Tech-Firmen, die uns immer wiedererkennen

Neben amerikanischen und chinesischen Tech-Konzernen gibt es noch zahlreiche andere Unternehmen, die biometrische Lösungen entwickeln. Hier eine Auswahl.

Bild: Hier wird die Iris einer Person im indischen Barpeta im Rahmen des Aadhaar-Projekts registriert. Die japanische Firma NEC war an dem Projekt beteiligt (August 2019).

Bertrand Beauté

  • Gründung: 1986
  • Hauptsitz: BEDFORD (US)
  • Umsatz: USD 16 MIO
  • Beschäftigte: 85
  • Stock Exchange:

Ende Juli verkündete das Miami Valley Regional Crime Laboratory, dass es sich zur Aufklärung von Verbrechen für die Biometriesoftware Aware ABIS (Automated Biometric Identification System) entschieden habe. Mit der Cloud-Software kann man Personen anhand ihrer Finger- oder Handabdrücke sowie per Gesichts- oder Iris-Erkennung identifizieren. Mit dem abgeschlossenen Vertrag kommen die Anwendungen von Aware nun in 26 der 50 US-Bundesstaaten zum Einsatz. Neben der Verwendung durch die Polizei wird die Aware-Software auch zur Identitätsüberprüfung an der Grenze oder für Zahlungsvorgänge und verschiedene Finanzdienstleistungen genutzt. Nach eigenen Angaben der Firma verwenden weltweit rund 100 Unternehmen und 80 Regierungsstellen die Software von Aware. Im ersten Halbjahr des Jahres 2023 verzeichnete das Unternehmen allerdings einen Einnahmerückgang auf 7,49 Mio. Dollar gegenüber 8,93 Mio. Dollar im Vorjahr (-16 Prozent). Ein Rückgang, der mit den geringeren Verkäufen von Software-Lizenzen zusammenhängt, während die wiederkehrenden Einnahmen aus der Wartung der bereits verkauften Software nahezu konstant blieben. Aware gibt keinen Grund für diesen Umsatzrückgang an. Man ist vielmehr der Ansicht, dass dieser Einbruch nur vorübergehend sei. Das Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr 2023 im Vergleich zu 2022 ein Umsatzplus von 15 Prozent.

  • Gründung: 1993
  • Hauptsitz: DELAWARE (US)
  • Umsatz: USD 7 MIO
  • Beschäftigte: 50
  • Stock Exchange:

Passwörter überflüssig machen – dieser Aufgabe hat sich das kleine US-Unternehmen Bio-Key verschrieben. Aus Sicherheitsgründen verlangen zahlreiche Unternehmen von ihren Mitarbeitenden, dass sie regelmässig ihr Passwort ändern. Dies ist mühsam und kann sich als kontraproduktiv erweisen. Da man sich die sich ständig ändernden Passwörter nur schwer merken kann, werden sie häufig aufgeschrieben und die Zettel neben dem Computer liegen gelassen oder sogar vergessen. Das Helpdesk muss dann jeweils um ein neues Kennwort gebeten werden. Um dieses Problem zu beheben, hat Bio-Key Fingerabdrucklesegeräte entwickelt, die direkt an den Computer angeschlossen werden.

So sind keine Passwörter mehr nötig. Zu den Kunden des Unternehmens zählen auch öffentliche Verwaltungen wie die Stadt Sacramento, Schulen (Unity College) und Geldinstitute wie die First National Bank of Long Island. Im Jahr 2022 schnellte der Umsatz von Bio-Key im Vergleich zu 2021 um 37 Prozent auf sieben Mio. Dollar. Der einzige Analyst, der das Unternehmen beobachtet, empfiehlt den Kauf des Titels.

  • Gründung: 1997
  • Hauptsitz: GÖTEBORG (SE)
  • Umsatz: SEK 861.8 MIO
  • Beschäftigte: 200
  • Stock Exchange:

Nur wenige kennen das schwedische Unternehmen Fingerprint Cards. Dabei legen tagtäglich Milliarden Menschen ihren Finger auf einen Sensor dieser Marke. Denn Fingerprints entwickelt umfassende biometrische Systeme, zu denen Fingerabdrucklesegeräte, Microcontroller Units (MCUs), Algorithmen und Software gehören. Diese Produkte werden dann in Smartphones und Tablets integriert, insbesondere in jene der Marken Xiaomi, Huawei, Motorola und Google, sowie in Computer von Lenovo, Acer oder Asus. Insgesamt weisen mehr als 700 weltweit verkaufte Smartphone- und Tabletmodelle einen von Fingerprint Cards hergestellten Sensor auf.

