Prozent des Onlinehandels im Land. Sein Umsatz ist zwar im Vergleich zu dem amerikanischer oder chinesischer Giganten eher lächerlich (2020: 3,997 Mrd. Zloty, das sind rund 900 Mio. Euro). Doch für eine Firma, die nur in einem Land aktiv ist, ist er beachtlich. Allerdings kreuzte im März 2021 nach jahrelangem Zögern Amazon in Polen auf. Diese neue Konkurrenz könnte das bislang rasante Wachstum von Allegro (2020: +54,2 Prozent) bremsen.

  • Gründung: 1984
  • Hauptsitz: Veldhoven (NL)
  • Umsatz: EUR 14 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 28073
  • Stock Exchange:

Audi, Renault, Stellantis... Alle diese Autohersteller haben 2021 wegen des Halbleitermangels vorübergehende Schliessungen ihrer Fabriken angekündigt. Diese Krise verdeutlicht die Abhängigkeit der europäischen Industrie von den taiwanesischen Herstellern TSMC und UMC. Aber hinter diesen Giganten versteckt sich ein weiterer Riese, und der stammt aus Europa: ASML. Dieses wenig bekannte niederländische Unternehmen ist die grösste Erfolgsgeschichte in der europäischen Tech-Branche. Zum Vergleich: ASML ist an der Börse mehr wert als Volkswagen, Siemens oder Novartis. Das Unternehmen ist weltweit der einzige Hersteller von EUV-Maschinen (EUV steht für Extreme Ultra Violet), die von den besten Herstellern der Welt (TSMC, Intel, Samsung etc.) eingesetzt werden. Der Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Halbleitern kommt ASML somit voll zugute. 2020 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 14 Mrd. Euro, ein Plus von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie.

  • Gründung: 2012
  • Hauptsitz: München (DE)
  • Umsatz: EUR 2.830 MRD. (2019)
  • Beschäftigte: 4165
  • Stock Exchange:

Das 2012 gegründete Berliner Start-up Auto1 Group präsentiert sich als Europas grösste Online-Ver-kaufsplattform für Gebrauchtwagen. Nicht ohne Grund: Seit der Gründung hat Auto1 ein wahnsinniges Wachstum hingelegt. Zwischen 2014 und 2019 stieg der Umsatz von 128,5 Mio. auf 3,476 Mrd. Euro. Die Plattform, die Fahrzeuge von Privatpersonen kauft und an Gewerbetreibende in ganz Europa weiterverkauft, setzt auf künstliche Intelligenz, um die besten Angebote ausfindig zu machen. Das enorme Wachstum wurde allerdings durch die Pandemie gebremst, was dazu führte, dass der Umsatz 2020 um 18 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro zurückging. Doch die Anleger liessen sich nicht beirren: Im Februar 2021 gelang Auto1 ein spektakulärer Einzug an der Frankfurter Börse. Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie.

  • Gründung: 1988
  • Hauptsitz: Prag (CZ)
  • Umsatz: USD 922 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1700
  • Stock Exchange:

1988 war Privateigentum in der Tschechischen Republik verboten. Deshalb wurde Alwil damals als Genossenschaft gegründet, die später in Avast umbenannt wurde. Nach dem Mauerfall wandelte man 1991 die Genossenschaft in ein Unternehmen um, das sich auf Antivirensoftware spezialisierte. Avast war auf seinem lokalen Markt recht erfolgreich, als 2001 der zweite Wendepunkt in seiner Geschichte kam: Damals drängte der US-Antivirenprogrammhersteller Symantec auf den tschechischen Markt. Um zu überleben, änderte Avast komplett die Strategie und wählte ein Freemium-Modell: Seine Antiviren-programme wurden für die Allgemeinheit kostenlos, Firmen bezahlten jedoch für eine Premium-Version. Dank dieser visionären Entscheidung nimmt das Unternehmen Konkurrenten auf der ganzen Welt Marktanteile ab. Heute hat Avast laut Statistica mehr als 435 Millionen Nutzer und hält damit einen Anteil von 12,69 Prozent am weltweiten Markt für Windows-basierte Antivirensoftware, knapp hinter der Nummer eins Symantec (13,16 Prozent). Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie.

