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Covid-19 – Katalysator der Digitalwirtschaft

Unternehmen, Länder und Zivilgesellschaften werden wirtschaftlich geschwächt aus der Krise
hervorgehen, allerdings mit einer weit verbesserten Digitalkompetenz. Sieben Beispiele.

Virtuelle Freizeitgestaltung

Am 25. März ist Lina 33 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages köpfte sie eine Flasche Champagner und stiess mit ihren Lieben an – vor dem PC-Bildschirm. Aufgrund der Ausgangssperre musste die junge Frau einen Online-Apéro über eine App wie Skype, Zoom oder Instagram organisieren. «Ich wollte meinen Geburtstag nicht alleine feiern», erklärt Lina. «Natürlich ist das nicht das Gleiche wie ein echtes Zusammentreffen, doch wir hatten trotzdem Spass», stellt sie fest. Und sie ist nicht die Einzige, der es so geht. Seit der Coronakrise sind virtuelle Apéros «in», und jeder hat seine eigene Bezeichnung dafür: Man spricht von «Coronapéro», E-Apéro» oder «Skypero».

«Vorher konnte man auf das Internet zurückgreifen, wenn man es wollte, jetzt hat man gar keine andere Wahl mehr», erklärt der Soziologe Olivier Glassey von der Universität Lausanne, der sich auf die Nutzung des Internets spezialisiert hat. «Durch diesen Zwang muss man schneller verstehen, wie alles funktioniert, und digitale Tools werden zum alltäglichen Begleiter für jedermann. Mittlerweile kann man beobachten, wie ehemals internetscheue Grosseltern jetzt über Videoplattformen mit ihren Enkeln kommunizieren.

Sobald sich der Kenntniserwerb durch alle Altersklassen zieht, ist eine Umkehr unwahrscheinlich.» Sämtliche Aktivitäten werden nun digital angeboten: von Yogakursen über Museumsbesuche vom Sofa aus bis hin zu Tanzlektionen. Das Angebot ist schier unerschöpflich. Die Apps, die als vorübergehender digitaler Ersatz für soziale Aktivitäten dienen, werden selbstverständlich nach der Krise wieder von der Bildfläche verschwinden. «Die E-Apéros werden sich zwar ins Gedächtnis einprägen, doch ich glaube nicht, dass sie sich halten werden, sobald die Bars und Lokale wieder offen sind», sagt Olivier Glassey und lächelt.

Apps mit echtem Mehrwert werden sich allerdings behaupten können. «Die Krise wird die gesellschaftlichen Trends, die sich bereits abzeichneten, noch verstärken», meint Julien Leegenhoek, Analyst für Technologieaktien bei der Union Bancaire Privée (UBP). Netflix ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Viele waren zuvor nicht mit dem Video-Streaming vertraut oder hatten bisher einfach kein Abo abgeschlossen. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen haben jedoch mehr Menschen den Schritt gewagt. Wenn man einmal damit angefangen hat, wird man wohl auch nach der Pandemie das Abo nicht kündigen. Die Krise wird in dieser Hinsicht die Abkehr vom klassischen Fernsehen weiter beschleunigen.»

Das Gleiche gilt für den E-Commerce: Aus Angst, sich mit dem Virus im Supermarkt zu infizieren, kaufen die Leute massenweise im Internet ein. Im März verzeichneten die Schweizer Seiten LeShop.ch, Coop @ home und Digitec Galaxus ein Allzeithoch an Bestellungen, wodurch die Liefertermine mitunter vollkommen ausgebucht waren! Amazon will 100’000 neue Logistikmitarbeiter einstellen. Das wäre ein Personalzuwachs von 12,5 Prozent. «Einfach Wahnsinn», kommentiert Julien Leegenhoek. «In vielen Bereichen wie Video- und Musik-Streaming (s. dazu auch die Ausgabe von «Swissquote Magazine» im März 2020), E-Commerce oder auch Videospiele wird die Pandemie dafür sorgen, die Präsenz digitaler Dienste im Alltag zu verstärken. Diese Markttendenz bestätigt sich, denn die Aktien der Unternehmen, die in diesen Branchen aktiv sind, konnten den Einbruch an der Börse viel besser verkraften als andere.»

So lag die Netflix-Aktie Anfang Januar beispielsweise bei 325 Dollar, knapp drei Monate später, am 14. April, kam sie auf 395 Dollar. Um diese Art von Wertpapieren nicht aus dem Auge zu verlieren, erstellte die amerikanische Investmentgesellschaft MKM Partners im Februar den Börsenindex «Stay at Home Index», der etwa 30 Unternehmen umfasst, die von den weltweiten Ausgangsbeschränkungen profitieren.