Der Absatzrückgang von Smartphones weltweit um 11,3 Prozent im Jahr 2022 auf 1,2 Milliarden Einheiten, im Vergleich zu 1,39 Milliarden ein Jahr zuvor, hatte katastrophale Auswirkungen auf den Umsatz von Fingerprints. Im vergangenen Jahr lag dieser bei 861,8 Mio. schwedischen Kronen, im Vergleich zu 1,356 Mrd. im Jahr 2021 (-36 Prozent). Um seine Abhängigkeit vom Sektor für elektronische Endverbrauchergeräte zu verringern, versucht sich Fingerprints in der Diversifizierung seines Portfolios, insbesondere im Bereich der Zahlungen per Fingerabdruck. Zehn Banken weltweit haben bereits einen Service für Zahlungen per Fingerabdruck auf der Grundlage der Systeme des schwedischen Unternehmens eingeführt. 24 weitere führen aktuell Tests durch, darunter BNP Paribas, die Royal Bank of Scotland und die Bank Pocztowy.

  • Gründung: 1996
  • Hauptsitz: OSLO (NO)
  • Umsatz: USD 4.1 MIO
  • Beschäftigte: 100
  • Stock Exchange:

Seit Corona ist es zur Gewohnheit geworden: Wenn man in einem Geschäft bezahlt, gibt man meistens nicht mehr seinen PIN-Code ein. Man hält einfach seine Kreditkarte an das Terminal, und der Vorgang wird automatisch durchgeführt. Doch auch wenn das kontaktlose Bezahlen in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist, bringt es auch Sicherheitsprobleme mit sich. Denn jeder kann mit der Karte einer anderen Person kontaktlos bezahlen. Um dieses Problem zu lösen, hat das kleine norwegische Unternehmen Idex Biometrics einen Fingerabdrucksensor entwickelt, der in die Zahlungskarten integriert ist. Konkret heisst das: Um kontaktlos zu bezahlen, muss man gleichzeitig seinen Finger auf den Sensor legen, um formell authentifiziert zu werden. Wenn der Finger des Besitzers nicht aufgelegt ist, kann die Zahlung nicht vollzogen werden. Mehr als 20 Hersteller von Zahlungskarten weltweit, was 2,5 Milliarden Karten entspricht, arbeiten aktuell an der Entwicklung biometrischer Zahlungskarten. Zwölf von ihnen, was einer Milliarde Karten entspricht, haben sich für die Technologie von Idex Biometrics entschieden.

Zu ihnen zählen der japanische Konzern Toshiba, Idemia aus Frankreich und Tag Systems aus Österreich. Derzeit haben neun Banken weltweit biometrische Zahlungskarten mit der Technologie von Idex offiziell eingeführt, insbesondere Sella aus Italien, Rocker aus Schweden und die First Abu Dhabi Bank (Vereinigte Arabische Emirate). Dieser Markt steckt zwar noch in den Kinderschuhen, verzeichnet jedoch ein umfassendes Wachstum. In den ersten sechs Monaten des Jahres verzeichnete Idex ein Einnahmenplus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

  • Gründung: 1899
  • Hauptsitz: TOKYO (JP)
  • Umsatz: USD 27.02 MRD
  • Beschäftigte: 117,000
  • Stock Exchange:

Die Analysefirma Frost & Sullivan hat die NEC Corporation im Februar 2023 zum zweiten Mal in Folge als Weltmarktführer für biometrische Authentifizierungslösungen bewertet. Der Mischkonzern aus Japan beherrscht die gesamte Wertschöpfungskette – von den Sensoren bis zur Software – bei sechs verschiedenen biometrischen Authentifizierungssystemen: Gesichtserkennung, Iris-Erkennung, Erkennung der Fingerabdrücke und der Handfläche, Spracherkennung und Authentifizierung mit dem Gehör. So deckt es den gesamten Markt ab.

Zu den wichtigsten Vorhaben von NEC in diesem Bereich gehört die Beteiligung am weltweit grössten multibiometrischen Identifizierungsprogramm, dem Aadhaar-Projekt in Indien. Das Programm wurde 2010 ins Leben gerufen und soll 1,4 Milliarden Inderinnen und Indern (17 Prozent der Weltbevölkerung!) eine einzigartige zwölfstellige Identitätsnummer verleihen. Und dies in einem Land, in dem die meisten Einwohner bislang gar keinen Ausweis haben. Bevor man diese Nummer jedoch bei der Eröffnung eines Bankkontos erhält, muss man drei biometrische Daten abgeben: die zehn Fingerabdrücke der Hände, beide Iris und ein Foto im Porträtformat. Die Kosten für dieses enorme Vorhaben werden auf 1,4 Mrd. Dollar geschätzt. Diese teilen sich hauptsächlich zwei Unternehmen: Safran aus Frankreich, das 75 Prozent der Registrierungen über seine Tochterunternehmen Safran Identity & Security und L1 übernimmt, und NEC, das sich um das restliche Viertel der Bevölkerung kümmert. Nahezu die gesamte Bevölkerung Indiens besitzt zwar mittlerweile eine Aadhaar Card, das Programm ist jedoch umstritten. Widerstand regte sich, als die indische Regierung im Rahmen einer Ausschreibung die Einführung eines Gesichtserkennungssystems vergeben wollte, das die riesige Datenbank von Aadhaar, in der die Gesichter der gesamten Bevölkerung gespeichert sind, mit dem nationalen Netzwerk an Überwachungskameras verbinden soll.