  • Gründung: 2001
  • Hauptsitz: Warrington (GB)
  • Umsatz: GBP 141.4 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1000
  • Stock Exchange:

Werden die Menschen bald von besonders repetitiven Computeraufgaben entlastet? Das ist das Ziel der britischen Deep-Tech-Firma Blue Prism. Das 2001 gegründete Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die als RPA (Robotic Process Automation) bezeichnet wird, ein Begriff, der inzwischen von der gesamten Branche übernommen wurde. RPA-Software ist in der Lage, die häufigsten menschlichen Eingriffe zu identifizieren und diese dann selbst zu reproduzieren – etwa in den Bereichen Finanzen, Versicherungen und Dienstleistungen. Unternehmen wie Pfizer, Coca-Cola oder Sony verwenden Softwareprogramme von Blue Prism. Der neu entstehende RPA-Markt soll laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der US-Marktforschungsfirma Grand View Research bis 2028 ein Volumen von 13,74 Mrd. Dollar erreichen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 32,8 Prozent entspräche.

Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie von Blue Prism, einem Pionier in diesem Bereich. Um sich durchzusetzen, muss sich das junge Unternehmen jedoch mit anderen Start-ups messen: Automation Anywhere (USA), Contextor (ein französisches Unternehmen, das 2018 vom deutschen Software-Riesen SAP aufgekauft wurde) und vor allem UiPath. Dieses in Rumänien gegründete Unternehmen hätte in dem Ranking ganz oben gestanden, wenn es nicht in die USA umgezogen wäre.

  • Gründung: 1994
  • Hauptsitz: Warschau (PL)
  • Umsatz: EUR 478 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1111
  • Stock Exchange:

Das nennt man Meisterleistung: Mitte der 2000er-Jahre entschied sich der kleine Publisher CD Projekt, die Rechte für die Videospielanpassung der Romansaga «The Witcher» des in Polen populären Schriftstellers Andrzej Sapkowski zu erwerben. Ein Glückstreffer. Denn es stellte sich ein internationaler Erfolg ein. Das Rollenspiel «The Witcher 3», das 2015 veröffentlicht wurde, verkaufte sich mehr als 30 Millionen Mal. Damit wurde CD Projekt zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für das Spitzenquartett der Videospielbranche (Ubisoft, Activision, Electronic Arts und Take-Two Interactive). Anstatt diesen Faden weiterzuspinnen, beschloss CD Projekt dann, sein Starspiel – und einziges Franchise – beiseitezulegen, um an einem neuen Projekt zu arbeiten. Das Ergebnis war «Cyberpunk 2077», das von Gamern am meisten erwartete Videospiel im Jahr 2020. Viele von ihnen waren jedoch enttäuscht, denn die Konsolenversion misslang. Ende 2020 entschied sich Sony sogar, den Blockbuster aus seinem PlayStation Store zu entfernen. Das kommt selten vor in dieser Branche. Seitdem hat der Aktienkurs von CD Projekt mehr als 60 Prozent seines Werts verloren (zwischen Dezember 2020 und Juni 2021). Die Analysten sind sich uneins über die künftige Vorgehensweise.

  • Gründung: 2013
  • Hauptsitz: Cambridge (UK)
  • Umsatz: USD 199.1 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1500
  • Stock Exchange:

Darktrace ist einer der Pioniere für die Anwendung von künstlicher Intelligenz in der Cybersicherheit. Hier geht es darum, unbekannte Computerangriffe auf autonome Weise zu neutralisieren – im Gegensatz zu Antivirenprogrammen und traditionellen Firewalls, die auf der Grundlage vergangener Ereignisse aufgebaut sind. Dieses Potenzial fand Microsoft sehr verlockend und schloss daher im vergangenen Mai eine Partnerschaft mit Darktrace, um seine Cloud-Dienste, insbesondere Microsoft 365 und Azure, abzusichern. Die Firma ging am 30. April 2021 an die Börse. Ihre Aktie wird inzwischen mit einem Kurs von rund 480 britischen Pfund gehandelt. Das ist fast doppelt so viel wie der Einführungskurs von 250 Pfund.