UNTERNEHMEN IM FOKUS

Activision Blizzard (Videospiele), Amazon (E‑Commerce), Blue Apron (Essenslieferservice), eBay (E‑Commerce), JD.com (E‑Commerce), Match Group (Online‑Dating), New York Times (Medien), Slack (Instant‑Messaging), Zoom (Videokonferenzen), Zynga (Online­‑Spiele)


Automatisierung auf der Überholspur

Viele Büroangestellte können auch während der geltenden Ausgangsbeschränkungen auf dem Sofa weiterhin ihre Arbeit mit dem Laptop erledigen – vielfach auch ohne Kurzarbeit. Für Fabrikarbeiter sieht das allerdings ganz anders aus. Hier steht für die meisten wegen der Werkschliessungen Kurzarbeit auf dem Programm. Am 26. März gingen so etwa 570'000 Menschen in der Schweiz Kurzarbeit nach. Dies entspricht 11 Prozent aller Arbeiter. «Die Chefs haben begriffen, dass ein erneuter Produktionsstopp einem Positionsverlust in der Lieferkette gleichkäme», bemerkt Duncan Turner, Experte für Robotik bei HAX, einem Inkubator aus Shenzhen. Dadurch dürfte sich die Robotisierung in den Werken nur noch stärker beschleunigen, insbesondere in China, der «Fabrik der Welt».

Denn das Prinzip ist einfach: Ohne Bedarf an menschlichen Arbeitskräften kann der Betrieb in einem Werk auch während einer Gesundheitskrise ungehindert weitergehen. 2018 installierte das Schweizer Unternehmen ABB im Auftrag der US‑Gruppe Hella Electronics elf Roboter in ihrem Schanghaier Werk, um Autoschlüssel herzustellen. Stolz berichtet Eike Christian Meuter, Sprecher von ABB, dass die Fertigungslinie trotz Covid‑19 unterbrechungsfrei beibehalten werden konnte, da die Roboter praktisch ohne menschliches Zutun einsatzfähig seien.

In den kommenden Monaten werden die Roboterbestellungen in die Höhe schnellen. «Die Zahl der Ausschreibungen für neue Projekte ist rekordverdächtig», meint Emil Hauch Jensen, Verantwortlicher für den chinesischen Markt beim dänischen Hersteller Mobile Industrial Robots. Bereits vor der Epidemie war China bei der Automatisierung, vor allem in den Bereichen Elektronik, Automobile und Logistik, weit fortgeschritten. 2019 wurden 39 Prozent aller neuen Industrieroboter in China installiert.

«Die Bevölkerung altert, die Gehälter steigen und die jungen Generationen lehnen monotone Fliessbandarbeit ab», betont Jenny Chan, eine Hongkonger Soziologin, die sich auf den chinesischen Fertigungssektor spezialisiert hat. «Chinesische Unternehmen setzen gezwungenermassen immer mehr auf Automatisierung.» Foxconn, einer der wichtigsten Apple‑Zulieferer, habe bereits 400'000 Arbeiter durch Roboter ersetzt. ABB ist in diesem Segment führend. Andere wichtige Mitbewerber sind Kuka (Deutschland), Fanuc und Yaskawa Electric (beide Japan) und eine Reihe chinesischer Start‑ups. 2019 begann der Schweizer Konzern mit dem Bau einer neuen Fabrik in Schanghai, in der intelligente Roboter produziert werden sollen: Sie sind in der Lage, autonome Entscheidungen zu treffen, Abweichungen im Produktionsablauf zu erkennen und mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Und jetzt hat die Pandemie neue Geschäftsmöglichkeiten für Roboterhersteller eröffnet. Pudu Technology, ein Start‑up aus Shenzhen, hat beispielsweise rund 100 Spitäler in China, Hongkong und in Südkorea mit Robotern ausgerüstet. «Diese Roboter können Patienten Medikamente oder Nahrung verabreichen. Damit werden Berührungen und folglich die Ausbreitung der Krankheit vermieden», erläutert Ben Zheng, Marketingleiter der Firma. Das Pflegepersonal kann sich so um wichtigere Aufgaben kümmern.

