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Kampf ums Streaming: Die SRG ist dabei

Das audiovisuelle Medienhaus startet im Herbst eine neue Streaming-Plattform.
Wir haben SRG-Generaldirektor Gilles Marchand in Bern zum Interview getroffen.

Hier im Büro von Gilles Marchand mit dem grossen hölzernen Konferenztisch werden also die wichtigen Entscheide für die SRG getroffen. Auf zwei Bildschirmen in einer Ecke laufen die Haussender. Es ist Montag, der 27. Januar. Rafael Nadal scheint in dieser Nacht in Melbourne herausfinden zu wollen, was in Nick Kyrgios steckt. Der Ton ist ausgeschaltet. «Diesen Tisch habe ich von RTS mitgenommen», sagt der gebürtige Lausanner und frühere Direktor von Télévision Suisse Romande mit einem Lächeln. Seit 2017 ist er Generaldirektor der SRG und arbeitet in Bern, im zehnten Stock des Hauptsitzes. Gilles Marchand ist bekannt für seinen Weitblick und seine genaue Kenntnis der Schweizer und internationalen Medienwelt. Wir haben mit ihm über die Zukunft der SRG, die wachsende Bedeutung des Streamings sowie über die digitalen und audiovisuellen Herausforderungen von morgen gesprochen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser neuen Streaming-Plattform von SRG?

Die Mediennutzung hat sich verändert. Video-on-Demand-Dienste, bei denen der Zuschauer sein eigener Programmdirektor ist, sind heute gefragter als das klassische lineare Fernsehen. Mit diesem Projekt reagieren wir auf die starke Nachfrage. Dies ist ein wichtiger Schritt. Denn das Programm wird erstmals in der Geschichte der SRG nicht nach Sprachen, sondern nach Themen gegliedert. Die Videos sind dann in der gesamten Schweiz im Originalton mit Untertiteln zu sehen. Wir gehen davon aus, dass die meisten Inhalte in allen Sprachregionen auf Interesse stossen werden.

Wie soll das Angebot genau aussehen?

Es wird hauptsächlich aus Filmen, Serien und Dokumentationen bestehen. Diese Formate eignen sich besonders gut für Video-on-Demand und eine thematische Zusammenstellung. Beispielsweise führt eine Suche nach dem Wort «Pandemie» – ein Thema, das in diesen Tagen leider besonders aktuell ist – zu Reportagen aus den verschiedenen Sprachregionen. Ausserdem planen wir Angebote zu einer Reihe von Veranstaltungen, die wir unterstützen.

Die Nutzer können sich kostenlos registrieren, um ihre bevorzugte Sprache auszuwählen und interessante Vorschläge von uns zu erhalten. Die gesammelten Daten sind sicher und werden nicht kommerziell genutzt. Die Technologie soll uns bei der Erfüllung unseres öffentlichen Auftrags helfen.

Wie sieht es mit Sportveranstaltungen und Nachrichten aus?

Diese Sendungen soll man nicht auf der Plattform abrufen. Hier bietet sich unseres Erachtens eher die lineare Ausstrahlung an. Tennismatchs gibt es aber wie gehabt auf rts.ch zu sehen. Die Zuschauer können weiterhin auf alle regionalen Portale kostenlos zugreifen.

Wird es exklusive Inhalte auf der neuen Plattform geben?

Es geht uns darum, den Zuschauern eine zusätzliche Möglichkeit anzubieten, unsere Produktionen anzusehen. Alle Inhalte werden linear ausgestrahlt und anschliessend auf Abruf zur Verfügung gestellt. Man wird auf verschiedene Weise auf den Katalog zugreifen können: über einen Webbrowser, über Apps oder auch über herkömmliche Fernsehgeräte. Wir sprechen zurzeit mit Telekom-Betreibern und anderen Anbietern, die Interesse an diesem Angebot zeigen.

Werden sich die Produktionen der SRG eines Tages auch mit den besten Serien aus Dänemark messen können?

Das ist unser Ziel! Doch auch in Kanada, Belgien und Israel werden grossartige Serien produziert. Wir streben durchaus ein vergleichbares Niveau an. Bisher war das Produktionsvolumen in der Schweiz nicht gross genug, um das erforderliche Fachwissen zu erwerben. Durch höhere Investitionen in Filme und Serien sowie die systematische Synchronisierung und Untertitelung sollte es möglich sein, diese Beschränkungen zu überwinden, da die Serien in allen Regionen des Landes ausgestrahlt werden.

