DISCLAIMER

Our systems have detected that you are using a computer with an IP address located in the USA.
If you are currently not located in the USA, please click “Continue” in order to access our Website.

Local restrictions - provision of cross-border services

Swissquote Bank Ltd (“Swissquote”) is a bank licensed in Switzerland under the supervision of the Swiss Financial Market Supervisory Authority (FINMA). Swissquote is not authorized as a bank or broker by any US authority (such as the CFTC or SEC) neither is it authorized to disseminate offering and solicitation materials for offshore sales of securities and investment services, to make financial promotion or conduct investment or banking activity in the USA whatsoever.

This website may however contain information about services and products that may be considered by US authorities as an invitation or inducement to engage in investment activity having an effect in the USA.

By clicking “Continue”, you confirm that you have read and understood this legal information and that you access the website on your own initiative and without any solicitation from Swissquote.

SpaceX: Auf zum Mars!

In weniger als 20 Jahren hat Elon Musk SpaceX zu einem der wichtigsten Akteure der Raumfahrtindustrie
gemacht, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen: die Eroberung des Roten Planeten.

 

«Hallo zusammen. Ich bin der Gründer von SpaceX. In fünf Jahren sind Sie gestorben.» Mit dieser freundlichen Warnung begann Elon Musk seine Rede auf dem Raumfahrtkongress Satellite Lounge in Washington. Wir haben März 2006 und die anmassende Selbstsicherheit des jungen, damals 35-jährigen Unternehmers sorgt bei der Versammlung für grosses Gelächter. Alle wissen um den überschwänglichen Ehrgeiz dieses Millionärs in Jeans und T-Shirt. Vier Jahre zuvor erhielt er durch den Verkauf von PayPal an eBay 1,5 Mrd. Dollar und kündigte sogleich an, dass er sich auf die Eroberung des Mars stürzen werde.

Doch niemand nimmt ihn wirklich ernst. Für die Experten ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass Einnahmen einer so komplexen Branche wie der Raumfahrtindustrie in den Geldbeutel eines Newcomers fliessen. Zumal der junge Chef einen ambitionierten Flugplan hat: Seine Falcon 1 getaufte Rakete, in Gedenken an den Millennium- Falken von Star Wars, soll nur 15 Monate nach der Unternehmensgründung losfliegen! «Wir wollten eine günstige Rakete entwickeln, indem wir mit einem kleinen Team bei null anfangen; da, wo sich die Riesen jahrelang die Zähne ausgebissen haben. Die Leute hielten uns für verrückt. Sie sagten, es sei einfach unmöglich», erzählt Tom Mueller, Ingenieur bei SpaceX, in der Elon-Musk-Biografie des US-Journalisten Ashlee Vance.

 

«Elon Musk hat dem amerikanischen Raumfahrtprogramm die Vision und die Inspiration wieder zurückgegeben, die ihm fehlten»

Jim Bridenstine, Präsident der NASA

 

Doch die Experten täuschen sich. Nur 18 Jahre nach der Gründung im Jahr 2002 ist SpaceX das erste Privatunternehmen, das im Mai 2020 Astronauten ins All schickt. «Elon Musk hat dem US-Raumfahrtprogramm die Vision und die Inspiration zurückgegeben, die ihm seit neun Jahren, seit dem Ende der Raumfähren, fehlten. Er ist brillant», lobt ihn NASA-Chef Jim Bridenstine am Tag nach diesem historischen Flug. Ein Beweis dafür, dass in Cap Canaveral niemand mehr über Elon Musk lacht.

«Der Erfolg von SpaceX ist beeindruckend », betont Maxime Puteaux, Fachberater für die Raumfahrtindustrie beim Beratungsunternehmen Euroconsult. «SpaceX hat es geschafft, einen Sektor zu erschüttern, der bis dato in der Hand einiger weniger alteingesessener Akteure lag.»

GLÜCKLICHE UMSTÄNDE

Um dieses Kunststück zu vollbringen, kam SpaceX das Zusammentreffen mehrerer günstiger Faktoren zugute. Erstaunlicherweise war der erste Faktor ausgerechnet eine Katastrophe: Am 1. Februar 2003 brach die Raumfähre Columbia auseinander, als sie wieder in die Erdatmosphäre eintrat, und riss alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod. «Die Explosion der Columbia bedeutete einen Wendepunkt», sagt Maxime Puteaux. «Die NASA hatte nun realisiert, dass ihre Raumfähren zu teuer und zu gefährlich waren. Die Folge war, dass diese Linie eingestellt wurde.»