  • Gründung: 2013
  • Hauptsitz: London (GB)
  • Umsatz: GBP 4.1 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 2300
  • Stock Exchange:

Der Börsengang von Deliveroo sollte eine der Erfolgsgeschichten des Jahres werden. Leider hatte der Essenslieferdienst im März einen schlechten Start an der Londoner Börse: Der Aktienkurs sank am ersten Handelstag um mehr als 25 Prozent. Der Grund dafür? Soziale Auflagen bedrohen das Geschäftsmodell. Einige Länder, wie beispielsweise Spanien, haben Gesetze erlassen, die Auslieferungsfahrer zu Angestellten machen. Das ist eine schwere Bürde für ein Unternehmen, das 2020 noch ein Defizit von 9,6 Mio. britischen Pfund verbuchte. Um die Einnahmen zu steigern, will Deliveroo sich diversifizieren. So ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Einzelhandelsriesen Carrefour eingegangen, um die Lieferung von Konsumgütern in Frankreich, Belgien, Italien und Spanien anzubieten. Die Mehrheit der Analysten spricht eine «Hold»-Empfehlung aus.

  • Gründung: 2011
  • Hauptsitz: Berlin (DE)
  • Umsatz: €2.471 billion (2020)
  • Beschäftigte: 35528
  • Stock Exchange:

Delivery Hero ist einer der grossen Gewinner der Pandemie. Der Spezialist für Essenslieferungen konnte im Jahr 2020 seinen Umsatz auf 2,8 Mrd. Euro verdoppeln (+95 Prozent). Im Vergleich zur Konkurrenz (Uber Eats, Deliveroo, TakeAway) zeichnet sich das Unternehmen durch starke Präsenz in Schwellenländern aus: 2020 wurden 257,4 Mio. Euro des Umsatzes in Südamerika erzielt, 386,3 Mio. Euro im Nahen Osten und in Asien 667,7 Mio. Euro. Wird der Wettbewerb zu hart, verlässt der Lieferdienst reife Märkte. So hat er sich aus Deutschland (dem Heimatland), Italien, den Niederlanden, Frankreich und Australien zurückgezogen. Diese Strategie kommt bei Analysten gut an: Sie empfehlen mehrheitlich den Kauf der Aktie. Allerdings war Delivery seit seiner Gründung 2011 noch nie profitabel. 2020 belief sich der Nettoverlust auf 1,4 Mrd. Euro.

  • Gründung: 1876
  • Hauptsitz: Stockholm (SE)
  • Umsatz: EUR 23 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 100000
  • Stock Exchange:

Die Rückschläge von Huawei, dessen 5G-Infrastruktur in mehreren Ländern, unter anderem in den USA und Grossbritannien, verboten ist, kurbeln Ericssons Geschäft an. In der Tat haben mehrere Betreiber, beispielsweise Telefónica in Deutschland, British Telecom in Grossbritannien und Bell in Kanada, das chinesische Unternehmen zugunsten des schwedischen Telekommunikationsausrüsters verlassen. Die Folge: Laut Dell’Oro hält Ericsson jetzt 35 Prozent des weltweiten 5G-Markts (ohne China), klar vor Nokia (25 Prozent) und Huawei (20 Prozent). Die Mehrheit der Analysten empfiehlt den Kauf der Aktie.

  • Gründung: 1992
  • Hauptsitz: Stockholm (SE)
  • Umsatz: EUR 3.764 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 20000
  • Stock Exchange:

«Data is in Hexagon’s DNA» – die Werbung auf der Website von Hexagon gibt gleich den Ton an: Das schwedische Unternehmen ist ein Spezialist in Sachen Daten. Aber nicht irgendwelchen, sondern Branchendaten. Hexagon entwickelt zahlreiche Sensoren und die dazugehörige Software für die Fabrikautomation (Industrie 4.0), aber auch für die Entwicklung von intelligenten Städten (Smart Citys). Zu den bisherigen Aktivitäten kamen in den letzten Jahren Machine Learning und künstliche Intelligenz hinzu. Hexagon arbeitet für Autohersteller wie Daimler, Volkswagen und PSA (jetzt Stellantis). Die Mehrheit der Analysten spricht eine «Hold»-Empfehlung aus.