  • Gründung: 2014
  • Hauptsitz: HONG KONG (CN)
  • Umsatz: CNY 3.81 MRD
  • Beschäftigte: 5,000
  • Stock Exchange:

«SenseTime is watching you!» Wenn sämtliche Ängste in Bezug auf die Biometrie sich auf ein einziges Unternehmen konzentrieren sollten, dann vielleicht auf das chinesische Unternehmen Sense-Time. Das 2014 gegründete Unternehmen entwickelt Anwendungen für die Gesichts- und Bilderkennung sowie Algorithmen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen. Sie dienen vor allem der Überwachung von Menschenmengen und der Identitätsüberprüfung. Die Kameras sowie auch die Software von SenseTime können aus rund 100 Metern Entfernung eine Person identifizieren oder «ungewünschte» Verhaltensweisen erfassen, wie beispielsweise Rauchen, Prügeleien oder das regelwidrige Überqueren einer Strasse. Da es in China im Durchschnitt eine Überwachungskamera für drei Einwohner gibt, ist die Regierung in Peking der grösste Kunde von SenseTime. Auf Regierungsaufträge soll knapp die Hälfte des Umsatzes des Unternehmens entfallen. SenseTime hat auch eine vernetzte Brille entwickelt, die mit einer Gesichtserkennung ausgerüstet ist und seit 2018 von der Polizei in der Millionenmetropole Zhengzhou eingesetzt wird. Die massenhafte Überwachung erscheint umso bedenklicher, als SenseTime im Juli 2019 ein Patent für eine Technologie angemeldet hat, mit dem die Uiguren, ein Volk aus dem Nordosten Chinas, anhand ihrer Gesichtszüge erkannt werden können. Das Unternehmen steht seitdem in den USA auf der schwarzen Liste und darf deshalb keine Komponenten oder Technologien mehr aus den Vereinigten Staaten importieren. Washington vermutet, dass die Gesichtserkennungskameras von SenseTime für die Überwachung und polizeiliche Unterdrückung der Uiguren in der Region Xinjiang eingesetzt werden.

  • Gründung: 2000
  • Hauptsitz: COURBEVOIE (FR)
  • Umsatz: EUR 17.6 MRD
  • Beschäftigte: 77,000
  • Stock Exchange:

«Der Jahresbeginn 2023 bestätigt die sehr gute Dynamik all unserer Aktivitäten, mit einem organischen Umsatzwachstum, das dem Jahresziel voraus ist und vor allem durch unsere Geschäftstätigkeit in der zivilen Luftfahrt und der Biometrie Aufwind erhält.» So weit Patrice Caine, CEO von Thales, im Mai dieses Jahres. Sie unterstrich damit, dass sich die Biometrie zu einem wichtigen Zweig für den französischen Technologie- und Verteidigungskonzern gemausert hat. Im Gesamtjahr 2022 entfielen auf den Geschäftsbereich «Digitale Identität und Sicherheit» zwar lediglich 20 Prozent des Unternehmensumsatzes. Diese Sparte verzeichnete jedoch bei Weitem das grösste Wachstum (+21 Prozent zwischen 2021 und 2022), während die beiden anderen Geschäftsfelder des Konzerns, die Raumfahrt und die Verteidigung, lediglich 5,4 beziehungsweise 6 Prozent zulegten. 

Bei der Biometrie ist Thales in allen Bereichen vertreten. Das Unternehmen vertreibt Gesichtserkennungssysteme, aber auch Systeme zur Erkennung von Fingerabdrücken oder der Iris. Das Unternehmen hat insbesondere seine Technologie «Border Automated Biometric System» an zahlreiche Flughäfen verkauft, darunter an die Airports Bogotá El Dorado (Kolumbien), London Heathrow (Vereinigtes Königreich) und Paris Charles de Gaulle (Frankreich). Dem Marktforschungsunternehmen Markets and Markets zufolge dürfte das weltweite Geschäft mit biometrischen Anwendungen an den Grenzen 2023 rund 2,1 Mrd. Dollar ausmachen und im Jahr 2028 einen Wert von 3,9 Mrd. Dollar erreichen. In diesem Bereich konkurriert Thales mit Idemia aus Frankreich (nicht börsenkotiert), Sita aus den Niederlande (nicht börsenkotiert), Vision-Box aus Portugal (nicht börsenkotiert), Secunet Security Networks aus Deutschland und NEC Corporation aus Japan. Darüber hinaus bietet Thales auch biometrische Systeme für Regierungen, das Gesundheitswesen, für Finanzdienstleistungen und das Hotelgewerbe, aber auch für Casinos und die Glücksspielindustrie an. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt, den Titel des Unternehmens zu kaufen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits um 10 Prozent an Wert zugelegt.