Um sie zu ersetzen und die Internationale Raumstation (ISS) weiterhin mit Personal und Material zu versorgen, muss die NASA ein neues Programm ins Leben rufen. Das Problem: 2004 kündigt US-Präsident George W. Bush aus Prestigegründen für 2020 die Rückkehr des Menschen auf den Mond an, ohne der NASA hierfür zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Die amerikanische Raumfahrtbehörde steckt also in der Klemme, da sie finanziell nicht in der Lage ist, beide Ziele gleichzeitig zu verfolgen.

So wird entschieden, dass die Entwicklung von Trägerraketen und Raumfahrzeugen für die Versorgung der ISS vollständig privaten Unternehmen übertragen wird, damit die NASA sich auf den Mond konzentrieren kann. Die Ausschreibung COTS (Commercial Orbital Transportation Services) beginnt im Januar 2006. Theoretisch hätte dieses Auswahlverfahren von den etablierten Unternehmen der Branche wie etwa Boeing und Lockheed Martin gewonnen werden müssen; beide Konzerne haben bereits von der NASA genutzte Deltabzw. Atlas-Raketen hergestellt. Doch statt in einen Wettstreit zu treten, verbünden sich die beiden Schwergewichte der Branche lieber noch im gleichen Jahr, indem sie ihre Raumfahrtaktivitäten in dem Joint Venture United Launch Alliance (ULA) zusammenlegen und damit faktisch eine Monopolstellung einnehmen. Diese Entwicklung ist keinesfalls nach dem Geschmack des damaligen Leiters der NASA, Michael Griffin, der vielmehr beabsichtigt, den Wettbewerb zwischen den Unternehmen anzufachen, um die Kosten der Raketenstarts zu senken. Griffin beschliesst daher, die Partie zu eröffnen. Das trifft sich gut: Denn zu Beginn der 2000er-Jahre träumen unglaublich viele Start-ups davon, die Preise für den Zugang zum Weltall zu unterbieten – darunter auch Blue Origin von Jeff Bezos, SpaceX von Elon Musk oder auch Virgin Galactic von Richard Branson. Die NASA braucht einfach nur zuzugreifen.

Im August 2006 wählt sie also zwei junge Unternehmen für die COTS-Ausschreibung aus: Rocketplane Kistler und SpaceX. «Es gab eine Art Fügung des Weltalls. SpaceX kam mit einem ungebändigten Innovationswillen genau in dem Moment, in dem die NASA die bestehende Ordnung infrage stellte. Während damals grosse Skepsis herrschte, ob SpaceX in der Lage sei, seine Mission zu erfüllen, wurde das Risiko auf Seiten der NASA nüchtern kalkuliert: Die Agentur hat darauf geachtet, den Vertrag in Lose aufzuteilen, ohne die Garantie, dass dieser bis zu seinem Ende läuft», erklärt Maxime Puteaux. «Für SpaceX hat der Gewinn dieses Auswahlverfahrens alles verändert. Vorher hatte das Unternehmen keinen Kunden. Und mit einem Mal wurde es glaubwürdig.»

Neben der Sicherung staatlicher Finanzierung reisst sich das Unternehmen zahlreiche Technologien der NASA unter den Nagel. Die ersten Schritte erweisen sich jedoch als chaotisch. Zwischen März 2006 und August 2008 scheitern die drei ersten Raketenstarts der Falcon 1, wobei SpaceX nur über finanzielle Mittel für vier Versuche verfügt.

Der letzte Versuch erfolgte dann am 28. September 2008. Und er wird ein Erfolg, der SpaceX in den Orbit befördert. Während das Unternehmen kurz vor dem Ruin steht, holt die NASA, die jetzt durch den Start überzeugt ist, in der Vorweihnachtszeit 2008 ihr Scheckheft heraus, um zwölf Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation (ISS) für 1,6 Mrd. Dollar in Auftrag zu geben. 2014 unterzeichnen die beiden Parteien einen neuen Vertrag über 2,6 Mrd. Dollar für die Beförderung von Astronauten zur ISS. 