  • Gründung: 2000
  • Hauptsitz: Amsterdam (NL)
  • Umsatz: EUR 2.4 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 9000
  • Stock Exchange:

Heisshunger: Nach der Fusion mit dem britischen Konkurrenten Just Eat im Jahr 2019 hat der Essenslieferdienst Takeaway.com 2020 seinen amerikanischen Rivalen Grubhub für 7,3 Mrd. Dollar geschluckt. Dadurch will das Unternehmen jetzt «die weltweite Nummer eins der Online-Essenslieferdienste» ausserhalb des chinesischen Marktes werden. Beflügelt durch die Corona-Krise lieferte Just Eat Takeaway letztes Jahr 588 Millionen Bestellungen aus, ein Plus von 42 Prozent gegenüber 2019. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt den Kauf des Titels.

  • Gründung: 2008
  • Hauptsitz: Montbonnot-Saint-Martin (FR)
  • Umsatz: EUR 1 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 100
  • Stock Exchange:

Kalray, ein Zwerg im Halbleiteruniversum, träumt davon, das Nvidia der Zukunft zu werden. Um den Durchbruch zu schaffen, setzt das französische Start-up auf die nächste Revolution in der Branche: auf eingebettete künstliche Intelligenz. Worum es geht? Derzeit wird künstliche Intelligenz in Rechenzentren gehostet, aber in Zukunft wird sie direkt in Objekten, etwa in autonomen Autos, untergebracht sein. Die neue Ära dieses «Edge Computing» erfordert spezifische Mikrochips. Nach der Herstellung mehrerer Prototypen startet Kalray dieses Jahr die Serienproduktion seines Edge-Computing-Prozessors. In den nächsten zwei Jahren will man 100’000 Stück verkaufen und 2022 einen Umsatz von 100 Mio. Euro erzielen. Auf dem Weg dorthin trifft Kalray auf den Branchenprimus Nvidia, aber auch auf Jungunternehmen wie die britische Firma Graphcore.

  • Gründung: 1981
  • Hauptsitz: Lausanne (CH)
  • Umsatz: USD 5.25 MRD. (2021)
  • Beschäftigte: 6000
  • Stock Exchange:

Der Schweizer Computerperipherie-Hersteller Logitech, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert, ist wahrscheinlich einer der grössten Gewinner der Gesundheitskrise. Das Unternehmen verzeichnete im Geschäftsjahr 2021, das am 31. März endete, einen Umsatzsprung von 74 Prozent. Dieses Ergebnis spiegelt die Pandemiesituation: Die Verbraucher haben mehr zu Hause gearbeitet und gespielt und sich entsprechend ausgestattet. «Fiscal Year 2021 was our best year ever», verkündete Logitech-CEO Bracken Darrell. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Analysten gehen davon aus, dass der Boom bei der Telearbeit und die Begeisterung für den E-Sport, einen Bereich, in dem Logitech gut positioniert ist, weit über die Krise hinaus anhalten werden.

  • Gründung: 1963
  • Hauptsitz: Munich (DE)
  • Umsatz: EUR 596.9 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 3000
  • Stock Exchange:

Der deutsche Verlag entwickelt eine Reihe von 3D-Visualisierungs-, -Modellierungs- und -Animations-programmen, die den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden abdeckt – genannt BIM für Building Information Modelling. Es wird im Bauwesen und bei öffentlichen Bauvorhaben immer beliebter. BIM ermöglicht den Austausch von Informationen zwischen den Gewerken und damit ein besseres Kostenmanagement. Nemetschek hat nach eigenen Angaben weltweit sechs Millionen Kunden. Die Mehrheit der Analysten rät zum Kauf der Aktie. Das Unternehmen dürfte von den Post-Corona-Konjunkturprogrammen profitieren.

  • Gründung: 1865
  • Hauptsitz: Espoo (FI)
  • Umsatz: EUR 21.9 MRD (2020)
  • Beschäftigte: 92000
  • Stock Exchange:

Die Pandemie hat Nokias Situation noch verschlimmert. Nach einem mickrigen Gewinn von sieben Mio. Euro im Jahr 2019 erlebte der finnische Mobiltelefonhersteller ein mühsames Jahr 2020 mit Verlusten von 2,4 Mrd. Euro. Angesichts der schwierigen Lage folgte die Schockbehandlung: Im März kündigte Nokia an, in den kommenden zwei Jahren 5’000 bis 10’000 Stellen zu streichen. Die weltweite Nummer drei bei 5G-Netzen hinkt den Rivalen Huawei und Ericsson hinterher. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt dennoch den Kauf des Titels, den sie derzeit für unterbewertet hält.

