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Interview

«Fortschreitende Demokratisierung der Finanzdienstleistungen»

Serge Kassibrakis, Head of Quantitative Asset Management bei Swissquote, analysiert, wie der Zugang zu Finanzdienstleistungen ständig erweitert wird. Aufgrund der von Fintech-Unternehmen angestossenen Umwälzungen ist es heute allen möglich, die für den Handel erforderlichen Instrumente zu nutzen.

Was halten Sie von der sogenannten Demokratisierung der Finanzdienstleistungen? Angesichts des Aufschwungs der Finanztechnologie und des Erfolgs der neuen Instrumente hat man den Eindruck, dass jeder Trader werden könnte.

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte wirklich jeder Trader werden. Ich sage «könnte», denn es genügt nicht, über die Instrumente für den Handel zu verfügen. Es sind auch bestimmte Kenntnisse erforderlich. Man kann nicht über Nacht Trader werden. Aber es stimmt sicher, dass der Zugang zu den Finanzdienstleistungen immer leichter wird. Bei Swissquote geschah das in drei Phasen. Zuerst wurden die Finanzdaten einem grossen Kundenkreis zur Verfügung gestellt. Danach gewährten wir unseren Privatkunden, die selbst traden wollten, direkten Zugang zur Börse. Schliesslich entwickelten wir elektronische Instrumente, mit denen unsere Kunden ihre Portfolios verwalten können.

Was halten Sie angesichts des Erfolgs der neuen Verwaltungsinstrumente von der Entwicklung der Robo-Advisor?

Diese neuen Instrumente stellen für den Standort Schweiz eine grossartige Chance dar. Das Ende des Bankgeheimnisses führte zu vielen Umwälzungen am eidgenössischen Finanzplatz. Ich möchte zudem unterstreichen, dass Robo-Advisor keine Bedrohung für die Finanzbranche darstellen. Im Gegenteil! Es handelt sich um neue technische Verfahren, mit denen Asset Manager, Privatbanken oder Finanzberater sich stärker auf Markteinschätzungen und Kundenbeziehungen konzentrieren und gleichzeitig viele zeitraubende administrative und aufsichtsrechtliche Prozesse automatisieren können. Zwischen diesen Technologien und den Finanzdienstleistern können erhebliche Synergien entstehen.

Welchen Nutzen bringen diese Instrumente den Finanzdienstleistern?

Zuerst ist zu unterstreichen, dass ein Robo-Advisor einfach ein Algorithmus ist, der regelmässig ausgeführt wird, um das Kundenportfolio zu optimieren. Manche Roboter, wie etwa das ePrivateBanking, sind in der Lage, auf Marktereignisse zu reagieren. Damit der Algorithmus richtig funktioniert, wird er sehr genau auf die angestrebte Anlagestrategie, die Interessen und die Risikoscheu des Kunden zugeschnitten. Ein Finanzdienstleister spart viel Zeit, weil er mit diesen Instrumenten die Verfahren bezüglich Compliance-Prüfung oder Auftragserteilung automatisieren kann. Das bedeutet, dass er in der Lage ist, sich auf die Parametrierung des Roboters, die Marktanalyse und die Kundenakquise zu konzentrieren. Die Robo-Advisor ermöglichen den Finanzdienstleistern, ihre Aufgaben neu zu definieren. Gleichzeitig sinken die Kosten der Finanzdienstleistungen, was wiederum dazu führt, dass immer mehr Kunden sich diese Services leisten können.

Welche Vorteile bieten sich also den Kunden?

Früher waren Finanzdienstleistungen einer sehr vermögenden Kundschaft vorbehalten. Heute wendet sich das System nicht mehr ausschliesslich an eine Elite. Auch Anleger mit zehn- oder hunderttausend Franken haben Zugang zu Finanzdienstleistungen. Ein Robo-Advisor garantiert dem Kunden, dass die Auftragserteilung immer seiner Anlagestrategie und seiner Risikoscheu entspricht.

Ich denke, dass Nachhaltigkeit zunehmend ein wichtiges Investitionskriterium für Kunden werden könnte

Der Aufschwung der Fintech-Unternehmen bietet dem Finanzplatz Schweiz eine grossartige Chance. Was sagen Sie zu nachhaltigen Investments, ebenfalls ein Bereich, der sich derzeit zügig entwickelt?

Nachhaltige Anlagen erleben einen Aufschwung und dürften bald immer wichtiger werden. Die Aktivität der Unternehmen muss immer strengeren ökologischen Normen entsprechen. Zudem sollte die Entwicklung des Anlagethemas Nachhaltigkeit dazu beitragen, dass die Marktwirtschaft auf lange Sicht nicht selbst ihren Untergang herbeiführt. In der quantitativen Vermögensverwaltung gibt es zwar nachhaltige Anlagechancen, sie sind aber eher gering.

Interessieren Sich Ihre Kunden bereits für diesen Anlagebereich?

Das Interesse der Kunden für nachhaltige Investments ist noch relativ bescheiden. Ich beobachte keine starke Nachfrage in diesem Bereich. Mit den Instrumenten, die wir unseren Kunden anbieten, ist es jedoch möglich, nachhaltige Fonds herauszufiltern und jene Fonds auszuscheiden, die sich nicht an die Grundsätze der Nachhaltigkeit halten. Meines Erachtens sollte Nachhaltigkeit ein immer wichtigeres Kriterium für die Kunden werden. Jetzt liegt es an uns, ihnen die richtigen Lösungen anzubieten, die ihre Erwartungen wirksam berücksichtigen.

veröffentlicht von Smart Media in Focus Business Solutions

 
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