Youibot und iSmart, zwei weitere Start‑ups aus Shenzhen, haben ihrerseits Roboter entwickelt, die mit einem extrem starken UV‑Licht Räume und Fussböden in Spitälern desinfizieren können, erklärt Duncan Turner. Andere Unternehmen haben Maschinen entwickelt, die bei Patienten die Temperatur messen und einen Speichelabstrich bei möglicherweise Erkrankten durchführen können, um das Virus nachzuweisen. Mehrere dieser Firmen spekulieren darauf, nach der Epidemie aus diesen Fortschritten Kapital zu schlagen. Youibot hat bereits einen Vertrag mit einem Fertigungsunternehmen aus Suzhou in der Nähe von Schanghai unterzeichnet, das die Roboter zur Desinfektion seiner Werke verwenden möchte. Pudu Technology wirbt damit, dass seine Lieferroboter für Restaurants hygienischer seien als eine menschliche Bedienung. Ausserdem könnten sie im Falle eines Personalmangels einspringen.

UNTERNEHMEN IM FOKUS

Die Industrieroboterhersteller ABB, Midea (Eigentümer von Kuka), Fanuc und Yaskawa Electric


Homeoffice für alle

«Bisher war Telearbeit in Unternehmen eher die Ausnahme als die Regel. Durch die Gesundheitskrise bekommt das Konzept jedoch gehörigen Aufwind», erklärt Olivier Glassey von der Universität Lausanne, ein Experte für Internetnutzung. «Falls sich Telearbeit während der Ausgangssperre bewähren sollte, werden die Führungskräfte diese Option in Zukunft stärker berücksichtigen.»

Julien Leegenhoek von der UBP ist überzeugt: «Nach der Pandemie werden sich die Unternehmen eine Frage stellen: Und was tun wir, wenn wir jedes Jahr so eine Krise haben sollten? Es gilt, alle Aktivitäten in die Cloud zu verlagern, wie es Experten schon seit fünf Jahren predigen. Wir sprechen nicht von Homeoffice 1.0, bei dem es einfach nur darum ging, von zu Hause aus auf seinen Bürocomputer zuzugreifen. Es geht hier vielmehr um die Virtualisierung der gesamten Software. Diese dezentralisierte Organisationsform wird nach der Krise zunehmend beliebter werden, weil das Modell flexibler, kostengünstiger und effizienter ist.»

Diese Meinung vertritt auch Arturo Bris, Finanzdozent an der IMD Lausanne und Experte für den digitalen Wandel: «Durch die Krise entsteht ein allgemeines Bewusstsein, dass man von jedem Ort aus arbeiten könnte. Langfristig könnten demnach sogar die Konzernzentralen aufgegeben werden.»

Angesichts der bevorstehenden Migration reibt man sich bei den Cloud‑Giganten Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud schon die Hände. Doch sie sind nicht die Einzigen. Auch viele andere Software‑Unternehmen dürften davon profitieren: zum Beispiel Salesforce (Anbieter von Unternehmenssoftware und Kundenbeziehungsmanagement), Workday (Personalverwaltung und Rechnungswesen) und ServiceNow (IT). «Allein in den USA gibt es mehr als 150 Cloud-Computing-Firmen», unterstreicht Julien Leegenhoek. «Ihre Gesamtkapitalisierung liegt über der des französischen Leitindex CAC 40. Das ist schon gewaltig.»

UNTERNEHMEN IM FOKUS

Alibaba, Alphabet, Adobe, Amazon, Everbridge (Krisenmanagement), IBM, Microsoft, Oracle (Unternehmenssoftware), Sage (Software), Salesforce (Software), SAP (Software), ServiceNow (Software), Shopify (E‑Commerce‑Lösungen für Unternehmen), Workday (Software), DocuSign (digitale Signatur), Dropbox (Datenspeicherung), RingCentral (Kommunikation)


Endlich kommt die Telemedizin

Was für eine Wachstumskurve! Zwischen dem 1. Januar und dem 31. März verdoppelte sich der Wert der Teledoc-Health-Aktie von 80 auf 160 Dollar. Das grösste amerikanische Telemedizin-Unternehmen aus New York bietet die Möglichkeit, einen Arzt zu Rate zu ziehen und ein Rezept zu erhalten, ohne vom Sofa aufstehen zu müssen. In der Gesundheitskrise erhöhen Arztbesuche ein Risiko für die Ausbreitung des Virus. In der zweiten Märzwoche verzeichnete Teledoc auf seiner Plattform über 50 Prozent Sprechstunden mehr als genau ein Jahr zuvor. An manchen Tagen wurden bis zu 15’000 Sprechstunden angefragt. Überall auf der Welt erfreuen sich Fernbehandlungen ähnlich wachsender Beliebtheit.