Kann die SRG ein internationales Publikum erreichen – und wenn ja, wie soll das geschehen?

Serien, an denen wir als Minderheitskoproduzent in Zusammenarbeit mit einem französischen oder deutschen Sender mitwirken, wurden bisher nie in der Schweiz gedreht. Auch die Besetzung wird von dem Land bestimmt, das den grössten finanziellen Beitrag leistet. Um die Schweiz in die Welt hinauszutragen, muss man auch in der Schweiz produzieren. Eines unserer Ziele besteht darin, über die Schweiz zu erzählen, und zwar nicht nur in den Nachrichten. Das gehört zu unserer «Soft Power», die wir entwickeln wollen und die auch unserem Auslandsauftrag entspricht.

Gibt es auf der neuen Plattform auch Podcasts?

Sie soll im Wesentlichen eine Videoplattform sein. Bei der Nutzererfahrung besteht eine klare Trennung zwischen Video und Audio. Es kann sein, dass wir irgendwann eine spezielle Audioplattform einführen. Doch dies ist eine noch grössere Herausforderung als diejenige im Videobereich. Denn es ist schwierig, die verschiedenen Sprachen zusammenzuführen.

Bei der SRG stammen viele digitale Innovationen von RTS. Unter anderem Nouvo, die Play RTS-App oder die neue Sendung über Videospiele, die gerade auf Twitch gestartet wurde. In der Deutschschweiz scheint man weniger experimentierfreudig zu sein. Warum?

Die französischsprachige Schweiz zeichnet sich seit jeher durch ihre Innovationskraft aus. Dies gilt aktuell beispielsweise für die künstliche Intelligenz und die Archivverwaltung. Was den audiovisuellen Bereich betrifft, sehe ich vor allem konjunkturelle Gründe. Die Westschweizer Sender sind aufgrund ihrer Verbindungen zur französischsprachigen Welt internationaler ausgerichtet. Aber auch in der Deutschschweiz gab es in den letzten Jahren viele Innovationen. Vor allem im Audiobereich nimmt sie einen Spitzenplatz ein. In der italienischen Schweiz zeigt sich RSI offen für die Zusammenarbeit mit Youtubern.

Sind die Konsumgewohnheiten der Hörer in der Deutsch- und der Westschweiz sehr unterschiedlich?

Zum Teil ja. Interessant ist beispielsweise die grosse Bedeutung von Instagram in der Deutschschweiz im Vergleich zur Westschweiz. Andererseits ist Facebook in der Westschweiz nach wie vor sehr präsent, verliert aber in der Deutschschweiz an Boden. Dies liegt möglicherweise an den kulturellen Einflüssen Frankreichs und Deutschlands.

Zurück zu den Plattformen der SRG: Wie hoch ist der Anteil der Zuschauer, die sich die Sendungen auf der Website ansehen?

Dieser Anteil wächst stetig. Unsere Durchdringungsrate bei den linearen Kanälen ist rückläufig, wie es überall in ganz Europa zu beobachten ist, während die Video-on- Demand-Nutzung zunimmt. Diese Tatsache stellt uns angesichts unseres gemischten Finanzierungsmodells vor Herausforderungen. Die Finanzierung stammte in der Vergangenheit zu 75 Prozent aus Gebühreneinnahmen und zu 25 Prozent aus Werbeeinnahmen. Weil wir aus gesetzlichen Gründen auf digitalen Kanälen keine Werbung senden dürfen, verlieren wir Einnahmen. Da sind uns die Hände gebunden.

Halten Sie das für unfair, zumal die meisten Medien ihrerseits auch audiovisuelle Inhalte produzieren?

Dem kann ich nicht widersprechen (lacht). Das ist in der Tat ein wichtiges Thema. Allgemein gesehen ist die eigentliche Frage aber eher die Koexistenz der verschiedenen nationalen Medien in einem kleinen Land wie der Schweiz, in das die grossen internationalen Akteure drängen. Einige Verlage waren der Meinung – vielleicht sehen sie die Dinge heute etwas anders –, dass der Ausbau des digitalen Angebots der SRG bei ihnen zu geringeren Einnahmen führen würde. Deshalb waren sie dagegen. Die Konkurrenten sind aber nicht wir. Die echte Gefahr geht von den grossen Plattformen in den USA aus.