  • Gründung: 1972
  • Hauptsitz: Weinheim (DE)
  • Umsatz: EUR 27.34 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 102400
  • Stock Exchange:

Unter den Top 10 der weltweiten Cloud-Infrastrukturen gibt es nur einen europäischen Player: den deutschen Softwarehersteller SAP, der laut Synergy Research weit hinter den US-Giganten Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud auf Platz zehn liegt. SAP ist im Cloud-Computing vor allem im Bereich SaaS (Software as a Service) bekannt, in dem das Unternehmen hinter den Amerikanern Microsoft, Oracle und IBM weltweit an vierter Stelle steht. Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie des Unternehmens, das vom Cloud-Boom voraussichtlich profitieren wird: Der europäische Markt in diesem Sektor dürfte sich von 53 Mrd. Euro im Jahr 2020 auf 300 bis 500 Mrd. in den Jahren 2027 bis 2030 mehr als verfünffachen, so ein im Mai 2021 veröffentlichter Bericht von KPMG.

  • Gründung: 1968
  • Hauptsitz: Munich (DE)
  • Umsatz: EUR 1.207 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 3800
  • Stock Exchange:

Das Herzstück aller Mikrochips ist ein unverzichtbarer Rohstoff: Siliziumscheiben, die sogenannten Wafer. Deren Produktion liegt in den Händen einiger weniger Anbieter: Shin-Etsu und Sumco in Japan, GlobalWafers in Taiwan, SK Siltron in Korea und Siltronic in Deutschland. Diese fünf Unternehmen kontrollieren 90 Prozent des Markts, der auf 11,2 Mrd. Dollar geschätzt wird, wobei Siltronic einen Anteil von 13 Prozent besitzt. Die Analysten sprechen eine «Hold»-Empfehlung aus.

  • Gründung: 2006
  • Hauptsitz: Stockholm (SE)
  • Umsatz: EUR 7.88 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 6554
  • Stock Exchange:

In der Tech-Welt stuft man Unternehmen, die nach 2000 gegründet wurden und deren Börsenwert 50 Mrd. Dollar übersteigt, als «Titanen» ein. Eines der Probleme Europas besteht darin, dass es zu wenige Titanen hat, um es mit den amerikanischen oder chinesischen Giganten aufnehmen zu können. Spotify ist eine Ausnahme in dieser Kategorie. Im Juni 2020 wurde die schwedische Plattform zum ersten europäischen Titanen, dem sich inzwischen Adyen angeschlossen hat. Mittlerweile fiel die Bewertung zwar wieder unter die symbolische 50-Mrd.-Marke, aber Spotify kann sich dennoch rühmen, weltweit die Nummer 1 unter den Musik-Streaming-Anbietern zu sein, noch vor den Giganten Apple Music und Amazon Music. Ende 2020 hatte das schwedische Unternehmen nach eigenen Angaben 345 Millionen Nutzer (+27 Prozent in einem Jahr) und liegt damit weit vor Amazon Music und seinen 55 Millionen Abonnenten (Apple gibt seine Nutzerzahlen seit 2019 nicht mehr bekannt). Die schlechte Nachricht kommt von der Finanzseite: Spotify verbuchte im vergangenen Jahr einen Verlust von 581 Mio. Euro, gegenüber 186 Mio. im Vorjahr. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt dennoch den Kauf des Titels.

  • Gründung: 1987
  • Hauptsitz: Plan-les-Ouates (CH)
  • Umsatz: $10.22 billion
  • Beschäftigte: 46000
  • Stock Exchange:

Tesla, Apple, SpaceX – der französisch-italienische Meister des Mikrochipdesigns STMicroelectronics (ST) mit Sitz im Kanton Genf hat namhafte Kunden. Zudem profitiert ST vom aktuellen Umfeld, das durch eine erhöhte Nachfrage vor dem Hintergrund einer weltweiten Halbleiterknappheit gekennzeichnet ist. Im April 2021 verkündete die Firma, bereits in diesem Jahr, und damit zwei Jahre früher als geplant, einen Umsatz von zwölf Mrd. Dollar erreichen zu wollen. Das wäre ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2020. Die Analysten begrüssen diese Prognose und empfehlen den Kauf der Aktie.