In Frankreich stieg die Zahl von Telesprechstunden auf der Plattform Doctolib in der Zeit vom 5. bis zum 30. März um den Faktor 100. In der Schweiz möchten mehrere Start-ups auf den Zug aufspringen. So wie das Unternehmen eedoctors aus Bern, das seine virtuelle Praxis nicht nur Hausärzten, sondern auch Spitälern und anderen Gesundheitseinrichtungen zugänglich gemacht hat.

«Telemedizin ist nicht neu, sie wird schon seit Mitte der 1990er-Jahre immer wieder ins Gespräch gebracht», sagt Julien Leegenhoek von der UBP. «Doch bisher waren sowohl Patienten als auch Ärzte eher gegen die Online‑Sprechstunde. Die Coronakrise zeigt jetzt die Vorteile dieses Angebots, weil Arztpraxen und Spitäler nicht zusätzlich belastet werden und das Infektionsrisiko sinkt. Telesprechstunden sind noch dazu rund um die Uhr und an jedem Wochentag möglich.» In einem anderen Medizinbereich hat auch Schrödinger, Anbieter von rechnergestützten Softwarelösungen für die Arzneimittelentwicklung, etwas von der Krise. Das Unternehmen offeriert eine Plattform, mit der die therapeutische Wirksamkeit eines Moleküls virtuell, anhand physikalischer Modellierung und maschinellen Lernens, überprüft werden kann. Die Technologie zur Virtualisierung klinischer Tests dürfte die Entwicklung von Medikamenten vorantreiben.

UNTERNEHMEN IM FOKUS

Schrödinger (Digital-Chemie), Teladoc Health (Telemedizin), NextGen Healthcare (Telemedizin)


Blockchain auf dem Vormarsch

Die Entmaterialisierung von Arbeit und Freizeit, die durch die Gesundheitskrise herbeigeführt wurde, dürfte die Umsetzung der Blockchain in Wirtschaft und Gesellschaft begünstigen. «Dezentralisierte Kommunikation setzt gesicherte Transaktionen aus der Ferne voraus. Genau das bietet die Blockchain», erklärt Arturo Bris, Finanzdozent an der IMD in Lausanne und Co-Autor des Buchs «Block change! How to survive the crypto economy» (2018, TROI Studio/IMD). «Diese Technologie ist für den Austausch zwischen zwei Unternehmen oder Personen über das Internet gedacht. Dabei muss sichergestellt werden, dass jede Seite ihre Pflichten erfüllt, ohne die Bestätigung eines Dritten zu benötigen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft wird sich die Umsetzung von Blockchain‑Lösungen beschleunigen.»

KRYPTOWÄHRUNGEN IM FOKUS

EOS, Ether, Cardano, Neo, XRP, Stellar Lumens und alle anderen Kryptowährungen, die die Erstellung von Smart Contracts und dezentralisierten Anwendungen ermöglichen


Der neue Überwachungsstaat

Seit Ende Februar dieses Jahres hat der chinesische Staat in Kooperation mit dem Online-Riesen Alibaba sehr leistungsstarke Tools eingesetzt, um die Epidemie einzudämmen. Die Geolokalisierung der Smartphones, die Verwendung von Kameras mit Gesichtserkennung und die allgemeine Pflicht zur Temperaturmessung halfen der chinesischen Regierung dabei, Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten oder mit Infizierten in Kontakt waren, schnell herauszufiltern. Die Infektionskette konnte so innert relativ kurzer Zeit drastisch reduziert werden.

«Die Vorzüge dieser Technologien im Kampf gegen das Coronavirus sind offensichtlich», verdeutlicht Arturo Bris, Finanzdozent an der IMD in Lausanne. «Durch die gezielte Verwendung konnte die Epidemie in China, Singapur und Südkorea unter Kontrolle gebracht werden.» Gute Gründe also für andere Länder, diesem Beispiel zu folgen.

Der Bundesrat bat die Swisscom Ende März, alle Zonen mit mindestens 20 SIM-Karten auf 10’000 Quadratmetern zu bestimmen, um herauszufinden, ob die Bevölkerung sich an die Ausgangsbeschränkungen hielt. Auch in Italien, Frankreich und Grossbritannien wird auf die Daten der Telefonieanbieter zurückgegriffen. «Ich bin erstaunt, wie viele Daten im Laufe der Epidemie gesammelt und gespeichert wurden, doch die Auswertung muss noch schneller erfolgen», betont Arturo Bris. «Die Investitionen in künstliche Intelligenz und Big-Data-Analysen werden nach der Pandemie steigen, um die Nutzung dieser Daten zu verbessern.»