Wäre es nicht an der Zeit, das Kriegsbeil zwischen den Medienhäusern in der Schweiz zu begraben, damit sie gemeinsam gegen die GAFA antreten können, die den Grossteil der Werbeeinnahmen einstreichen?

Ich befürworte seit Langem eine solche Allianz. Dies würde den Schweizer Medienplatz stärken. Wir sind zu klein für eine weitere Zersplitterung. Durch die Bündelung des digitalen Angebots der SRG mit dem anderer Medienunternehmen könnten wir die Werbeeinnahmen in der Schweiz erhöhen.

Dies scheint nicht auf der Tagesordnung zu stehen...

Wir müssen die Verlage davon überzeugen, dass eine solche Zusammenarbeit in ihrem Interesse liegt. Diese Ansicht hat sich leider noch nicht überall durchgesetzt.

Gibt es keine Möglichkeit für gemeinsame technologische Projekte?

Doch, eine solche Möglichkeit gibt es. Die SRG beteiligt sich beispielsweise an der Schweizer Digital-Allianz, zu der die NZZ, Ringier, Tamedia und CH Media gehören. Ziel ist es, ein gemeinsames Login-System zu schaffen, mit dem die Nutzer auf die Medientitel der Teilnehmer zugreifen können. Und noch ein Beispiel: der Swiss Radioplayer, der 2018 lanciert wurde. Diese App bietet Zugang zu einer Vielzahl an öffentlichen und privaten Radiosendern der Schweiz.

 

«Angesichts des lawinenartigen Angebots von Disney sollte man lieber das Beste aus der nationalen Produktion bündeln»

 

So kann man eine kritische Masse erreichen. Und das ist hilfreich, um beispielsweise Automobilhersteller davon zu überzeugen, unsere Audioprogramme standardmässig in ihren Fahrzeugen anzubieten. Wir sind zudem Partner der Initiative for Media Innovation (IMI), eines Kompetenzzentrums an der ETH Lausanne, das mit verschiedenen Verlagen, Universitäten und mit RTS zusammenarbeitet. Es laufen mehrere Projekte. Sehr interessant ist ein Vorhaben, bei dem es um die Entwicklung von Algorithmen zur Identifizierung von Fake-News geht. Dies dürfte sowohl die Print- als auch die audiovisuellen Medien interessieren. Das Programm wird allen Partnern zur Verfügung stehen.

Beteiligt sich die SRG auch auf internationaler Ebene an digitalen Projekten?

TV5 Monde arbeitet dieses Jahr an TV5 Monde+, einem breit gefächerten Video-on-Demand-Angebot, an dem wir intensiv beteiligt sind. Die Plattform soll Sendungen umfassen, die für die weltweite Ausstrahlung freigegeben sind. Kanada zum Beispiel ist hier sehr aktiv. Betrachtet man das aus kultureller Perspektive, dann ist dies eine hervorragende Möglichkeit, die besten französischsprachigen Inhalte per Video-on-Demand zu verbreiten.

Was halten Sie von dem Streaming-Portal Salto von TF1, M6 und France Télévisions, das dieses Jahr starten soll?

Es liegt ganz klar im Interesse der privaten wie auch der öffentlichen Anbieter, sich zusammenzuschliessen, um trotz der wachsenden globalen Konkurrenz bestehen zu können. Angesichts des lawinenartigen Angebots von Disney sollte man sich lieber zusammensetzen und das Beste aus der nationalen Produktion bündeln.

Wie sehen Sie angesichts des verschärften Wettbewerbs zwischen den Sendern die Zukunft des Sports bei der SRG? Wird der Service public in der Schweiz in fünf Jahren noch wichtige Sportveranstaltungen übertragen?

Hier muss man unterscheiden: Die Olympischen Spiele, die Fussballweltmeisterschaft und typische Schweizer Sportarten wie das Skifahren werden auch in Zukunft ausgestrahlt. Bei der UEFA Champions League wird das viel schwieriger sein. Derzeit herrscht ein erbitterter Kampf um die Fernsehrechte, da neue Akteure, darunter auch die Swisscom, hinzugekommen sind. Wenn die Rechteinhaber zu kurzfristig denken, wird sich das irgendwann rächen. Denn in dem Moment, in dem die Spiele nur noch im Pay-TV zu sehen sind, werden die Zuschauer zunehmend das Interesse verlieren. Und dann werden sich auch die Sponsoren beschweren, weil sie nicht mehr so viele Menschen wie früher erreichen können.

 
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