MEHRWEG-RAKETEN

Mit den willkommenen öffentlichen Geldern kann Elon Musk die zweite Phase seines Projekts finanzieren: die Entwicklung einer wiederverwendbaren Trägerrakete. Eine Revolution in der Raumfahrtindustrie, die dem Unternehmen erlauben sollte, die Kosten der Raketenstarts drastisch zu senken. Trotz zweier Explosionen Mitte 2015 und im Sommer 2016 wurde im Dezember 2015 ein Meilenstein gelegt, als es SpaceX gelang, die erste Stufe der Falcon 9 reibungslos zur Erde zurückzubringen. Seitdem kehren die Raketen von Elon Musk fast schon routinemässig wieder auf den Boden zurück. «Es wird langsam normal, die Raketen wieder zu verwenden», amüsiert sich Elon Musk 2017 in einem Tweet. Und fügt hinzu: «Das ist gut. So ist es mit Autos und Flugzeugen, das Gleiche sollte auch für Raketen gelten.»

Die Herausforderung ist nicht nur eine ästhetische. SpaceX behauptet, die Wiederverwendung seiner Raketen reduziere den Preis für den Zugang zum Weltall erheblich. «Die Senkung der Kosten hängt von der Anzahl der Wiederverwendungen desselben Moduls ab. Gegenwärtig hat SpaceX seine Rakete bereits sechsmal erneut fliegen lassen, doch das Unternehmen zielt auf zehn Wiederverwendungen ab», betont Maxime Puteaux. «Ein weiteres Schlüsselelement sind die Wartungskosten zwischen zwei Flügen. Bei diesem Thema zeigt sich SpaceX nicht sehr redselig.»

 

«Ich würde gerne auf dem Mars sterben... aber nicht bei der Landung»

Elon Musk

 

Laut einem Bericht der Federal Aviation Administration (FAA) kostete 2017 der Start einer Falcon-9-Rakete 61,2 Mio. Dollar, im Gegensatz zu durchschnittlich 92 Mio. bei den Konkurrenten. Doch es erweist sich als schwierig herauszufinden, welche Rolle die Wiederverwendung bei diesem Wettbewerbsvorteil wirklich spielt.

«SpaceX hat weitere Innovationen hervorgebracht, die wesentlich weniger sichtbar, aber genauso wichtig wie die Wiederverwendung sind», führt Maxime Puteaux weiter aus. «Sein Werk ist beispielsweise vollständig integriert: Rohstoffe werden auf einer Seite hineingegeben und auf der anderen Seite kommen Raketen heraus, wogegen die Standorte der Konkurrenten weit verstreut sind. Dies erlaubt auch, die Kosten zu senken.» Dank der niedrigen Preise hat SpaceX seinen sensationellen Einzug auf dem lukrativen Markt der kommerziellen Satelliten gehalten.

2017 wurde das Unternehmen vor ArianeSpace aus Europa weltweiter Marktführer. Doch Elon Musk gibt sich damit noch lange nicht zufrieden. «SpaceX wurde nicht geschaffen, um Satelliten zu starten», erinnert Maxime Puteaux. «Das Ziel von Elon Musk war immer der Mars.»

SCHWERTRANSPORTE ZUM MARS

Um den Roten Planeten zu erobern, müssen Tonnen von Material befördert werden, was immer grössere XXL-Trägerraketen erfordert. Die erste, Falcon Heavy, absolvierte ihren Jungfernflug erfolgreich am 6. Februar 2018. An Bord war auch ein Tesla-Roadster, der nunmehr auf einem heliozentrischen Orbit zwischen Erde und Mars dahin- segelt. Die zweite Trägerrakete, Starship Super Heavy, flog im August für eine Minute. «Mars wird langsam glaubhaft», berichtete Elon Musk nach diesem Probeflug auf Twitter.

«Einziger Haken an diesem spektakulären Erfolg: Elon Musk ist es nicht gelungen, die Agenda der NASA zu beeinflussen», betont Maxime Puteaux. «Die US-Behörde hat für 2024 eine Rückkehr auf den Mond geplant, während er zum Mars möchte. Dieser Traum geht auf ein Missverständnis bezüglich der Apollo-Mission zurück. Nachdem der Mensch auf dem Mond war, glaubte eine ganze Generation, dies sei der Beginn einer Raumfahrt-Odyssee, bei der wir weitere Planeten erschliessen würden. Das ist nicht geschehen. » Elon Musk, der sich selbst als «Apollo-11-Waise» sieht, möchte diese Enttäuschung wettmachen und, koste es was es wolle, den Roten Planeten betreten. Wenn möglich unbeschadet. Auf einer Konferenz 2013 scherzte er: «Ich würde gern auf dem Mars sterben… aber nicht bei der Landung.»

 
Live chat