Viele Länder – darunter Frankreich, Belgien und Spanien – haben als Überwachungs- und Abschreckungsmassnahme Drohnen eingesetzt. Bisher ist die Echtzeit-Gesichtserkennung per Überwachungskamera in Europa nicht möglich, in China allerdings sehr wohl.

«Mit jeder Krise verschieben sich die Grenzen des Akzeptablen», erklärt Olivier Glassey. «Was gerade vor sich geht, ist für uns vollkommen neu. In dieser Situation geht die Politik etwas freigiebiger mit Überwachungsmassnahmen um. Doch wird diese Büchse der Pandora nach der Krise wieder verschlossen?» Das Problem ist, dass Massnahmen, die ursprünglich für den Notfall gedacht waren, hinterher oftmals beibehalten werden. «Nach der Krise könnten datenhungrige Regierungen darauf bestehen, den Überwachungsdienst am Laufen zu halten, da eine zweite Coronawelle nicht auszuschliessen sei oder weil sich ein neuer Stamm des Ebolavirus in Afrika entwickle», warnt Yuval Noah Harari, Historiker und Autor des Buchs «Sapiens - eine kurze Geschichte der Menschheit», in einer Kolumne der «Financial Times» vom 20. März.

«Das Coronavirus könnte einen Wendepunkt in der Debatte markieren: Wenn man die Wahl hat zwischen Datenschutz und Gesundheit, entscheidet man sich normalerweise für die Gesundheit. Doch das ist eine falsche Alternative: Wir müssen sowohl die Privatsphäre als auch die Gesundheit schützen.»

UNTERNEHMEN IM FOKUS

Apple, Alphabet, Alibaba, Baidu (Internet), IBM, iFlytek (Gesichtserkennung), Hikvision (Videoüberwachung), Dahua Technology (Videoüberwachung)


Kritik an 5G verstummt

Diese Neuigkeit sorgte für Aufsehen: YouTube (Google) und Netflix drosselten Ende März auf Bitten der europäischen Behörden ihre Übertragungsgeschwindigkeiten. In Frankreich verschob sich ausserdem der Start der Video-Streaming-Plattform Disney+ – auch das auf Anfrage der Regierung. Damit will man den Druck auf das Netz reduzieren, um eine Überlastung zu vermeiden.

«China und die USA liefern sich einen 5G-Wettlauf, während Europa den Startschuss verpasst hat», stellt Arturo Bris, Professor für Finanzen an der IMD in Lausanne, fest. «Mit der Krise muss der alte Kontinent anerkennen, dass die Kapazitäten des 4G-Netzes bald ausgeschöpft sein werden und die neue Technologie zur Notwendigkeit wird. Sobald das Ende der Pandemie erreicht ist, wird die beschleunigte Bereitstellung erfolgen.» Die lautstarke Kritik um mögliche Negativfolgen der 5G-Technologie ist verstummt. In der öffentlichen Diskussion wird mittlerweile vielmehr betont, dass ein robusteres Netz unbedingt notwendig sei (s. auch die Ausgabe von «Swissquote Magazine» vom Juli 2019).

Und Peking scheut weder Kosten noch Mühen, um westliche Regierungen von der Qualität des 5G-Netzes von Huawei zu überzeugen. Das Unternehmen, das von den US-Sanktionen gegen China betroffen ist, schenkte Spanien mehr als eine Million Masken, den Niederlanden 800’000, Italien 200’000 und Polen 12’000. «Wir werden uns an die Länder erinnern, die uns in dieser schweren Stunde beistanden», liess der italienische Aussenminister Luigi Di Maio verlauten. Parallel dazu bietet Huawei den europäischen Spitälern momentan Lösungen an, um ihre Konnektivität zu verbessern und Netzwerke zu entlasten.

In einem Blogbeitrag mahnt Josep Borrell, Hoher Vertreter der Europäischen Union für Aussen- und Sicherheitspolitik: «Wir müssen uns der geopolitischen Komponente bewusst sein. Dabei geht es auch um Einflussnahme durch Überwachung und um eine Politik der Grosszügigkeit.»

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Die Betreiber von Netzinfrastrukturen Ericsson, Cisco, Nokia, Samsung und ZTE

 
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