  • Gründung: 2001
  • Hauptsitz: Paris (FR)
  • Umsatz: EUR 13.9 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 190
  • Stock Exchange:

Inspiriert von WhatsApp brachte Streamwide 2013 eine Lösung auf den Markt, die dem amerikanischen Instant-Messaging ähnelt, sich aber an Unternehmen richtet und den Fokus auf Datensicherheit legt. Die französische Firma vermarktet zwei Hauptanwendungen: das extrem sichere «Team on Mission», das zum Beispiel von der GIGN (der französischen Eliteeinheit des Militärs) eingesetzt wird, und «Team on the Run», das sich an traditionellere Kunden wie die EDF (Electricité de France) richtet. Beflügelt durch die Corona-Krise stieg der Aktienkurs des Unternehmens innerhalb von eineinhalb Jahren (zwischen Januar 2020 und Juni 2021) um mehr als 200 Prozent.

  • Gründung: 2005
  • Hauptsitz: Göppingen (DE)
  • Umsatz: EUR 460 MIO. (2020)
  • Beschäftigte: 1256
  • Stock Exchange:

Das an die Schweiz angrenzende deutsche Bundesland Baden-Württemberg ist bekannt dafür, dass dort einige der grössten Namen der deutschen Industrie, wie Mercedes-Benz, Porsche und Bosch, angesiedelt sind. Dort sitzt aber auch eine Firma, die man eher im Silicon Valley vermuten würde: TeamViewer. Das 2005 gegründete Unternehmen entwickelt Fernüberwachungsfunktionen, beispielsweise für die Organisation von Videokonferenzen oder die Überwachung von Industriestandorten. Diese Branche erlebte während der Pandemie einen phänomenalen Aufschwung. TeamViewer, das mehr als 1’880 Unternehmen zu seinen Kunden zählt, konnte seinen Umsatz 2020 um 42 Prozent steigern. Die Firma konkurriert mit Unternehmen wie Zoom für Videokonferenzen, Slack für Projektmanagement oder Chrome Remote Desktop (Google) für die Remote-Desktop-Funktion.

  • Gründung: 2004
  • Hauptsitz: Manchester (GB)
  • Umsatz: GBP 1.61 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 7000
  • Stock Exchange:

Im Pandemiejahr 2020 ist es The Hut Group (THG) gelungen, 10,7 Millionen Neukunden zu gewinnen. Das auf den Onlineverkauf von Kosmetika spezialisierte britische Unternehmen hat sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Akteur in der Beauty-Branche entwickelt. Die Gruppe bietet fast 1’000 Marken an, darunter L’Occitane, Nuxe, L’Oréal und MAC, aber auch eigene Produkte. Um ihr Angebot auszubauen, kaufte THG vielversprechende kleine Marken wie Eyeko (2018) und Illamasqua (2017).

  • Gründung: 2008
  • Hauptsitz: Berlin (DE)
  • Umsatz: EUR 7.982 MRD. (2020)
  • Beschäftigte: 14194
  • Stock Exchange:

Zalando kauft in der Schweiz ein: Im letzten Oktober gab der deutsche Online-Mode-Gigant die Übernahme des Zürcher Start-ups Fision bekannt, das auf virtuelle Umkleidekabinen spezialisiert ist. So werden die Instrumente der Plattform weiter verbessert, die 2020 mit einem Umsatz von acht Mrd. Euro (+23 Prozent) ein aussergewöhnliches Jahr erlebte. Beflügelt von der Corona-Krise hat Zalando ehrgeizige Pläne: Bis 2025 will man das Geschäftsvolumen auf 30 Mrd. Euro verdreifachen, um den Anteil am europäischen Online-Modemarkt von 2,4 auf 10 Prozent zu erhöhen. Zu diesem Zweck wird Zalando in diesem Jahr sechs neue Märkte erschliessen (Kroatien, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien), zwei weitere ein Jahr später (Ungarn und Rumänien). Und um dem Aufstieg des litauischen Einhorns Vinted (nicht börsenkotiert) zu begegnen, stieg Zalando Ende 2020 in den Handel mit Secondhand-Mode ein. Die meisten Analysten empfehlen den Kauf der Aktie.